In die rechte Ecke gestellt - Lonsdale mit Problemen
Politikum: Quelle hat den Verkauf einer Modemarke gestoppt - der Grund ist ein Brief der Jusos
Hamburg. Noch vor wenigen Tagen hatte Quelle-Geschäftsführer Michael Badtke den Verkaufsstopp beschlossen. Jetzt rudert das Versandhaus zurück. Bis Ende der Woche soll die Entscheidung, alle Artikel der Bekleidungsfirma Lonsdale aus dem Sortiment zu nehmen, noch einmal überdacht werden. Nicht ausgeschlossen ist, daß der KarstadtQuelle-Konzern die Textilien dann wieder uneingeschränkt verkaufen wird, sagte KarstadtQuelle-Sprecher Jörg Howe dem Abendblatt.
Ausgelöst hatte den Schritt der Geschäftsführung ein Brief der Jusos aus Papenburg. Ihre Befürchtung: Mit dem Verkauf würden "rechte Extremisten" unterstützt werden. Die Jusos hatten darauf verwiesen, daß Lonsdale heute als Kultmarke der rechten Szene gelte. Die englische Modefirma sei bei Skinheads besonders beliebt, weil der Schriftzug die Buchstabenkombination "nsda" enthält. Für Rechtsradikale eine Anspielung auf die NSDAP im Dritten Reich.
Seit 1993 wird Lonsdale in Deutschland von der Firma Punch-GmbH aus Neuss produziert und vertrieben. KarstadtQuelle ist einer ihrer Hauptabnehmer und verkauft Lonsdale-Pullover und T-Shirts unter anderem über seine Quelle- und Neckermann-Kataloge. Warum das Image von Lonsdale für KarstadtQuelle früher kein Problem war, konnte Unternehmenssprecher Howe nicht beantworten.
Die Marke Lonsdale wurde in den 60er Jahren von dem englischen Sportausrüster Bernhard Hart gegründet. Der Name geht zurück auf den fünften Grafen von Lonsdale, der Ende des 19. Jahrhunderts den ersten Boxkampf mit Boxhandschuhen organisierte. Lonsdale erlangte schnell Kultstatus. Boxstars wie Muhammad Ali, Lennox Lewis und Mike Tyson trugen die Marke zu ihren Kämpfen.
In Deutschland ist Lonsdale wegen seiner Beliebtheit unter Neonazis umstritten. Punch-Geschäftsführer Geurt Schotsmann: "Wir können nichts dafür, daß die Marke mißbraucht wird." Die Punch-GmbH erwirtschaftet jährlich insgesamt einen Umsatz von fünf Millionen Euro. 20 Mitarbeiter arbeiten für die Firma. Gerade um sich vom rechten Image abzugrenzen und Umsatzeinbußen entgegenzuwirken, sponsere Lonsdale Aktionen gegen rechte Gewalt und setze farbige Models in Werbekampagnen ein.
Vor drei Jahren wurde die Anti-Rassismus-Kampagne "Lonsdale loves all colours" (Lonsdale liebt alle Farben) gegründet , die Showstars wie Detlef Dee! Soost und Dirk Bach unterstützen. Darüber hinaus trennte sich die Punch-GmbH von 14 Händlern, die Lonsdale mit Mode-Labels der rechten Szene vertreiben.
Auch die niedersächsischen Jusos ruderten inzwischen zurück und entschuldigten sich bei der Punch-GmbH. Auf ihrer Internetseite heißt es, man wolle dem Unternehmen wirtschaftlich nicht schaden, aber den Zugang zu rechten Identifikationszeichen erschweren.
Für die Punch-GmbH ist ein Ende der Diskussion um Lonsdale dennoch in Sicht. Der Lizenzvertrag für Deutschland läuft Ende des Jahres aus. Er soll auch nicht verlängert werden.



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