. . . Schmuckkönig Friedrich-Wilhelm Werner
Hamburg. Herr Werner ist ein ganz normaler Mensch. Nichts besonderes. Das behauptet er jedenfalls von sich. Einer von Tausenden in Deutschland. Und allein wegen der Namenshäufigkeit im Telefonbuch nicht ausfindig zu machen. Dem Firmengründer des Modeschmuckkonzerns Bijou Brigitte ist das nur recht so. "Ich will meine Currywurst in Ruhe essen", sagt er. Und ist froh, wenn keiner ihn erkennt, beim Bummel durch die Stadt, beim Golfen auf Sylt, beim Gang um die Alster.
Friedrich-Wilhelm Werner (62) ist bescheiden. Einer, der sich nicht gern schmückt mit dem, was er tut - auch wenn das, was er tut, schmückt. "Ich agiere lieber im Hintergrund", sagt er. Und das mit Erfolg. Das Geschäft mit dem schönen Schein für wenig Geld läuft glänzend. Auch nach 42 Jahren. "Frauen brauchen offenbar sehr viel Schmuck und nicht immer echten", sagt Werner. Soviel, daß Bijou Brigitte inzwischen europaweit in 706 Filialen vertreten ist. Und daß der Chef in diesem Jahr zum achten Mal in Folge Rekordumsätze verkünden konnte. Der Konzern steigerte 2004 seinen Umsatz um 35 Prozent auf 223,4 Millionen Euro. Der Jahresüberschuß erhöhte sich von 32,6 Millionen auf 47,4 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 500 auf 1920.
Die guten Zahlen gehören für den Unternehmer dazu wie die Tasse Kaffee am Morgen, der offene Hemdkragen - "ich mag keine Krawatten" - und der Blick auf die Firmenterrasse hinüber zu den gußeisernen Paradiesvögeln. Werner hat sich an den Erfolg gewöhnt. Er ist ständiger Begleiter, seit jenem Tag im Jahr 1963, als das Geschäft mit dem Schmuck seinen Anfang nahm und der damals 20jährige die Ein-Mann-Firma Friedrich Werner Im- und Export gründete. Mit der Unterschrift seines Vaters kam er an einen Kredit von 5000 Mark. Und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Während ein Freund die Ware aus Hongkong mitbrachte, sorgte Werner in Hamburg für den Absatz. "Mit dem Koffer und neun Samttableaus bin ich durch die Läden gezogen", schildert der Chef die Anfänge. Er muß ein Händchen dafür gehabt haben, denn die Firma wurde immer größer.
Anfang der siebziger Jahre wurde das Unternehmen umbenannt. Zum französischen "bijou" (Schmuckstück) gab Werners Ehefrau ihren Namen dazu. Sie war es auch, die 1977 den ersten Laden ins Leben rief. Gemeinsam mietete das junge Paar ein Geschäft am Schmuggelstieg in Norderstedt, strich die Wände gelb, bezog die Regale mit schwarzem Samt. Und verteilte Ringe, Reifen, Edelsteine in der Auslage. Aus einem Geschäft wurden innerhalb von zehn Jahren 50, 1997 waren es 240. Heute sind es 337 in Deutschland. 706 in Europa. Ganz einfach.
Überhaupt klingt bei Bijou-Chef Werner alles ganz einfach. So, als wäre die Entwicklung seines Konzern vom Bauchladen zum Schmuckimperium nichts weiter als eine Aneinanderrreihung glücklicher Zufälle. Ist sie aber nicht. Werner hat nie etwas dem Zufall überlassen. Nie mehr gewagt als kalkulierbar gewesen wäre. "Wir haben nie riskant investiert, sind kontrolliert gewachsen, anstatt um jeden Preis zu expandieren."
Nur einmal ist Herr Werner seinem Grundsatz untreu geworden. Als Anfang der achtziger Jahre ein Mitarbeiter absprang und unter dem Firmennamen Bijou Catherine die Geschäftsidee gnadenlos kopierte. "Da hat mich der Ehrgeiz gepackt", sagt Werner. "Ihn zu schlagen, gab mir Auftrieb." Längst ist der Konkurrent bankrott. Die Expansion von "BB" aber geht weiter. Inzwischen macht das Unternehmen, seit 1988 börsennotiert, mehr als 50 Prozent des Gesamtgeschäfts im Ausland. In Spanien, den Niederlanden, Italien. Und bald auch in Frankreich und Griechenland. Hergestellt wird die Ware - derzeit sind es 9000 Artikel im Wert von 30 Cent bis 120 Euro - in Asien. Das war nicht immer so.
Bis 1988 hat die Firma noch in Hamburg produziert, nach den Ideen des Chefs. Heute kümmern sich andere um die Trends von Morgen. Vornehmlich Frauen. Sie suchen in Paris, London, Mailand nach den neuesten Strömungen. Auch in der Hamburger Zentrale herrscht das Matriarchat. 95 Prozent der 370 Angestellten sind weiblich. Sie kümmern sich um Lagerung, Verwaltung, Vertrieb. Sortieren, verpacken und senden die Ware quer durch Europa - und ab 2006 auch in die USA.
Um dafür die notwendigen Kapazitäten zu schaffen, soll der Standort wachsen. Werner will anbauen. Gleich nebenan sollen neue Lagerhallen entstehen. "Damit werden wir künftig bis zu 2000 Filialen beliefern können", sagt Werner, der zwar das glitzernde Gewerbe auf dem Effeff beherrscht, selbst aber keinen Schmuck trägt. Nicht mal einen Ehering, obwohl er seit 40 Jahren glücklich verheiratet ist. "Mein Leben schmückt mich", sagt er. Und meint: Sohn Roland, der jüngst in den Vorstand des Unternehmens aufgerückt ist, meint Tochter Maren, seine Enkelkinder. Und den alten Jaguar E-Type, Baujahr 1972. Silbermetallic. Ein Schmuckstück. Und noch dazu ein echtes.




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