Fernsehen aus der Telefondose für Hamburg
Hansenet: 100 TV-Kanäle. Harter Konkurrenzkampf. Telekom hinkt hinterher - Konzern verliert massiv Kunden. Kabel Deutschland reagiert gelassen.
Hamburg. Der Wettbewerb um Telefon-, Internet- und Fernsehkunden in Hamburg geht in eine neue Runde. Nachdem der Marktführer für Kabelfernsehen, Kabel Deutschland, der Konkurrenz seit Wochen mit speziellen Pauschalangeboten für Telefon- und Internet-Anschlüsse den Kampf ansagt, kontert HanseNet jetzt mit einem eigenen Angebot (Alice homeTV) für bis zu 100 TV-Programme. Die Programme kommen für zusätzlich 9,90 Euro im Monat über die DSL-Internet-Leitung ins Haus, wenn der Kunde einen Anschluß bei HanseNet bucht.
Auch die Deutsche Telekom will im Sommer in Hamburg mit einem TV-Angebot über das Internet auf den Markt kommen, hat aber nach Medienberichten noch Probleme, weil ARD und ZDF die Einspeisung ihrer Programme nicht zulassen wollen. Der Telefonriese steht dabei besonders unter Druck. Nicht nur, weil in den vergangenen Jahren insgesamt 330 000 Haushalte in Hamburg mit ihrem Telefon- und Internet-Anschluß zu HanseNet gewechselt sind. Auch bundesweit ist der Trend eindeutig: Allein im ersten Quartal gingen der Telekom rund 500 000 Telefonanschlüsse verloren.
Kabel Deutschland (KDG) sieht den Vorstoß von HanseNet unterdessen gelassen: "Wir nehmen das Angebot des Wettbewerbers ernst, sehen uns aber gut aufgestellt", sagte ein Sprecher von KDG dem Abendblatt. Man biete für monatlich 14,13 Euro derzeit 54 digitale Free-TV-Kanäle an und werde diese Zahl bis Jahresende "deutlich ausbauen". HanseNet will die Zahl der TV-Kanäle in den kommenden Jahren auf 200 erweitern.
Mit seinem Angebot, TV über die DSL-Leitung ins Haus und per Modem und Settop-Box auf den Fernseher zu bringen, ist HanseNet Pionier in Deutschland. "In Italien und Frankreich gibt es Internet-Fernsehen schon länger, mit mehreren hunderttausend Kunden", sagte HanseNet-Chef Harald Rösch. Er selbst plant zunächst mit etwa 10 000 Kunden bundesweit im ersten Jahr. In den kommenden Wochen sollen Rostock und Schwerin an das Netz angeschlossen werden, danach folgt bis Jahresende eine bundesweite Offensive.
Interessant dürfte das Angebot zunächst nur für Wechselwillige sein, die einen direkten Vertrag mit Kabel Deutschland haben. Hamburger, die hingegen ihre TV-Kabelgebühren mit der Miete direkt an den Vermieter überweisen, können einen vorhandenen TV-Kabelanschluß (meist mit etwa 30 analogen TV-Kanälen) nach Auskunft der Mietervereine nicht von sich aus kündigen.
In den 9,90 Euro, die HanseNet als Grundgebühr verlangt, sind 60 Free-TV-Programme enthalten, dazu gibt es Bezahl-TV-Pakete für bis zu 40 weitere Sender. So kostet das Paket "Big Entertainment" 14,90 Euro im Monat und enthält Programme wie National Geographic, Wine TV oder einen Wetterkanal. Ein türkischsprachiges Paket kostet 22,90 Euro. Außerdem bietet HanseNet eine Online-Videothek mit 600 Titeln auf Abruf an. Ohne Zusatzgebühr gibt es Kino-Trailer und Musikclips. Aktuelle Filme aus Hollywood kosten 4,99 Euro. Dafür kann man den Film innerhalb von 24 Stunden beliebig oft ansehen. Mit seiner Online-Videothek konkurriert HanseNet mit Anbietern wie T-Online und Arcor, die jeweils 1300 Titel über DSL-Leitungen anbieten, allerdings noch kein Live-TV-Programm.
Nach Angaben von HanseNet entsprechen die TV-Bilder, die über den DSL-Anschluß auf das TV-Gerät gelangen, "nahezu DVD-Qualität". Der Kunde könne die Sendungen mit der Fernbedienung auswählen; ein elektronischer Programmführer erscheine als Startbild auf der Mattscheibe oder dem LCD-Display und erleichtere den Zuschauern die Orientierung, sagte HanseNet-Chef Rösch.




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