14.09.12

US-Wirtschaft

Fed startet unbegrenztes Konjunkturprogramm

Europa streitet noch heftig über unbegrenzte Anleihekäufe der EZB, da wirft die US-Notenbank schon mal die Notenpresse an – ohne Limit.

Foto: dapd/DAPD
Der Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington D.C.
Der Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington D.C.

Washington. Möglicherweise blickt EZB-Präsident Mario Draghi derzeit etwas neidvoll auf seinen amerikanischen Kollegen Ben Bernanke. Während der Italiener vor allem in Deutschland massiv für seine Ankündigung unbegrenzter Anleihekäufe kritisiert wird, scheint es, als könne Bernanke auf der anderen Seite des Atlantiks geradezu mühelos die Notenpresse in den Dauermodus schalten.

Monat für Monat will die Federal Reserve künftig 40 Milliarden Dollar (31 Mrd Euro) über den Ankauf von Hypothekenpapieren in die US-Wirtschaft pumpen – so lange und so viel nötig ist, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Die wichtige Entscheidung fällt in Washington anscheinend ohne großen Widerstand und bedingungslos. "Jeder Amerikaner sollte sich um den Jobmarkt sorgen", sagte Bernanke schlicht zur Begründung.

+++ US-Notenbankchef Bernanke dreht den Geldhahn auf +++

In Amerika gibt es keinen widerspenstigen Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann, der eine im Euroraum "verbotene Staatsfinanzierung mit der Notenpresse" anprangert. Bernanke muss die elf anderen Mitglieder des sogenannten Offenmarktausschusses der Fed überzeugen – und die ziehen weitgehend an einem Strang.

Seit 2008 legt die Fed ein Konjunkturprogramm nach dem anderen auf. Am Ende könnten deutlich mehr als drei Billionen Dollar dafür in ihrer Bilanz stehen. Und auch ihre Politik des praktisch auf null Prozent verharrenden Leitzins wurde vorsorglich schon mal bis Mitte 2015 mehr oder minder in Stein gemeißelt.

+++ Ben Bernanke verdeutlicht Fed-Dilemma in Grundsatzrede +++

+++ US-Notenbank kündigt weitere Anleihekäufe an +++

Doch so leicht, wie der Posten des US-Notenbankchefs von jenseits des Atlantiks vielleicht wirken mag, ist er sicher nicht. Bernanke ist ständig im Kreuzfeuer erbarmungsloser Kritik oder zumindest unter strengster Beobachtung – von Politikern, Finanzmärkten, Währungshütern aus Übersee oder der Regierung. Mehrmals im Jahr muss er dem Kongress Rede und Antwort stehen, regelmäßig öffentlich seine Arbeit erklären, jeden Schritt genau begründen.

Nicht zuletzt ist der Erfolg der Notenbank ganz eng mit seinem persönlichen Ruf verbunden, mit seinem Bild in den Geschichtsbüchern. "Wird er erinnert als Fed-Chef, der zu wenig gegen die hohe Arbeitslosigkeit getan hat? Oder zu viel und mit seinen Handlungen eine Inflation und finanzielle Instabilität lostrat?", formulierte das "Wall Street Journal" kürzlich. Auch nach mehr als sechs Jahren im Amt ist das längst nicht klar.

Vor allem die Republikaner bezeichnen ihn als gescheitert. Ihr Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ließ durchblicken, bei einem Wahlsieg Bernankes bis 2014 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. "Künstlich" und "ineffektiv" seien die Fed-Maßnahmen, teilte der Herausforderer von Barack Obama am Mittwoch mit: "Wir sollten Reichtum schaffen, nicht Dollar drucken." Dabei wurde Bernanke vom ehemaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush ernannt.

Die Konservativen werfen Bernanke vor allem vor, mit der jüngsten Milliardenspritze so kurz vor den Wahlen im November Obama den Rücken stärken zu wollen. "Der Präsident hat bereits von der größten geldpolitischen Stützung in unserer Geschichte profitiert – und sie wurde gerade größer", kritisierte der republikanische Abgeordnete Jeb Hensarling unmittelbar nach der Fed-Entscheidung.

So sah sich Bernanke geradezu gezwungen, seine Unabhängigkeit zu betonen. "Wir haben wirklich sehr versucht, unparteiisch und unpolitisch zu sein", sagte er. Der Druck auf ihn ist riesig, die größte Volkswirtschaft aus dem ökonomischen Sumpf zu ziehen und gleichzeitig nicht im Washingtoner Machtspiel zerrieben zu werden.

Auch deshalb geht Bernanke selbst immer mehr in die Offensive. Am Mittwoch packte er seinerseits die Politiker ungewöhnlich hart an. "Wir können nicht alle ökonomischen Krankheiten kurieren", meinte er mit Verweis auf den politischen Stillstand in drängenden Fragen über Steuern und Staatsschulden. "Ich glaube nicht, dass unsere Werkzeuge stark genug sind, um die Folgen eines riesigen haushaltspolitischen Schocks auszugleichen."

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