20.09.12

Pkw-Markt

Noch höhere Autorabatte im Herbst erwartet

Schon jetzt liegt der Nachlass für Neuwagen im Schnitt bei fast 20 Prozent. Konjunkturschwäche und Euro-Krise dürften Preise weiter drücken.

Von Melanie Wassink
Foto: Michael Rauhe
Renault
Auch Renault lockt mit Sondermodellen: Autoverkäufer Michael Mori von der Niederlassung am Nedderfeld

Hamburg. An der Automeile Friedrich-Ebert-Damm hängen die Flaggen der Fabrikate schlaff im Wind. Auch die Verkäufer haben schon bessere Zeiten erlebt: "Der Gebrauchtmarkt läuft gut, aber die Neuwagen, na ja", sagt ein Mitarbeiter bei Hugo Pfohe, die unter anderem Ford und Kia anbieten. Bei Willy Tiedtke mit Neuwagen von VW und Audi laufe vor allem das Flottengeschäft mit Firmen noch gut, erzählt ein Verkäufer. So zurückhaltend die Käufer derzeit sind, so massiv ist die Werbung der Autohäuser: Wer in diesen Tagen auf der Suche nach einem Neuwagen ist, trifft auf erstaunlich viele Angebote. 4250 Euro Nachlass auf einen neuen Golf, ein Ford C-Max für 13 909 statt gut 18 000 Euro; bis zu 2500 Euro mehr für den Gebrauchten beim Kauf eines neuen Polo oder Up. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", wirbt Suzuki bei Auto-Pohl und gibt 20 Prozent Nachlass auf die Preisempfehlung des Herstellers.

Die Angebote der Hamburger Autohändler spiegeln die Phase des Umbruchs wider, in der sich die Branche derzeit befindet. Die Verunsicherung aufgrund der Staatsschuldenkrise wirkt sich seit dem Sommer spürbar auf dem westeuropäischen Pkw-Markt aus. Experten erwarten in der Region für das laufende Jahr einen Rückgang der Neuzulassungen um acht Prozent.

Aber nicht nur Krisenländer wie Griechenland, Spanien oder Italien bremsen den Absatz der Autohersteller - selbst im vergleichsweise stabilen Deutschland halten sich die Käufer zurück. Der August war hier mit 226 000 neu zugelassenen Wagen der schwächste Monat seit Februar. Angesichts zuletzt wieder steigender Arbeitslosigkeit und schwächerer Wirtschaftsaussichten fielen die Neuzulassungen um fünf Prozent. Seit Jahresbeginn seien rund 2,1 Millionen Neuwagen angemeldet worden, das sind 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, meldet das Kraftfahrt-Bundesamt. Insbesondere der Privatmarkt sei schwach, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Derzeit seien von dort auch keine Impulse zu erwarten. Bei der aktuellen ZDK-Geschäftsklima-Umfrage (Ende August/Anfang September) hätten mehr als die Hälfte der Betriebe (55,1 Prozent) das laufende Quartal als "schlecht" bezeichnet.

Je mehr die Hersteller gezwungen sind, ihre Fabriken trotz sinkender Nachfrage auszulasten, desto größer wird der Druck auf den Handel. Um Lagerkosten oder Kurzarbeit wie aktuell bei Opel zu vermeiden, muss der Vertrieb die Fahrzeuge zu Niedrigpreisen in den Markt drücken. Zur Freude der Kunden: Im August erreichte das Rabattniveau laut einer Analyse der Autoexperten von der Universität Duisburg-Essen einen Rekord. Demnach lag der durchschnittliche Listenpreisrabatt auf die 30 beliebtesten Privatmodelle in Deutschland in den vergangenen Wochen bei 18,9 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 14,9 Prozent.

Besonders hohe Rabatte ermittelten die Forscher für den Ford Fiesta und den Opel Astra mit jeweils knapp35 Prozent auf den Listenpreis. Selbst neue Premiumfahrzeuge wie der BMW 3er - das wichtigste Modell des bayerischen Herstellers - seien bereits im Angebot. Die Experten ermittelten für den BMW 316d in der Studie einen Kundenvorteil von 26,3 Prozent. Ähnlich hohe Preisvorteile ergaben sich in dem Untersuchungszeitraum beim Honda Civic, Chevrolet Aveo oder Seat Ibiza.

Normalerweise ließen Sonderaktionen im Ferienmonat August nach. Doch diese Bewegung sei diesmal ausgeblieben. "Dies ist ein untrügliches Zeichen für die Nachfrageschwäche im deutschen Automarkt", sagt der Autor der Studie, Ferdinand Dudenhöffer.

Doch nicht nur die Kaufzurückhaltung zwingt die Händler dazu, neue Schilder mit günstigeren Preisen hinter die Windschutzscheiben ihrer Neuwagen zu legen. Die Kunden sind heute auch immer besser vorbereitet auf die Investition in ein neues Fahrzeug. 94 Prozent der Autokäufer informieren sich vor der Anschaffung online, ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens Capgemini. Im Netz konkurrieren längst auch nicht mehr nur die alteingesessenen Händler um die Kunden, sondern auch immer mehr Neuwagenvermittler. Online-Portale wie Meinauto, Autohaus24 oder Carneoo werden nach Schätzungen des Duisburger Car-Instituts 2012 rund 50 000 Neuwagen verkaufen - 15 000 mehr als im vergangenen Jahr und doppelt so viele wie 2010. Im Jahr 2015 sollen es schon 100 000 sein.

Immerhin 42 Prozent der Autokäufer können sich vorstellen, ein Fahrzeug auch im Netz zu kaufen. Die Digitalisierung und die damit zunehmende Preistransparenz zwingen die Autohäuser ebenfalls zu Zugeständnissen. Schließlich wird damit die Konkurrenz im Markt durch bundesweit mögliche Preisvergleiche angeheizt.

Eine Folge des starken Wettbewerbsdrucks sind auch die zunehmenden Tageszulassungen. In den ersten sieben Monaten 2012 hätten die Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern "eine traurige Höhe von fast 29 Prozent des Gesamtmarktes" erreicht, sagte der Präsident des ZDK, Robert Rademacher. Für den Bedarf an Vorführ- und Dienstwagen hätten zwei Drittel dieser 540 000 Neuwagen ausgereicht, betont der Verbandschef: "Diese Quasi-Neuwagen drängen nun als ,junge Gebrauchtwagen' mit hohen Nachlässen auf den Markt und bringen dort das Preisniveau sowohl für Neuwagen als auch für Gebrauchtwagen und auch für Leasing-Rückläufer durcheinander." Unter dem Strich seien damit 180 000 Fahrzeuge nur für die Statistik zugelassen worden. Diese Werte seien alarmierend: "Auf Dauer diesen Überdruck zu verursachen führt den Markt in eine Katastrophe."

Bisher gleichen die Hersteller die Schwäche auf dem deutschen und westeuropäischen Markt noch durch Exporte in andere Länder aus. So legten die Pkw-Märkte in Russland, Indien, China, Japan und Brasilien im Sommer jeweils zweistellig zu - und auch in den USA wurde ein beachtliches Plus von neun Prozent erreicht. Aber schon wartet die nächste große Herausforderung auf VW, BMW und Co.: Die EU-Kommission hat kürzlich für die CO2-Regulierung bis zum Jahr 2020 einen Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer als Pkw-Flottengrenzwert vorgeschlagen. Diese Forderung bedeute erhebliche technische Anstrengungen und Investitionen, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Denn der Spritverbrauch müsste dann auf nicht einmal vier Liter für die 100-Kilometer-Strecke sinken.

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