Phoenix: Mehrarbeit, gleicher Lohn
Der neue Chef will das Harburger Unternehmen auf mehr Rendite trimmen. Nach dem Stellenabbau verlangt Manfred Wennemer weitere Zugeständnisse von den Beschäftigten.
Hamburg. Kein Chauffeur, ein vier Jahre alter VW-Passat als Dienstwagen und eine Brille mit Kassengestell: Dem üblichen Klischee eines Unternehmenschefs, der weltweit Zehntausende von Mitarbeitern beschäftigt, entspricht Manfred Wennemer nicht. Statt Äußerlichkeiten zählen bei ihm Fakten, statt Genußsucht lebt der Chef von Hannovers Reifenhersteller Continental Bescheidenheit. Und das konsequent. Über die Zukunft vom Harburger Autozulieferer Phoenix - der jüngsten Neuerwerbung von Continental - spricht er jetzt deutliche Worte.
Jene Mitarbeiter, die nach der Übernahme durch Continental ihren Arbeitsplatz behalten dürfen, müßten in Zukunft damit rechnen, daß sie 40 Stunden arbeiten - ohne Lohnausgleich. Statt der jetzigen Kapitalrendite von unter zehn Prozent will Wennemer Phoenix bis Ende 2006 auf 15 Prozent trimmen. Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zudem meine Wennemer, Phoenix habe es sich selbst zuzuschreiben, daß Stellen abgebaut werden müssen: Wegen des Standortsicherungsvertrags, der bis Ende 2005 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, seien längst notwendige Strukturanpassungen unterblieben. "Das Standortsicherungsabkommen ist ein Grund dafür, daß Phoenix von Conti übernommen wurde", zitiert ihn die Zeitung. Wennemer habe dabei die schwache Ertragslage und die damals niedrige Börsenbewertung von Phoenix im Blick gehabt.
Continental-Sprecher Heimo Prokop sagte dem Abendblatt, manche Sätze wirkten aus dem Zusammenhang gerissen anders. "Conti hat Phoenix nur übernehmen können, weil das Unternehmen an der Börse niedrig bewertet war", so Prokop. Und beim Thema Mehrarbeit sei es ja bekannt, daß Continental darauf setze, um so Arbeitsplätze in Deutschland erhalten zu können, statt Produktionsteile in Billiglohnländer zu verlagern. Bei der Continental-Tochter ContiTech, zu der Phoenix künftig gehört, wird schon lange 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Nach der Eingliederung von Phoenix in ContiTech sollen dort 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden, 700 davon bei Phoenix in Harburg.
Seit drei Jahren führt Wennemer die Continental AG. Das Unternehmen war hoch verschuldet, als der Aufsichtrat einen kühlen Rechner und Sanierer suchte. Einen Mann, der keine Zeit mit dem Schmieden von Strategien vergeudet. Die Wahl fiel auf den Mathematiker, der mit Billigstiften schreibt, "Holzklasse" fliegt, in der Bahn die zweite der ersten Klasse vorzieht und schon seit 1998 im Vorstand des Unternehmens saß. Schon dort hat er die Sparsamkeit, die er sich selbst auferlegt, auch seinen Mitarbeitern abverlangt. So hat er bei ContiTech persönlich die Bestellung neuer Gardinen verhindert. "Die Alten gehen noch", hat der Sparfuchs argumentiert. "In den Stoffen haust der Gilb", beschwerten sich Mitarbeiterinnen - und Wennemer erlitt eine seiner wenigen Niederlagen. Die Vorhänge wurden am Ende doch noch gekauft.
Wennemer leistete bei der Sanierung von Conti ganze Arbeit. Das "manager magazin" kürte ihn deswegen zum "Manager des Jahres 2004". Inzwischen steht das Unternehmen aus Hannover wieder glänzend da, und der 57jährige Wennemer arbeitet weiter Stück für Stück die Baustellen ab. Neben Phoenix gibt es etwa Probleme in Rußland. Dort ist ein Joint-venture mit einem lokalen Partner zur Reifenherstellung geplatzt. Der Ausstieg belastet Conti mit 30 Millionen Euro. 120 Millionen Euro kostet die Teilschließung des nordamerikanischen Werks in Mayfield.
Auch in Deutschland steht eine Reifenfabrik zur Disposition: Die rund 500 Mitarbeiter in Hannover-Stöcken fürchten, daß die Produktion Ende 2006 auslaufen wird. Noch ist nichts entschieden. Aber Wennemer hat die Arbeiter schon mal vorsichtshalber auf einer Betriebsversammlung über diese Möglichkeit informiert. Ihm eilt zwar der Ruf eines knallharten Managers voraus, aber als ehrlich gilt er unter den Mitarbeitern auch.



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