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Wirtschaft

Theo Müller - der streitbare Milchkönig

Müller Milch: Umzug in die Schweiz, Diskussion mit Hans Eichel - und nun sogar ein Handgemenge mit Umweltschützern.

Hamburg. Es war Anfang dieser Woche, als eine Handvoll Greenpeace-Aktivisten vor dem Werkstor der Firma Müller-Milch in Aretsried Ökojoghurts und Flugblätter verteilen wollte. Im Nikolaus-Kostüm und mit Plakaten wie "Müller-Milch = Gen-Milch" rückten die Umweltschützer an, doch sie hatten nicht mit der Gegenwehr des Konzerns gerechnet.

"Etwa 50 Sicherheitsleute haben uns getreten, geschubst und geschlagen und über das Werksgelände hinaus verfolgt", sagt Greenpeace-Sprecherin Carmen Ulmen. Kameras seien zu Bruch gegangen. Auch Konzernchef Theo Müller (64) habe sich am Handgemenge beteiligt. Mittlerweile wurde er wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt.

Die Prügelei war der vorläufige Höhepunkt in der streitbaren Karriere des Konzernchefs. Bekannt ist Müller, Inhaber der drittgrößten deutschen Molkerei, für seine provokanten Gesten, berüchtigt für den herrischen und oft ruppigen Ton, mit dem er seine Interessen durchzusetzen pflegt. FDP-Politiker Hermann-Otto Solms etwa war eingeschnappt, weil ein Müller-Werbespot Bundestagsabgeordnete als Lügner abstempelte. Bauern protestieren mit Vorliebe in Aretsried, wenn es um eine rigide Preispolitik geht.

Lokalpolitiker wurden schon vor einem Jahrzehnt düpiert, weil Müller in der Manier eines Feudalfürsten ohne Genehmigung Gebäude errichten ließ. Der Schriftsteller Joseph von Westphalen nannte Müller daher "Milchmafiosus" - und wurde prompt verklagt.

Zuletzt löste Theo Müller eine Debatte aus, weil er aus steuerlichen Gründen in die Schweiz umzog. Mit Lebensgefährtin und neun Kindern suchte er Zuflucht an der Zürcher Goldküste, um Millionen Euro an Erbschaftssteuer einzusparen. Öffentlich als "unpatriotisch" und "Absahner" beschimpft, verteidigte Müller seinen Standpunkt vehement, stritt mit Finanzminister Hans Eichel und warf dem Staat vor, ihn "enteignen" zu wollen.

Dabei kann man dem Milchkönig keineswegs ankreiden, nichts für den Standort Deutschland getan zu haben. Quasi aus dem Nichts schuf er innerhalb von drei Jahrzehnten sein Milchimperium. Der Vater hatte ihm in Aretsried gerade einmal einen Vier-Mann-Betrieb hinterlassen. Müller machte daraus einen Konzern mit 1,9 Milliarden Euro Umsatz und 4500 Mitarbeitern.

Der Erfolg ist es aus Sicht von Müller auch, der ihn immer wieder zur Zielscheibe von Protesten macht. "Müller-Milch bietet sich als Ziel für Aktionen natürlich an - mehr als eine kleine, unbekannte Molkerei", sagt Müller-Justitiar Reinald Willenberg. "Dabei verhalten wir uns genauso wie die meisten Milchfirmen in Deutschland."

Greenpeace wirft Müller vor, Milch von Höfen zu beziehen, die ihre Kühe mit genmanipuliertem Soja füttern. "Für vier Höfe, die Müller beliefern, haben wir das konkret im Frühjahr nachgewiesen", sagt Carmen Ulmen. Die Umweltschützer haben grundsätzliche Bedenken gegen den Einsatz von genmanipuliertem Soja, weil sich aus Sicht der Organisation ein Auskreuzen der manipulierten Organismen nicht verhindern lasse. Darüber hinaus verweist Ulmen auf einen erhöhten Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf US-amerikanischen Soja-Feldern.

"Greenpeace betreibt hier eine diffamierende Kampagne", sagt hingegen Justitiar Willenberg. "Unsere Produkte entsprechen voll und ganz den lebensmittelrechtlichen Vorschriften der EU." Die verarbeitete Milch stamme zwar auch von Kühen, die gentechnisch verändertes Futter erhielten. Dies habe aber keine Auswirkungen auf die Beschaffenheit der Milch.

Zurückhaltender ist der Konzern, wenn es um den jüngsten Einsatz des Chefs vor dem Werkstor geht. Das Handgemenge sei von Greenpeace "provoziert" worden, heißt es in einer Stellungnahme. Und die Anzeige gegen Theo Müller? "Uns liegt nichts vor", sagt der Justitiar.

 

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