Norddeutsche Affinerie versetzt Hamburg
Umschlag von Rohstoffen wird nach Brunsbüttel verlegt. Chef Marnette kritisiert Uldall und Freytag.
Hamburg. Der Streit zwischen dem Hamburger Senat und der Norddeutschen Affinerie eskaliert: Europas größte Kupferhütte wird von 2007 an ihre aus Übersee kommenden Kupferkonzentrate nicht mehr im Hamburger Hafen umschlagen, sondern in Brunsbüttel. Dazu hat Affinerie-Chef Werner Marnette einen Vertrag über 20 Jahre mit der Hafengesellschaft Brunsbüttel unterzeichnet und damit Hamburg versetzt.
"Wir sind Opfer einer Behördenposse geworden", begründete Marnette die Verlagerung. Während Bezirksamt-Mitte und Umweltbehörde seine Pläne unterstützt hätten, habe das Hafenamt Port Authority, das Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) untersteht, sie torpediert. Bislang schlug das Unternehmen seine Rohstoffe im mittleren Freihafen um. Weil der aber für einen neuen Containerterminal benötigt wird, wurde seit 14 Monaten eine neue Lösung gesucht.
Danach sollten die Rohstoffe an einer anderen Stelle gelöscht und über ein Förderband zur Affinerie gebracht werden. Für das System hätte die Kupferhütte 50 Millionen Euro investiert. Doch es gab keine Einigung mit der Hafenbehörde darüber, wo die Schiffe anlanden sollen. "Wirtschaftssenator Uldall hatte uns bei der Umsetzung der Pläne Unterstützung zugesagt", sagt Marnette. Doch eine Vereinbarung sei dennoch nicht zustande gekommen.
Die Entscheidung der Affinerie ist vor allem deshalb schwerwiegend, weil weitere 120 Firmen von der Umgestaltung des Hafens betroffen sind. "Die Verlagerung ist ein Vorbote dessen, was auch bei anderen Firmen droht", sagte Johann Killinger, Geschäftsführer der Buss-Gruppe.
Uldall wies gestern die Kritik zurück, der Affinerie seien nicht ausreichend Alternativen aufgezeigt worden. "Als langfristige Standortperspektive wurden Flächen am Bremer Kai (Grasbrook) angeboten, die von allen Beteiligten als realisierbar bewertet wurden", teilte Uldall mit. Um so überraschender sei für ihn die jetzige Entscheidung.
Die fällte Marnette, nachdem er auf Pläne zum Projekt Sprung über die Elbe von Bausenator Michael Freytag (CDU) aufmerksam wurde. "Auf denen waren in unserer Nachbarschaft Wohnungen eingezeichnet." Die "unmittelbare Nachbarschaft von Wohnungen mit Hafenumschlag- und Industrieunternehmen" kann auch die Handelskammer nicht nachvollziehen. "Die Stadtentwicklungsbehörde plant über die Köpfe der Wirtschaft hinweg", so Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Die Kammer hat jetzt mit mehr als 60 betroffenen Firmen ein "Pflichtenheft" für den Hafen entwickelt. Es soll dem Senat vorgelegt werden.




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