Alcopops: Industrie trickst Regierung aus
Mixgetränke: Statt mit Rum oder Wodka jetzt mit Weinalkohol.
Hamburg. Mit neuen alkoholhaltigen Süßgetränken umgehen die Spirituosenhersteller die seit dem 1. August geltende Sondersteuer für Alcopops. Der Trick: Um die zusätzliche Besteuerung von 80 bis 90 Cent pro Flasche nicht bezahlen zu müssen, ersetzen die Produzenten Alkohol wie Wodka und Rum durch Weinalkohol. Und der unterliegt nicht der Sondersteuer.
Die neuen Mixgetränke schmecken dabei ähnlich - und haben mit fünf bis sechs Prozent sogar den gleichen Alkoholgehalt. Nach Abendblatt-Recherchen stehen die ersten Produkte bereits bei Lebensmittelhändlern wie MiniMal, Penny und Edeka in den Regalen. Handelsmarken auf Weinbasis wie Ducanoff oder Tiko kosten dabei nur 79 Cent pro Flasche. Besonders ärgerlich aus Sicht von Jugendschützern und Drogenberatern: Anders als Rum- und Wodka-Mixgetränke, die laut Gesetz nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden dürfen, lassen sich Wein- und Biermixgetränke legal schon an 16-Jährige verkaufen.
Auch die Marktführer Diageo ("Smirnoff") und Bacardi ("Rigo") bestätigen gegenüber dem Abendblatt Pläne, auf den erwarteten Absatzeinbruch von bis zu 95 Prozent mit Neuentwicklungen zu reagieren. Statt künftig bis zu 2,80 Euro für einen hoch besteuerten Alcopop-Klassiker wie Smirnoff Ice (mit Wodka) oder Bacardi Rigo (mit Rum) dürften die alternativen Alcopop-Markenprodukte rund einen Euro weniger kosten.
Eine mögliche Variante neben dem Einsatz von Weinalkohol ist die Verkleinerung der Alcopop-Flasche. Damit könnte der alte Preis trotz des Einsatzes von Rum oder Wodka gehalten werden. Branchenkenner schließen aber auch eine Erhöhung des Alkoholanteils auf mehr als zehn Prozent nicht aus. Denn laut Gesetz gilt die Sondersteuer nur bis zu diesem Wert.
Unterdessen rechnet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, weiter mit einem Erfolg der Abgabe. Sollte sich herausstellen, dass viele Jugendliche auf andere Mixgetränke ausweichen, werde die Regierung einschreiten, drohte sie. "Wir haben das Ganze im Blick und werden eine Substitution nicht zulassen." Allerdings benötigt die Regierung dafür die Zustimmung des CDU/CSU-dominierten Bundesrats. Und dessen Ablehnung gilt als sicher.




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