Kosmetik: Immer mehr Anbieter mit neuen Produkten. Lotions oft ausverkauft. Hersteller von der großen Nachfrage überrascht. Neue Cremes kosten zwischen 4,50 und sechs Euro.

Hamburg. Die Regale sind fast leer. Wegen der großen Nachfrage nach selbstbräunenden Körperlotionen sind viele Händler ausverkauft. Nachdem im vergangenen Jahr Johnson & Johnson mit seiner bebe-Lotion Holiday Skin in Deutschland große Erfolge feierte, kommen immer mehr Hersteller mit ähnlichen Cremes auf den Markt. "Wir scheinen mit unserem Produkt den Auslöser für ein völlig neues Marktsegment gegeben zu haben, das jetzt einen Boom erlebt", sagt Edda Andresen, Sprecherin von Johnson & Johnson, dem Abendblatt.

Selbstbräunungscremes gibt es schon lange. Neu ist, daß bebe und andere Anbieter eine Feuchtigkeitscreme mit selbstbräunenden Stoffen kombiniert haben. Erst nach einer mehrtägigen Anwendung verdunkeln sich die eingecremten Stellen, da der Anteil des selbstbräunenden Zusatzes geringer ist als bei herkömmlichen Produkten. Diese zeigen schon beim ersten Auftragen Wirkung, allerdings scheint die Haut oftmals scheckig und es entstehen dunkle Ränder. Mit der neuen Technologie sanken auch die Herstellungskosten. So kosten die Lotions nun zwischen 4,50 Euro und rund sechs Euro. Früher waren es mehr zehn Euro.

Bebe konnte 2005 mit Hilfe der neuen Produkte zweistellige Verkaufssteigerungen im Bereich Körperpflege erreichen. Der Anteil im hart umkämpften Markt der Körperlotions mit einem Volumen von 300 Millionen Euro stieg von 4,4 Prozent auf 7,2 Prozent. In diesem Jahr soll es weiter aufwärtsgehen, so Andresen.

Auch andere Anbieter haben die Marktlücke erkannt und sind in diesem Jahr mit selbstbräunenden Körperlotions auf den Markt gekommen. Und auch sie feiern Erfolge. So waren die Cremes der Marke Dove in den Städten Köln, München und Hamburg in den vergangenen Wochen zeitweise ausverkauft. "In vielen Geschäften waren die Regale schnell leer", so Nicole Ehlen, Managerin der Marke Dove, die zum Unilever-Konzern gehört. Das erste Halbjahr 2006 komme Dove auf fast 50 Prozent des Umsatzvolumens in diesem Marktsegment, so Ehlen weiter.

Das Hamburger Unternehmen Beiersdorf, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Körperpflege, ist am 1. April mit einer selbstbräunenden Nivea-Körperlotion herausgekommen. Auch Beiersdorf wurde von der Nachfrage überrascht. "Wir haben den Bedarf unterschätzt und konnten zeitweise nicht mehr liefern", sagt der Produktmanager für Nivea-Body, Martin Rösler. Derzeit verkauft das Unternehmen im Monat 150 000 Bräunungslotionen und hat damit einen Marktanteil von 15 Prozent.

Britta Klebon, Wissenschaftliche Direktion L'Oreal Deutschland (Marke: Garnier), erklärt das Interesse an den Lotions mit einem gestiegenen Gesundheitsbewußtsein. "Immer mehr Menschen erkennen, daß ein Sonnenbad oder das Sonnenstudio nicht gesund sind und suchen nach Alternativen." Dies bestätigt auch der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Und Edzard Schönrock, Sprecher des Rossmann Drogeriemarktes, ergänzt: "Die Nachfrage ist selbst in Sonnenländern wie Spanien und Italien riesengroß."

Nach einer Analyse des Marktfoschungsinstituts AC Nielsen hat sich der Markt für selbstbräunende Bodylotions 2006 bereits verfünffacht. Damit machen die bräunenden Cremes jetzt rund zehn Prozent des gesamten 300 Millionen Euro starken Marktes für Bodylotions aus. Derzeit gibt es etwa 15 Produkte verschiedenster Herstellern.

Wegen des großen Erfolges wollen viele Unternehmen ihre Produktpalette mit bräunenden Cremes ausweiten. Bei Garnier und Beiersdorf werden bereits verschiedene Produkte für das kommende Jahr kreiert. Gleichzeitig beginnen die Drogeriemärkte, die Sonnenbräunungslotions in die Produktpalette ihrer eigenen Hausmarken aufzunehmen. So hat Budnikowsky unter dem Namen Balea eine Creme herausgebracht. Unternehmenssprecherin Susann Hillmann: "Wir haben gesehen, wie erfolgreich die Lotions sind und sind sofort eingestiegen."