Schutz gegen Elektrosmog
Hamburger Gründerpreis: Selbständig machen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Es gibt sie, die Mutigen, die etwas wagen, die Arbeitsplätze schaffen oder sichern. Mit Kreativität, Engagement und Pioniergeist. Das Abendblatt stellt einige von ihnen vor. Ihre Geschichten sollen Beispiel sein, Lust darauf machen, eigene Ideen umzusetzen. Und sie sollen begleiten auf dem Weg zum Gründerpreis, der auch 2005 verliehen wird. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Ole von Beust. Teil 5: Herwig Borr, Chef von ESnord
Hamburg. Vor einigen Jahren litt Herwig Borr (46) unter heftigen Migräneanfällen. Die Schmerzen, die Angst vor dem nächsten Anfall - all das war für ihn sehr belastend. Eine Ursache für den Kopfschmerz fand er zunächst nicht. Bis er eines Tages davon hörte, daß die Strahlung von Schnurlostelefonen eben solche Gesundheitsstörungen verursachen können. Borr mußte nicht lange überlegen: Genau so ein Gerät hatte er sich gekauft - unmittelbar bevor die Kopfschmerzattacken begannen. Kaum war das Gerät aus dem Haus, blieben auch die Migräneanfälle aus.
Damit hatte Borr die Lösung für sein persönliches Problem. Aber der studierte Biologe und Umweltingenieur dachte weiter. "Mir war klar, daß allein in Deutschland mindestens 15 Millionen dieser Schnurlostelefone mit dem DECT-Standard in Wohn- und Schlafzimmern stehen", sagt er dem Abendblatt. Telefone, deren Basisstationen rund um die Uhr auf Sendung sind, immer auf der Suche nach Kontakt zum mobilen Telefonhörer. "Die Dauerstrahlung ist massiv, und sie ist gesundheitsschädlich", ist Borr überzeugt. Und noch etwas war ihm klar: "Die Lösung des Problems liegt nicht in der Abschaffung der Geräte, sondern in der Gefahrenminimierung."
Borr, der zuletzt als IT-Systemingenieur gearbeitet hat, seinem dritten erlernten Beruf, entschloß sich im März 2003, das Thema anzugehen - und wagte den Sprung in die Selbständigkeit. Aus einem versilberten Spezialstoff entwickelte er eine wirksame Abschirmung für die Schnurlostelefone, den "Schirmschlauch". Wird der Schlauch über die Basisstation gestülpt, schirmt er die Hochfrequenzstrahlung zu mehr als 99 Prozent ab. "Das bestätigte mir ein Gutachten von Professor Peter Pauli aus München, einem anerkannten Experten für Hochfrequenztechnik", sagt Borr. Die Zeitschrift "Ökotest" vergab für das Produkt, daß Borr über seine Internetseite www.esnord.de für 54,60 Euro das Stück vertreibt, gerade das Urteil "gut".
Einfach war der Aufbau seiner eigenen Firma nicht. "Ich habe natürlich versucht, die unterschiedlichsten Geldtöpfe anzuzapfen, aber fast überall schlechte Erfahrungen gemacht, es war einfach zu bürokratisch", sagt Borr. Doch dann hatte er Glück: "Der zuständige Berater bei meiner Hausbank war zwar zunächst ebenfalls sehr kritisch, aber schließlich konnte ich ihn mit meinem Geschäftsplan überzeugen." Als Gründer, sagt Borr, müsse man "komplett von seinem Thema überzeugt sein, sonst kann man die Bank nicht vom Erfolg des Projektes überzeugen".
Mit Hilfe des Darlehens und eigener Mittel konnte er schließlich die Serienfertigung der Schirmschläuche angehen. Seit Ende Oktober ist er damit am Markt. Neben den Schutzhauben für DECT-Telefone bietet Borr dabei auch den Schutz ganzer Räume gegen elektromagnetische Strahlung an, etwa gegen die Signale von DECT-Telefone des Nachbarn, oder gehen die Strahlung von Mobilfunksendemasten.
So bietet Borr mit Silber bedampfte Folien an, die auf Fensterscheiben geklebt werden. Kostenpunkt: rund 40 Euro pro Quadratmeter. Oder eine Spezialfarbe mit "versilberten Kupferflakes" zum Streichen der Wände und Decken. "Ein Kilo Farbe kostet 139,20 Euro und reicht für acht bis zehn Quadratmeter", sagt Borr. Die bemalte Wand müsse allerdings noch geerdet werden, dann könne man einen Schutz gegen Hochfrequenzstrahlung von außen von 99 Prozent und mehr erreichen.
Borr führt auch Messungen vor Ort durch, vor allem in Schlafräumen. "Die Menschen brauchen einen vor Hochfrequenz geschützten Rückzugsraum", ist er überzeugt. Zwar halten die Mobilfunksender die offiziell als ungefährlich geltenden Grenzwerte ein. Doch damit gibt sich Borr nicht zufrieden. "Diese Werte basieren nur auf thermischen, nicht auf biologischen Effekten." Borrs Vorwurf: Eingriffe ins Hormonsystem oder ins Erbgut spielten bei den Berechnungen keine Rolle.
Seine Kunden teilen diese Ansicht offenbar. Allein von den Abschirmschläuchen hat er in fünf Wochen schon mehr als 500 Stück verkauft. "Ich habe schon Sorge, daß ich mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann", sagt Borr. Für die Endkontrolle will er jetzt stundenweise Personal beschäftigen. Der Start ins Unternehmertum - er ist geglückt.



Hartmann
JURA Gastro in Deutschland
Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



