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Wirtschaft

Warner Music bleibt in Hamburg

Entscheidung im Tauziehen um den Musikkonzern gefallen. Hansestadt gewinnt gegen Berlin. Doch jetzt droht Stellenabbau.

Hamburg. Endlich wieder eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Hamburg: Die Deutschlandzentrale des Musikkonzerns Warner Music mit Künstlern wie REM, Westernhagen, Red Hot Chili Peppers, Madonna oder Alanis Morissette bleibt in Hamburg. Das gab das Unternehmen, das derzeit noch im modernen, dreieckigen Deichtorcenter (Ost-West-Straße, gegenüber Deichtorhallen) residiert, gestern bekannt.

Die Entscheidung war mit großer Spannung erwartet worden, weil Berlin vor zwei Jahren bereits den Branchenführer Universal Music mit millionenschweren Subventionen aus Hamburg weggelockt hatte. Die Hamburger Tochter der Plattenfirma BMG folgte wenig später und kürzlich zog auch der Branchenverband der phonographischen Wirtschaft von der Elbe an die Spree. Auch bei Warner lockte Berlin mit finanziellen Anreizen.

"Es gab intensive Verhandlungen. Berlin hat uns mehrere attraktive Angebote gemacht und sehr professionell gearbeitet. Aber letztlich ist für uns die Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend", sagte Bernd Dopp, Präsident von Warner Music Deutschland, dem Abendblatt gestern. "Die Entscheidung wurde, begleitend durch regelmäßige Konsultationen von Warner Music Germany, in London und New York gefällt."

Auch der Hamburger Senat habe sich sehr um Warner Music bemüht und ebenfalls äußerst professionell operiert, lobte der deutsche Warner-Chef gestern: "Die Angebote, die uns die Stadt Hamburg gemacht hat, waren sehr attraktiv, und da wir seit 1971 unseren Standort in Hamburg haben, freue ich mich insbesondere für unsere Mitarbeiter, dass wir in Hamburg bleiben."

"Die Entscheidung der Warner Music Group ist eine fantastische Nachricht für unsere Stadt", sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gestern. "Sie ist ein wichtiges Bekenntnis zum Medienstandort Hamburg, über das ich mich sehr freue."

Im Spätsommer will Warner nun vom Deichtorcenter in die Speicherstadt in die Straße Alter Wandrahm umziehen, wo bereits verschiedene Werbeagenturen und andere Medienfirmen Mieter der historischen Speicher sind. Am jetzigen Standort, der nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt ist, war die Mietbelastung von 13 Euro pro Quadratmeter zu teuer geworden für den Musikkonzern. Auch die rund 8000 Quadratmeter haben sich als zu groß herausgestellt. Im neuen Domizil soll dem Vernehmen nach nur noch eine zirka halb so große Fläche bezogen werden.

"Auf Grund der dramatischen Marktentwicklung der deutschen Musikwirtschaft, die in erster Linie durch massenhaftes Raubkopieren und illegales Downloaden entstanden ist, war es unsere unternehmerische Pflicht, die Gesamtkostenstruktur an die Marktgegebenheiten anzupassen", sagt Dopp. So hat die Musikbranche im vergangenen Jahr einen Absatzeinbruch von 20 Prozent verkraften müssen, nach jeweils rund elf Prozent in den beiden Vorjahren. "Die logische Konsequenz war, dass wir uns nach einer geeigneten Location umsehen mussten."

Die Stadt hatte Warner Music dem Vernehmen nach auch die ehemaligen Räume der zentralen Hamburger Bücherhalle an den Großen Bleichen sowie das leer stehende Öko-Einkaufszentrum und ein Haus für Multimedia-Firmen in Bahrenfeld vorgeschlagen. Doch diese Flächen waren ungeeignet oder passten nicht zum Image des Plattenkonzerns.

Rund 230 Arbeitsplätze sind durch den Verbleib des Musikkonzerns für Hamburg gesichert worden - zunächst jedenfalls. Denn wie das Abendblatt gestern aus Unternehmenskreisen erfuhr, sollen bei Warner Music schon bald mehr als 80 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Unternehmen wollte dazu gestern keine Stellung nehmen. Doch der erst kürzlich eingesetzte weltweite Warner-Chef Edgar Bronfman hatte Anfang März in New York angekündigt, weltweit jede fünfte Stelle zu streichen.

 

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