Dienstag, 14. Februar 2012, 00:27

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Wirtschaft

Greencard - Ausländer gefragt

482 IT-Fachkräfte haben in Hamburg einen Job gefunden. Neues Gesetz regelt die Zuwanderung.

Hamburg. Als Roman Suszko (33) vor fünf Jahren von den neuen Arbeitsmöglichkeiten für ausländische IT-Spezialisten in Deutschland hörte, zögerte der Danziger nicht lange. Erfahrungen im Ausland zu sammeln, das reizte den jungen Diplom-Informatiker. Mit vier Jahren Berufserfahrung war der Pole zudem ein gefragter Mann auf dem damaligen Jobmarkt, als Tausende Computerexperten gesucht wurden.

Die Softwarefirma Akra in Hamburg bot ihm eine feste Stelle an. Die nötige "Greencard" dafür erhielt Suszko in wenigen Tagen, ohne viel Bürokratie. Heute ist Hamburg für ihn, seine Frau Dorota und seinen acht Monate alten Sohn Siman zur neuen Heimat geworden. Da Polen nunmehr zur EU gehört, besitzt Suszko, der bestens Deutsch spricht, jetzt eine unbefristete Arbeitserlaubnis. "Wir fühlen uns sehr wohl."

Suszko gehörte zu jenen ausländischen Fachkräften, die vom ersten Tag der neuen Greencard-Regelung - seit 1. August 2000 - in Hamburg arbeiten und leben. Das Vorzeigeprojekt, das zur Boomzeit der New Economy von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus der Taufe gehoben wurde, lief zwar zum Jahresende aus. Dennoch müssen Greencard-Kräfte, die einen Job haben, nicht um ihre Zukunft in Deutschland bangen. Jetzt gilt das neue Zuwanderungsgesetz. "Dieses ist für die Anwärter sogar besser als die Greencard", meint Uwe Thele, Leiter der Ausländerstelle der Hamburger Arbeitsagentur: "Hochqualifizierte können jetzt sogar eine unbefristete Niederlassungserlaubnis bekommen." Allerdings erhalten die Arbeitswilligen diese nur dann, wenn die Stelle nicht mit einem Mitarbeiter aus der EU besetzt werden kann.

Rückblick: Als die Bundesregierung im Jahr 2000 die Greencard für IT-Spezialisten einführte, herrschte Ausnahmestimmung in der Computerbranche. Europaweit fehlten 350 000 Internet-Experten, bundesweit waren 75 000 Stellen offen. Um diese Nachfrage bedienen zu können, öffnete Deutschland nahezu unbürokratisch die Grenzen für IT-Fachkräfte aus dem Ausland. Bis zu 20 000 Experten sollten eine Arbeitserlaubnis per Greencard erhalten, die jedoch auf fünf Jahre begrenzt wurde und nur für Jobs in der IT-Branche galt.

Doch die Euphorie hielt nur kurz. Mit dem Konjunktureinbruch 2002 sanken die Stellenangebote drastisch - und damit auch die Nachfrage. Die ersten Computerfachleute verloren ihre Jobs, darunter auch Greencard-Arbeiter. "Bundesweit wurden seit August 2000 insgesamt 17 931 Greencards vergeben", sagt Hans Mader von der Bundesagentur für Arbeit dem Abendblatt. Die meisten Greencards wurden in Westdeutschland (16 570) erteilt, in Hessen (4869), Bayern (4199), Baden-Württemberg (3205) und Nordrhein-Westfalen (2475).

In Hamburg wurden 482 Greencards vergeben. Die meisten Fachkräfte kamen aus Osteuropa, Indien, aber auch aus Südamerika und Nordafrika. 86 Prozent waren Männer. Auch in Hamburg nahm die Zahl der Anträge mit jedem Jahr ab. "2004 wurden nur noch 31 Greencards ausgestellt", so Thele. Wie viele Greencard-Kräfte bis heute ihren Job verloren haben oder in ihre Heimat zurückgingen, ist nicht bekannt.

Obwohl die Greencard weniger genutzt wurde als zunächst geschätzt, ziehen alle Beteiligten eine positive Bilanz. "Die Greencard war ein Erfolg", sagt Stephan Pfisterer vom Bundesverband Informationswirtschaft und Telekommunikation (Bitkom). "Unsere Branche lebt vom internationalen Austausch. Wir brauchen auch in Zukunft Mitarbeiter aus dem Ausland." Zwar gebe es derzeit keinen akuten Fachkräftemangel, dennoch bestehe Bedarf an guten Leuten.

Auch Thomas Ochmann, Gesellschafter von Akra, kann nur Gutes berichten. Ohne ihre vier Greencard-Mitarbeiter hätte das junge Unternehmen, das unter anderen die HEW und Dresdner Bank zu ihren Kunden zählt, nicht so erfolgreich expandieren können. "Die Greencard war unbürokratisch und kam für uns genau zur richtigen Zeit."

Und auch für Marcin Stankiewicz (27) aus dem polnischen Stargard war Deutschland eine "sehr gute Wahl". Der Informatiker kam gleich nach seinem Studium nach Hamburg, wo er seit nunmehr drei Jahren für Akra arbeitet. Jetzt zog auch seine Frau Karolina (25) an die Elbe, um Betriebswirtschaft zu studieren: "Hamburg ist sehr schön. Hier wollen wir bleiben."

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus