Rücknahmegesetz macht Elektrogeräte teurer
Umweltschutz: Hersteller wollen Entsorgungskosten an Kunden weitergeben. Vom 24. März an dürfen Toaster, Kaffeemaschinen und PCs nicht mehr in den Hausmüll. Wer den Schrott jetzt annimmt.
Hamburg. Das von Freitag an geltende neue Sammelsystem für Elektroschrott wird nach Erwartung der Branche die Preise für neue Geräte in die Höhe treiben. Die Entsorgungskosten von geschätzten 500 Millionen Euro im Jahr würden auf die Verkaufspreise aufgeschlagen, erklärte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Deutlich teurer werden dürften demnach vor allem Energiesparlampen und Kühlgeräte, weil ihre Entsorgung kompliziert ist.
Vom 24. März an gilt für Verbraucher die Pflicht, alle schrottreifen Elektrogeräte - von der elektrischen Zahnbürste bis zur Kühltruhe - bei kommunalen Sammelstellen abzuliefern. Diese müssen sie kostenlos annehmen. Das gilt auch für alte Fernseher oder Kühlschränke, die schon lange im Keller stehen. Die normale Mülltonne ist für alle Elektrogeräte künftig tabu. Die Hersteller sind nach dem neuen Elektrogerätegesetz verpflichtet, die Altgeräte bei den Kommunen abzuholen und sie zu verwerten. Das Ziel: Eine bessere Rohstoffverwertung, effektiveres Recycling. Zu diesem Zweck haben die Hersteller eine Stiftung gegründet, die das Abholen der Geräte für sie organisiert.
"Bei jedem Flachbildschirm entstehen uns so rund zehn Euro an zusätzlichen Entsorgungskosten, insgesamt rechnen wir jährlich mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Betrag", sagt Klaus Petri, Sprecher des Elektronikkonzerns Philips Deutschland. "Diese Kosten werden wir sicher nicht direkt an den Kunden weitergeben, über das gesamte Sortiment hinweg wird es aber Preissteigerungen geben." Damit rechnet auch Deutschlands größter Elektronikhändler, die Media-Markt-Saturn-Holding. "Tendenziell dürften sich eher Artikel im unteren Preissegment verteuern, weil hier die Margen besonders knapp sind", sagte Unternehmenssprecher Bernhard Taubenberger. "Bei einem Markenkühlschrank für 899 Euro lassen sich zehn Euro zusätzliche Kosten eher wegdrücken als bei einem günstigen Modell aus China."
Hamburger Verbraucher müssen folgendes beachten:
Welche Geräte sind betroffen?
Unter das Hausmüll-Verbot fallen alle alten Elektrogeräte von der Waschmaschine über den Staubsauger bis hin zur Kaffeemaschine. Aber auch Elektronik vom PC inklusive Monitor über den Gameboy bis zum MP3-Player darf nicht mehr in die Mülltonne. Hinzu kommen Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen. Alle Neugeräte sind deshalb ab Ende März mit einer durchgestrichenen Mülltonne gekennzeichnet.
Wohin kommt der Elektroschrott?
In Hamburg nehmen alle Recyclinghöfe der Stadtreinigung den Elektromüll entgegen (siehe Karte). Dort kommen die Geräte in fünf nach den Gerätetypen getrennte Container. Im einzelnen wird nach Haushaltsgroßgeräten, Kühlgeräten, Unterhaltungselektronik, Leuchtstoffröhren und Kleingeräten unterschieden. Doch auch große Händler wie Media Markt und Saturn nehmen vom 24. März an alte Elektrogeräte zurück. "Dabei ist es gleichgültig, ob die Geräte bei uns gekauft wurden oder nicht", sagt Taubenberger.
Was kostet die Entsorgung?
In Hamburg ist die Abgabe des Elektromülls auf den Recyclinghöfen - wie bisher - für Privatkunden kostenlos. Auch Geschäftskunden, die bislang noch für die Entsorgung zahlen müssen, können ab dem 24. März ihren Elektroschrott umsonst entsorgen. Allerdings werden maximal 20 Geräte von einer Firma akzeptiert. Darüber hinaus ist die Entsorgung dann wieder kostenpflichtig. Kostenlos ist die Abgabe von Elektrogeräten auch bei allen Saturn- und Media-Märkten.
Sinken jetzt die Müllgebühren?
"In einer idealen Welt müßten die Gebühren sinken, weil die Hersteller den Kommunen ja die Kosten für die Entsorgung abnehmen", sagt Philips-Sprecher Petri. Stadtreinigungs-Sprecher Reinhard Fiedler sieht dafür hingegen keinen Spielraum. "Die aufwendige Trennung des Elektroschrotts erfordert zusätzlichen logistischen Aufwand. Zudem machte die bisherige, kostenlose Annahme der Elektrogeräte nur einen Bruchteil der gesamten Müllgebühren aus."
Wer kontrolliert die Mülltonnen?
Niemand. "Wir werden sicher nicht in den Mülltonnen nach verbotenem Elektroschrott suchen", sagt Stadtreinigungssprecher Fiedler. Zudem gibt es in Hamburg offenbar nicht einmal ein festgesetztes Bußgeld für den Fall, daß ein Umweltsünder dabei erwischt wird, wenn er seinen Toaster in den Hausmüll wirft. Das Bundesumweltministerium hat keine bundesweite Regelung erlassen, die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt konnte gestern keine Auskunft darüber geben, ob eine Regelung auf Landesebene existiert.
Was bringt die Neuregelung?
Der Gesetzgeber will die Umwelt entlasten und teure Rohstoffe künftig besser recyceln. Denn bisher fallen allein in Deutschland jährlich insgesamt rund 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Darin stecken oft Umweltgifte wie Blei in Fernsehern, Asbest in Toastern oder auch Quecksilber in Leuchtstoffröhren; sie enthalten aber auch wertvolle Metalle. So finden sich in Hifi-Anlagen und Handys Aluminium, Zink und Nickel. Das Gesetz verbietet zugleich von Juli an den Einsatz bestimmter Schwermetalle und Flammschutzmittel in allen Neugeräten.
Wer übernimmt das Recycling?
Die Elektroindustrie hat die Stiftung Elektro-Altgeräte-Register mit Sitz in Fürth gegründet, die für das Abholen des Schrotts bei den Recycling-Höfen und den Weitertransport zu den Entsorgungsspezialisten sorgt. So muß nicht jeder Hersteller selbst zum Recyclinghof fahren. Jeder Produzent kann für die Müllmenge, die er entsorgen muß, eigene Firmen beauftragen. So soll Wettbewerb gewährleistet werden.




Branchenbuch Hamburg
Bauunternehmen Dirk Kage
Hamburger Gutscheinwochen
EnergieBauZentrum


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



