Mittwoch, 15. Februar 2012, 01:57

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Acht Milliarden Euro mehr Dividende

Börse: Firmen spendabler. Dennoch Kritik von Aktionärsschützern: Ausschüttungen bleiben hinter Gewinnsteigerungen zurück. 60 Prozent der Firmen zahlen nichts.

Hamburg. Um rund 500 Punkte ist der Deutsche Aktienindex (DAX) zuletzt innerhalb weniger Handelstage gefallen. Doch wenigstens einen schwachen Trost gibt es für die Anleger: Die Dividenden, die in diesem Frühjahr ausgeschüttet werden, liegen deutlich höher als im Jahr zuvor.

So zahlten die 950 in Deutschland börsennotierten Unternehmen, deren Daten die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auswertete, für das Geschäftsjahr 2005 ihren Aktionären 29,6 Milliarden Euro. Das waren gut acht Milliarden Euro oder 39,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 22,8 Milliarden Euro (plus 39,8 Prozent) entfiel der Löwenanteil auf die 30 DAX-Konzerne.

Für die Anleger ist das eine gute Nachricht, denn wie Studien zeigen, lieferten langfristig gesehen die Dividenden fast die Hälfte der Gesamtrendite von DAX-Aktien. Zwar sinkt am Tag nach der Ausschüttung der Kurs üblicherweise um den gezahlten Dividendenbetrag, dieser sogenannte Dividendenabschlag wird aber in der Praxis meist schon bald wieder aufgeholt.

Allerdings fanden die Aktionärsschützer der DSW doch ein Haar in der Suppe: "Was uns weniger freut ist die Tatsache, daß die Steigerung der Dividendenzahlungen mit den Zuwächsen bei den Gewinnen wieder nicht mithalten konnte", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker gestern in Frankfurt. "Statt sich der aus unserer Sicht gebotenen Ausschüttungsquote von 50 Prozent des Gewinns zu nähern, entfernen sich die Unternehmen davon", sagte Hocker.

So ist die Quote nach Berechnungen der DSW im Geschäftsjahr 2005 bei den 30 im DAX enthaltenen Konzernen von 38 auf 37 Prozent gesunken. Eine mögliche Erklärung dafür nennt Haspa-Analyst Jochen Intelmann: "Die Unternehmen möchten einen Puffer haben, um die Ausschüttung in unveränderter Höhe halten zu können, auch wenn die Gewinne nicht mehr weiter zunehmen." Schließlich orientierten sich viele Anleger an der Dividendenkontinuität eines Börsenwerts. Intelmann geht davon aus, daß im Geschäftsjahr 2006 die Unternehmensgewinne nur noch ganz leicht steigen. Für das kommende Jahr sind die Aussichten eher ungünstig: "Es gibt nicht vieles, was heute dafür spricht, daß dann die Gewinne weiter zulegen", so der Analyst.

Doch für das Geschäftsjahr 2005 haben immerhin 26 der DAX-Unternehmen die Dividende angehoben. Absolut gesehen zahlte der Energieriese E.on mit 4,8 Milliarden Euro den höchsten Betrag aus, wozu aber auch eine Sonderausschüttung beitrug. Auf dem zweiten Platz rangiert die Telekom mit gut drei Milliarden Euro. "Dieser Betrag muß, mit Blick auf den mehr als mäßigen Kursverlauf, aber wohl eher als Schmerzensgeld bezeichnet werden", merkte Ulrich Hocker an.

Neben der geringen Ausschüttungsquote mache ihm die große Zahl der Unternehmen Sorge, die überhaupt keine Dividende ausschütten. Dies betreffe 60 Prozent der in Deutschland börsennotierten Gesellschaften, vor allem kleinere Firmen: "Hier haben die Anteilseigner oft nur das Kapitalrisiko, ohne dafür eine entsprechende Risikoprämie in Form einer Dividende zu erhalten."

In den Jahren vor dem Börsenboom lag der Anteil der dividendenlosen Gesellschaften nach Angaben der DSW nur bei etwa 25 Prozent. Der deutliche Anstieg sei vor allem damit zu erklären, daß sich unter den Neuemissionen der vergangenen Jahre "zahlreiche Unternehmen befanden, die nicht annähernd reif für die Börse waren und deren Geschäftsideen mehr schlecht als recht funktionierten", vermutet Hocker.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus