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Wirtschaft

So werden Überschussbeteiligungen berechnet

Das Verfahren, mit dem die Lebensversicherer Überschussbeteiligungen berechnen, ist kompliziert und dauert mehrere Monate. Bei der Hamburg-Mannheimer (HM), mit mehr als sieben Millionen Lebensversicherungsverträgen die Nummer zwei der Branche (verwaltete Kapitalanlagen: 34 Milliarden Euro), ist dafür die mathematische Abteilung verantwortlich, die rund 45 Experten umfasst. Ausgefeilte Computerprogramme kalkulieren dazu

jedes Jahr ab September erste Modellrechnungen und Szenarien. Denn die jährlich erwirtschafteten Überschüsse werden in einen Gewinnpuffer eingestellt. Aus diesem Topf werden die Überschüsse kontinuierlich den einzelnen Versicherungsverträgen zugeteilt. Überprüft wird bei den Modellrechnungen, wie sich der Topf bei bestimmten Annahmen zu Zinsen und Kapitalmarkt entwickelt - ob er zu sehr wachsen oder schrumpfen würde. Ziel ist auch, die Überschussbeteiligung möglichst konstant zu halten und nicht jährlich zu verändern.

"Ende November bis Anfang Dezember entscheidet der Vorstand über die Überschussbeteiligung, die dann veröffentlicht wird", sagt

Jürgen Weinreich, Chef-Mathematiker der HM. "Von Anfang Januar an gibt es dann Modellrechnungen für den Verkauf mit der neuen Überschussbeteiligung." Mit der Überschussbeteiligung 2004 werden nicht nur die tatsächlich erwirtschafteten Erträge aus dem Vorjahr unter den Kunden aufgeteilt, sondern es können auch zusätzliche Mittel aus dem Gewinnpuffer auf die Verträge verteilt werden. Der Sicherheitstopf kann also durchaus auch schrumpfen. Die Erträge kommen aus der Anlage der Kundengelder in festverzinsliche Wertpapiere, Fonds und Aktien. Die Versicherer sind verpflichtet, mindestens 90 Prozent der Gewinne auszuschütten - allerdings nicht alles in dem

Jahr, in dem der Gewinn angefallen ist. Ein Teil davon wird auch in den Gewinnpuffer zurückgestellt. Meist liegt die Ausschüttungsquote aus Wettbewerbsgründen über diesem gesetzlichen Limit: Bei der Hamburg-Mannheimer sind es derzeit 92 bis 94 Prozent der Gewinne. "In Hochzinsphasen waren es sogar bis zu 98 Prozent", sagt HM-Vorstand Johannes Lörper. "Bei der Berechnung der Überschussbeteiligung können wir aber nicht jeden unserer sieben Millionen Verträge einzeln in die Hand nehmen und eine individuelle Verzinsung berechnen", erklärt Jürgen Weinreich. "Das wäre viel zu aufwendig." Verträge mit ähnlichen Tarifen und Abschlussjahren werden zu Gruppen gebündelt - bei der HM zu rund 100 Haupt- und noch mehr Untergruppen.

Immer wichtiger werde zudem der Schlussüberschussanteil (kurz: Schlussbonus), der den Kunden erst am Ende der Vertragslaufzeit gutgeschrieben wird. "Er macht noch einmal rund zehn Prozent der laufenden Überschussbeteiligung aus", so Weinreich. Bei der HM gibt es 2004 für Neukunden zur Überschussbeteiligung von 4,4 Prozent noch einmal 0,4 Prozent Schlussbonus. "Der Schlussbonus wird dem Kunden während der Laufzeit zwar jährlich zugewiesen, es steht quasi schon sein Name drauf", erläutert er. "Es gehört ihm aber noch nicht fest." Unter bestimmten Umständen, etwa in einer finanziellen Notlage, könnte der Versicherer auf diese Rücklagen zugreifen. "Das dürfen wir aber nicht willkürlich", betont Jürgen Weinreich.

Ein Beispiel: Wer heute als 30-jähriger Mann bei der HM eine Lebensversicherung mit Todesfallschutz über 100 000 Euro abschließt und monatlich 193 Euro einzahlt, erhält 2039 rund 174 000 Euro - davon 20 500 Euro allein als Schlussbonus.rh

 

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