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Wirtschaft

Kaffee-Importeure: Erfolg im Hinterhof von Ottensen

Braune Bohnen: Immer mehr kleine Firmen haben Hamburg als Standort gewählt

Hamburg. Ihre Namen klingen nach Fernweh und Revolution: "Sandino", "la cortadora", "espresso rebelliß" oder "Flor de Cafe". Die beiden Importeure Cafe libertad und el rojito in Hamburg-Ottensen gehören zu den kleinsten selbstständigen Kaffee-Importeuren in Hamburg. Im Hinterhofgeschäft von el rojito werden Kaffee und Espressi aus Nicaragua und El Salvador verkauft, Cafe libertad importiert seinen Rohkaffee ausschließlich von Kleinbauern im Hochland von Chiapas in Mexiko.

Jenseits der Preisschlachten großer Kaffee-Importeure und der Berg- und Talfahrten für Rohkaffeepreise haben sich Cafe libertad und el rojito stabile Nischen erobert. Jeden Herbst melden sie aus dem dann nasskalten Ottensen den Kooperativen in Südamerika die gewünschte Containermenge: "Wir haben vor fünf Jahren mit acht Sack à 69 Kilo angefangen", erzählt Folkert Mohrhof von Cafe libertad. "In diesem Jahr sind es 35 Tonnen und die Menge wird nicht reichen." Bei el rojito sind es rund 45 Tonnen, die in diesem Jahr in Bremen angelandet werden. Der Rohkaffee wird geröstet und die "braunen Bohnen" dann per Post an den Endkunden verschickt - oft sind es Einzelpersonen. "Wir haben auch einige Nostalgiekunden, die nach Österreich und England ausgewandert sind. Denen schicken wir dann ihre zwölf Kilo hinterher", sagt Magnus Kersting.

Die meisten angebotenen Kaffees sind Biosorten, die Pflanzen werden ohne Schädlingsbekämpfungsmittel, meist unter Schattenbäumen gezogen. Der Unterschied zum üblichen Kaffee ist groß: Sie sind sortenrein und werden länger geröstet. "Viele der Kaffees sind Mischungen, weil das Ziel ja ist, jedes Jahr den gleichen, wiedererkennbaren Geschmack zu produzieren", sagt Kersting. Die rojito- und libertad-Cafes und Espressi unterliegen dagegen gewissen Geschmacksschwankungen. "Wie bei Wein - ein Jahrgang ist nie wie der andere", so Kersting.

Das aus dem Handel bekannte Transfair-Siegel sehen Kersting und Mohrhof kritisch. "Das ist ein bisschen das Feigenblatt der großen Konzerne, sie handeln ja zu 99 Prozent doch mit normalem Kaffee", meint Kersting.

El rojito, der kleine Rote, hat seine Wurzeln in den Befreiungs- und Solidaritätsbewegungen Südamerikas der 80er-Jahre. Der Rohkaffee von Cafe libertad stammt aus dem Hochland von Chiapas. Man fühlt sich der zapatistischen Bewegung verbunden und unterstützt sie. Das Geschäft läuft mittlerweile so gut, dass Cafe libertad von einem Verein zu einem Unternehmen geworden ist. Zusammen mit el rojito importieren die Mikroröster rund 1200 Sack Kaffee nach Deutschland - von rund neun Millionen, die insgesamt auf dem deutschen Markt abgesetzt werden.dpa

 

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