Schuldenbarometer
Weniger Privatpleiten – Junge rutschen häufiger ab
Bundesweit mussten im ersten Halbjahr weniger Verbraucher Insolvenz anmelden. Den zweithöchster Rückgang kann Hamburg vermelden.
Hamburg. Die privaten Pleiten sind in Deutschland im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Im ersten Halbjahr meldeten knapp 65.600 Bundesbürger eine private Insolvenz an, das sind 4,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, teilte die Wirtschaftsauskunftei Bürgel am Donnerstag in Hamburg mit.
Im bundesweiten Durchschnitt müssen 80 von 100.000 Einwohnern zum Insolvenzrichter, besser sieht die Lage etwa in Thüringen (je 72) und Sachsen (76) aus. Weit über dem Schnitt liegen dagegen Bremen (162), Niedersachsen (108) und Schleswig-Holstein (107). In Hamburg müssen 99 von 100.000 Einwohnern Insolvenz anmelden. Am geringsten fällt die Insolvenzquote in Bayern aus (58). Insgesamt zeichnet sich ein Nord-Süd-Gefälle ab.
+++ Verbraucher kommen schneller aus der Pleite +++
+++ Firmenpleiten nehmen zu – Privatinsolvenzen sinken +++
Im Bundesländer-Vergleich kann Bremen mit 17,1 Prozent weniger Verbraucherinsolvenzen landesweit den stärksten Rückgang verzeichnen. Auch in Hamburg ist der Wert mit minus 16,3 Prozent im zweitstelligen Bereich gesunken – nach Bremen der höchste Rückgang
In absoluten Zahlen wurden im ersten Halbjahr 2012 die meisten Menschen mit 15.324 Privatinsolvenzen in Nordrhein-Westfalen zahlungsunfähig. Es folgen Niedersachsen (8534), Bayern (7363) und Baden-Württemberg (6437). In Hamburg betrug die absolute Zahl 1780.
Für das Gesamtjahr sei mit 132.000 privaten Pleiten zu rechnen, gegenüber 136.000 im Vorjahr. Hauptursachen seien weiterhin Arbeitslosigkeit, dauerhaftes Niedrigeinkommen, gescheiterte Selbstständigkeit oder Immobilienfinanzierung sowie Trennung und Scheidung.
"Die Eurokrise hat noch keinen Einfluss auf die Privatinsolvenzen", sagte Bürgel-Geschäftsführer Norbert Sellin. Die Sorge der Konsumenten um eine schwächere Konjunktur habe auch die Folge, dass die Verbraucher vorsichtiger mit ihrem Geld umgingen und auf risikoreiche Investitionen verzichteten.
Stark gestiegen seien die Privatpleiten allerdings in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren. Hier beobachtete Bürgel ein Plus von mehr als 29 Prozent auf 5800 Fälle. "Die Ursachen liegen vor allem in einer unwirtschaftlichen Haushaltsführung, gepaart mit wenig Erfahrung im Umgang mit Geld", sagte Sellin.
Die Betroffenen investierten oft hohe Summen in mobile Endgeräte, Elektroartikel, Autos und in den Raten- und Kreditkartenkauf. Zudem haben die jungen Erwachsenen im Krisenfall keine Rücklagen. So reichen oft schon Schulden unter 10.000 Euro, um Privatinsolvenz anmelden zu müssen.
Mit Material von dpa
















