Wirbel um Kabel Deutschland
HAMBURG. Die Verwirrung um die Aktivitäten des TV-Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland in Hamburg nimmt zu. Das Unternehmen hatte Ende November 34 000 Briefe an Hamburger Haushalte verschickt und dazu aufgefordert, monatlich 14,13 Euro Kabel-TV-Gebühr zu zahlen. Andernfalls werde man den Zugang sperren. Kurz darauf mußte Kabel Deutschland dann einräumen, daß es sich bei den Schreiben um einen "Irrtum" gehandelt habe. "In diesen Tagen gehen die Entschuldigungsschreiben raus", sagte Firmensprecher Marco Gassen dem Abendblatt.
Dennoch melden sich weiterhin Betroffene beim Abendblatt, und sie berichten von lästigen Anrufen durch Kabel-Deutschland-Mitarbeiter, die auf eine umgehende Zahlung der TV-Kabelgebühren drängen. So geschehen bei Klara Müller\*. Die 65jährige Leiterin eines Altenpflegebetriebes erhielt am Montag abend um 20 Uhr einen Anruf. "Die sagten, ich solle endlich den Vertrag unterschreiben, den sie mir eine Woche zuvor geschickt haben. Dabei hatte ich doch schon Tage zuvor angerufen und gesagt, daß ich gar keine Antennendose in der Wohnung habe", so die Abendblatt-Leserin.
Sie habe immer per Hausantenne und zuletzt mit einem digitalen DVB-T-Empfangsgerät ferngesehen. "Ich hatte mit Kabel Deutschland noch nie etwas zu tun." Als sie den Anrufer auf den Artikel im Abendblatt verwies, in denen die Drohbiefe von Kabel Deutschland thematisiert wurden, habe der Anrufer einfach wortlos aufgelegt.
Eine andere Abendblatt-Leserin empört sich, daß das Unternehmen "den Drohbrief an meinen Vater adressiert hat, der allerdings schon seit fünf Jahren tot ist". Ihr Vater habe zudem nie einen Auftrag an Kabel Deutschland erteilt. "Woher haben die seine Adresse?" frage sie sich. In ihrer Nachbarschaft in Ahrensburg, so die Leserin in einem Brief an das Abendblatt, würden "Mitmenschen von Kabel Deutschland telefonisch terrorisiert".
In einem anderen Fall berichtet eine Leserin davon, daß sie ihren Anschluß Ende 2004 gekündigt habe, aber dennoch einen "Drohbrief" erhalten habe - und dazu einen unfreundlichen Anruf. "Da ich schon älter und alleinstehend bin, drängt sich wirklich ein böser Verdacht auf", so die Leserin.
Kabel Deutschland will jetzt schnell auf die Vorfälle reagieren. "Wir werden diese Anrufe sofort stoppen", sagte Firmensprecher Gassen. Es habe sich bei dem ersten Schreiben um einen Fehler in der Adressdatenbank gehandelt, den man bedauere. Man werde alle Verträge stornieren, die damit neu geschlossen wurden.
\* Name der Redaktion bekannt.



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