Hamburg. Es ist eines jener Abenteuer, von denen man noch seinen Enkeln erzählen kann: Der Sprung aus einer Flugzeugtür acht Meter über dem Boden und die anschließende rasante Rutschpartie auf einer 15 Meter langen Gummirampe. 853 Personen aus Hamburg und der Umgebung werden am Sonntag beim Evakuierungstest des Airbus A380 auf Finkenwerder dabei sein.
Mit dem spektakulären Test will der Flugzeugbauer beweisen, daß die maximal vorgesehene Zahl von Passagieren sowie die Besatzung - in diesem Fall 20 Lufthansa-Mitarbeiter - in 90 Sekunden über Notrutschen den doppelstöckigen Riesenjet verlassen kann. "Es wird der bisher größte derartige Versuch in der Geschichte der Zivilluftfahrt sein", sagte Airbus-Sprecher Tore Prang dem Abendblatt.
Von den insgesamt 1100 Testpersonen, die das Unternehmen für den Sonntag eingeladen hat, sind rund die Hälfte Airbus-Mitarbeiter. Dabei war der Ansturm externer Interessenten groß: 11 000 Menschen haben sich gemeldet. "Die Kandidaten wurden per Fragebogen nach medizinischen Gesichtspunkten von unserem Werksarzt ausgewählt, denn höchste Priorität hat für uns die Sicherheit der Probanden", erklärte Prang.
Tatsächlich ist die Rutschpartie nicht ganz ungefährlich. Nach Statistiken der Luftfahrtzulassungsbehörden haben sich bei früheren Tests fünf bis sechs Prozent der Teilnehmer Verletzungen wie Hautabschürfungen oder gar Knochenbrüche zugezogen. "Auch die externen Kandidaten sind an diesem Tag formal Airbus-Beschäftigte und damit über die Berufsgenossenschaft versichert", so Prang.
Für den Test am Sonntagnachmittag steht der A380 in der abgedunkelten Flightline-Halle auf dem Mühlenberger Sand. Nur acht der 16 Türen des Jets werden sich nach dem Kommando zum Aussteigen öffnen. Welche Ausgänge blockiert bleiben, erfahren die Teilnehmer, die numerierte Shirts tragen, vorher nicht.
16 Beobachter der europäischen und der amerikanischen Zulassungsbehörde werden den Test verfolgen und ihn später mit Hilfe der Aufzeichnungen von 40 Infrarotkameras auswerten, was bis Montag oder Dienstag dauern kann. Anwesend sein will auch Airbus-Chef Gustav Humbert. Der Test sei zwar "ein wichtiger Meilenstein", er entscheide aber nicht über das Wohl und Wehe des A380, sagte Humbert gestern. So müßten nicht unbedingt alle 853 Passagiere in den 90 Sekunden den Jet verlassen haben: "Für uns ist das Ziel 650." Mehr Passagierplätze plant keiner der bisherigen Kunden.
Zwar gibt man sich bei Airbus zuversichtlich, daß man gut vorbereitet ist und alles klappt. Zur Sicherheit ist aber ein zweiter Versuch für den 2. April vorgesehen. Denn, so Prang: "Es kann immer etwas Dummes dazwischenkommen - eine Tür geht nicht auf oder jemand schaltet zu früh das Licht wieder an."











