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Wirtschaft

Ermittlungen gegen Freenet-Chef

Insiderhandel: Eckhard Spoerr im Visier der Staatsanwaltschaft. Es geht um Aktiengeschäfte in Millionenhöhe aus dem Jahr 2004. Der Betroffene nennt die Vorwürfe "vollkommen haltlos".

Hamburg. Eckhard Spoerr ist ein erfolgreicher Manager. Der Gründer und Chef der Hamburger Freenet.de AG leitet ein hochprofitables Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Internet- und Telefonkunden. Die Fusion des Internet-Anbieters mit der Muttergesellschaft Mobilcom steht kurz bevor - und der 37jährige, dessen Gehalt zuletzt höher war als das von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, soll den neuen Konzern mit insgesamt 5000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zwei Milliarden Euro leiten. Doch jetzt weht Spoerr erstmals in seiner steilen Karriere ein scharfer Wind ins Gesicht: Die Börsenaufsicht BaFin verdächtigt ihn, Insiderhandel mit Aktien betrieben zu haben. Bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg liegt deshalb eine Anzeige vor.

"Wir haben die Akten am Mittwoch auf den Tisch bekommen, wir ermitteln in dem Fall", bestätigte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger dem Abendblatt. Insgesamt seien vier Personen aus dem Unternehmen beschuldigt. Weitere Details kann Bagger nicht nennen. "Dazu ist es noch zu früh, wir müssen die Akten erst studieren." Auch bei der BaFin gab man sich gestern wortkarg. Nur soviel verriet Sprecherin Anja Schuchardt: "Wir haben Anzeige erstattet wegen des Verdachts auf Insiderhandel in Aktien der Freenet.de AG."

Worum geht es? Nach Abendblatt-Informationen sollen Eckhard Spoerr sowie Freenet-Finanzchef Axel Krieger Mitte Juli 2004 in mehreren Tranchen insgesamt knapp 100 000 Aktien im Wert von mehr als 1,7 Millionen Euro verkauft haben. Die Wertpapiere stammten aus einem Aktienoptionsprogramm. Das Problem aus Sicht der BaFin: Die Verkäufe gingen nur rund drei Wochen vor der Vorlage der Halbjahresbilanz über die Bühne.

Zum Hintergrund: Die Zahlen für das zweite Quartal fielen damals schlechter als erwartet aus, die Aktien verlor an einem Tag 20 Prozent an Wert und gingen in den kommenden Tagen weiter auf Talfahrt. Zeitweise waren die Papiere nur noch die Hälfte wert. Spoerr und weitere Freenet-Manager, so der Verdacht der BaFin, hätten diese Entwicklung auf Grund ihrer Insiderkenntnisse vorausgesehen und ihre Aktien noch rechtzeitig "versilbert". "Jeder, der sein Insiderwissen ausnutzt, handelt strafbar", sagt BaFin-Sprecherin Schuchardt, allerdings ohne sich konkret auf den Fall Freenet zu beziehen. Das mögliche Strafmaß, so die Sprecherin, reiche von Geldbußen bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Spoerr weist die Unterstellung des Insiderhandels gegenüber dem Abendblatt klar zurück: "Die Vorwürfe sind vollkommen haltlos." Er selbst habe von den Ermittlungen erst aus den Medien erfahren und kenne die Vorwürfe im Detail nicht. Bereits im vergangenen Jahr, als die Vorermittlungen der BaFin bekannt wurden, hatte Spoerr die Verdächtungen zurückgewiesen. Alle Aktienverkäufe seien "ordnungsgemäß und unverzüglich" bei der BaFin angemeldet worden. Man sehe den Untersuchungen gelassen entgegen.

Nach Angaben der BaFin kommt es jährlich zu 1700 "routinemäßigen Analysen" wegen Insiderhandels und Marktmanipulation. In 50 bis 60 Fällen kommt es zu förmlichen Untersuchungen. 20 bis 30 Fälle dieser Art landeten schließlich bei der Staatsanwaltschaft.

 

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