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Wirtschaft

Phoenix: Demontage begonnen

Management läßt 2,5 Millionen teure Maschine ohne Wissen der Belegschaft zerlegen. Gericht stoppt den Abtransport

Hamburg. Der Konflikt um die Harburger Traditionsfirma Phoenix nimmt immer dramatischere Formen an. In einer Blitzaktion hat die Geschäftsführung von Phoenix gestern versucht, eine wichtige Produktionsmaschine zu demontieren und nach Spanien abtransportieren zu lassen.

Auf diese Weise sollte nach Auffassung des Betriebsrats das Schicksal des Phoenix- Werks an der Seehafenstraße frühzeitig besiegelt werden. Die Aktion wurde jedoch in letzter Sekunde vom Arbeitsgericht per einstweiliger Verfügung gestoppt.

Nikima Bartholomy (51) arbeitet seit 25 Jahren bei Phoenix Automotive an der Seehafenstraße. In dem Werk werden Krümmer für Auspuffanlagen von Fahrzeugen hergestellt. "In dieser Zeit habe ich noch nie erlebt, daß eine Maschine so rasch demontiert wurde", sagt er. "Wir alle waren erschrocken, wie schnell so etwas geht." Bei dem Gerät handelt es sich um eine sogenannte Extrusionslinie für Schläuche - 50 Meter lang und etwa 2,5 Millionen Euro teuer.

"Diese Maschine ist die wichtigste im gesamten Werk", sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Silke Falk dem Abendblatt. "Durch ihre Demontage und den Abtransport sollte offenbar die Produktion an der Seehafenstraße stark behindert und dadurch Fakten für die komplette Schließung geschaffen werden."

Der Traditionskonzern Phoenix steht nach der Übernahme durch den Konkurrenten Continental vor der Auflösung. 700 von 2700 Arbeitsplätzen sollen kurzfristig allein am Standort Harburg wegfallen. Unternehmenschef Meinhard Liebing hatte in diesem Zusammenhang bereits eingeräumt, daß das Werk an der Seehafenstraße geschlossen und die Produktion aus Kostengründen unter anderem nach Spanien verlagert werden soll. Er wollte gestern keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben.

Der Schließung des Werks steht laut Betriebsrat eine Standortsicherungsvereinbarung entgegen, die nicht nur betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2005 ausschließt, sondern auch festlegt, daß bis zu diesem Zeitpunkt in Harburg täglich 35 000 Krümmer gefertigt werden müssen.

"Durch den Abtransport der Maschine wäre diese Vereinbarung ad absurdum geführt worden", sagt Silke Falk. "Denn mit dann nur noch zwei Maschinen hätte man so viele Krümmer gar nicht mehr herstellen können."

Gestoppt wurde der Abtransport der Anlage in allerletzter Sekunde. Das Arbeitsgericht Hamburg urteilte wegen der Dringlichkeit der Angelegenheit gestern vormittag in einem Eilverfahren und sorgte dafür, daß der Beschluß der Phoenix AG noch am selben Tag zugestellt wurde.

Bei dem Beschluß berief sich die Kammer unter anderem auf Paragraph 111 des Betriebsverfassungsgesetzes. "Danach muß über eine Betriebsänderung zunächst einmal mit den Arbeitnehmern verhandelt werden", sagte der Präsident des Arbeitsgerichts, Helmut Nauser, im Gespräch mit dem Abendblatt. "Es muß zumindest versucht werden, einen Interessenausgleich herbeizuführen. Das ist nach Auffassung der Kammer nicht geschehen."

Die einstweilige Verfügung erwirkte der Betriebsrat gegen den Geschäftsführer des Werks an der Seehafenstraße, Thilo Möller, der den Abtransport nach Aussage der Arbeitnehmervertreter für gestern mittag angesetzt hatte. Ihm drohte das Gericht bei Zuwiderhandlung gegen den Beschluß ein Ordnungsgeld von insgesamt 250 000 Euro oder ersatzweise eine Ordnungshaft an.

Obwohl der Transport der Maschine nach Spanien noch verhindert werden konnte, stehen im Phoenix-Werk dennoch viele Beschäftigte ohne Arbeit da. Abgebaut und verpackt ist die Anlage schließlich schon. Ob sie wieder aufgebaut werden muß, war gestern noch unklar.

Bei Nikima Bartholomy und seinen meist ausländischen Kollegen an der Seehafenstraße 1 hat sich unterdessen schon Resignation breitgemacht. "Irgendwann geht die Maschine bestimmt nach Spanien", sagt er. Und: "Hier in Harburg wird ohnehin alles den Bach runtergehen."

Für Bartholomy wird es mit 51 Jahren schwer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden: "Ich sehe fast null Chancen, noch wieder eine Stelle zu bekommen. Ich bin für die Rente zu jung und für die Arbeit zu alt. Aber was soll ich dann machen? Ich habe drei Kinder zu versorgen. Ich weiß nur nicht mehr, wie."

 

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