Ibis-Hotels locken mit Ein-Euro-Zimmer
Unterkunft: Erster Anbieter mit Billigaktion. Marketingaktion der Kette zwischen Weihnachten und Neujahr. Kleinere Häuser fürchten neuen Preiskampf. Eine Million Betten pro Nacht bleiben in Deutschland leer.
Hamburg. Flüge für 99 Cent gibt es schon länger. Jetzt macht es Europas größte Hotelkette Accor den Billigfliegern nach und lockt mit Übernachtungen zum Preis von nur einen Euro im Zwei-Sterne-Hotel. Das Angebot gilt von Heiligabend bis zum 6. Januar bundesweit in mehr als 80 Hotels der Marke Ibis. Gebucht werden kann vom 27. November an über das Internet unter der Adresse www.ibishotel-1euro.com.
"Wir bieten insgesamt 10 000 Zimmer für einen Euro an, allerdings gilt der Preis nur für die erste Übernachtung", sagt der Sprecher der französischen Hotelkette Accor, Marc Schnerr, dem Abendblatt. Und fügt hinzu: "Das ist aber nicht das Einläuten eines Preiskampfes in der Hotellerie. Es handelt sich um eine einmalige Aktion." Allerdings schließt er nicht aus, daß Accor die Aktion wiederholen könnte.
"Das ist eine reine Marketing- und Werbeaktion - und auch leider eine reine Fokussierung auf den Preis und nicht auf das Preis-Leistungsverhältnis", kritisiert Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Aktion von Accor. Und weiter: "Auf Dauer wäre so etwas ruinös, denn mit dem Preis von einem Euro kann man nicht einmal die Betriebskosten decken", so Heckel zum Abendblatt. Außerdem, so die Verbandssprecherin, gehe eine solche Aktion zu Lasten der kleinen Hotels und Pensionen.
Auch Hans Gerst vom Dehoga in Hamburg kritisiert das Vorgehen: "Alle Hotels in der Stadt, von einem bis drei Sternen, werden die Konsequenzen der Aktion spüren." Besonders betroffen seien kleine Hotels in Wohngebieten. "Die beherbergen zu Weihnachten oft Verwandte von Anwohnern", so Gerst, der das Best Western Hotel St. Raphael in Hamburg führt und gleichzeitig Deutschland-Chef der Kette ist.
Schon heute bleibt aber nach Dehoga-Zahlen in Hamburg im Jahresschnitt jedes zweite Bett in den mehr als 270 Hamburger Hotels leer. Und durch die angekündigten Hotelneubauten mit 1500 neuen Betten wird sich die Lage kaum verbessern. Immerhin ist die Auslastung zuletzt trotz Erweiterungen und Neubauten stabil geblieben. Hintergrund: Hamburg hat im ersten Halbjahr 2005 bei den Übernachtungen um sieben Prozent zugelegt, während bundesweit gerade zwei Prozent mehr Gäste gebucht wurden.
"So gibt es in Deutschland Überkapazitäten und einen starker Verdrängungswettwerb", sagt Dehoga-Sprecherin Heckel. Marketingaktionen seien verständlich: "Wenn Nacht für Nacht mehr als eine Million Hotelbetten leer bleiben, müssen sich die Anbieter etwas einfallen lassen."
Das Angebot der Ein-Euro-Hotelzimmer von Accor findet bei der Steigenberger-Gruppe, die mit bundesweit 28 Intercity Hotels wie Ibis überwiegend Geschäftskunden anspricht, dennoch wenig Verständnis. "Wir reagieren nicht auf das Accor-Angebot, machen das ganz bestimmt nicht mit", sagt Firmensprecherin Angelika Heyer dem Abendblatt. Bei dem Ein-Euro-Preis verliere der Gast schließlich "das Gefühl für die Wertigkeit eines Hotelzimmers".
In der auslastungsschwachen Zeit um Weihnachten setze man deshalb lieber auf "kreative Maßnahmen", um zusätzliche Gäste anzuziehen. Heyer verweist auf das "Special mit der Bahn", bei dem es in Verbindung mit der Buchung eines Zimmers im Intercity Hotel eine deutschlandweite Hin- und Rückfahrt für 85,80 Euro gebe. Zusätzlich gebe es bis Mitte Januar das "Winter-Weihnachts-Schnäppchen" mit Preisen von 49 bis 77 Euro pro Einzel- und Doppelzimmer. Sparvorteil für die Kunden dabei: rund 20 Euro. Größere Rabatte seien aber nicht drin, sagen Hoteliers und Branchenkenner. "Kaum irgendwo sonst sind die Preise so niedrig wie in Deutschland", so Dehoga-Sprecherin Heckel. So betrage der Durchschnittspreis für ein Zimmer in Berlin 89 Euro und in Hamburg 104 Euro. In London liege er bei 150 Euro und in Paris sogar bei 177 Euro. Und durch die zunehmenden Bettenkapazitäten dürfte der Druck auf die Preise zunehmen. "In Berlin gibt es schon mehr Hotelbetten als in New York", weiß Steigenberger-Sprecherin Heyer. Der Effekt sei deutlich spürbar: "Vier-Sterne-Hotels bieten ihre Zimmer jetzt schon zum Drei-Sterne-Preis an."



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