06.09.12

Luftfahrtschau ILA

Im Flugzeugbau brummt der Wachstumsmotor

Von Krise keine Spur: Die Airlines leiden unter der Schuldenkrise, doch bei den Flugzeugherstellern sind die Auftragsbücher voll.

Foto: dpa
ILA vor Eröffnung
An den sechs Messetagen vom 11. bis 16. September werden mehr als 200.000 Besucher erwartet. Die ersten drei Tage sind dem Fachpublikum vorbehalten

Berlin. Die Zahlen können sich sehen lassen: Alle 15 Jahre verdoppelt sich der Luftverkehr – und die großen Flugzeugbauer melden einen Rekordauftrag nach dem anderen. Der europäische Hersteller Airbus wurde kürzlich dafür ausgezeichnet, dass er in den vergangenen zehn Jahren mehr als 15.000 Arbeitsplätze geschaffen und rund 14 Milliarden Euro in seine 15 europäischen Werke investiert hat.

"Die Flugzeugindustrie stellt heutzutage 15 Millionen Arbeitsplätze in der ganzen Welt und generiert ein Bruttoinlandsprodukt, das 400 Milliarden Euro entspricht", betonte das europäische Unternehmen, als ihm auf einer internationalen Investoren-Konferenz in La Baule ein Preis als "Bester europäischer Investor in Europa" verliehen wurde.

+++ Bis 2031 steigt Bedarf für 28.000 neue Flugzeuge +++

+++ Milliardenauftrag für Airbus: Philippinen ordern 54 Maschinen +++

Luftverkehr ist ein globaler Wachstumsmotor – und es schaut ganz so aus, als ob es auch trotz Krise so bleiben wird. Davon will auch die internationale Luftfahrtschau ILA in Berlin (11. bis 16. September) profitieren. Das Passagieraufkommen kletterte weltweit bisher jährlich im Schnitt um etwa fünf Prozent. Airbus wie auch US-Konkurrent Boeing geht für die kommenden 20 Jahren von einer massiv steigenden Nachfrage nach neuen Flugzeugen aus. Beide bauen die Produktion aus, um der Auftragsflut Herr zu werden.

Sie profitieren vor allem von zwei Entwicklungen: Auf der einen Seite können sich immer mehr Menschen in Schwellenländern das Reisen über den Wolken leisten, auf der anderen Seite müssen in Industriestaaten ältere Maschinen ersetzt werden.

Es ist vor allem der ungebrochene Bedarf an sparsameren Flugzeugen, der der Branche auf mehrere Jahre gefüllte Auftragsbücher beschert. Denn konstant hohe Treibstoffpreise knabbern weltweit an den Margen der Airlines – in Europa kommt noch erschwerend die unsichere Konjunktur im Gefolge der Schuldenkrise hinzu. Auch umstrittene gesetzliche Vorgaben wie die Ticketsteuer in Deutschland und Großbritannien oder die von der EU einseitig verfügte Klimaschutzabgabe ziehen die Branche nach unten.

Trotz international steigender Passagierzahlen sagt die Weltluftfahrtorganisation IATA Europas Airlines fürs laufende Jahr daher einen Verlust in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar (871 Mio Euro) vorher. Sie rechnet aber damit, dass die Fluggesellschaften weltweit einen Gewinn von drei Milliarden Dollar erzielen werden. Bessere Geschäfte in Amerika sollen höhere Verlust in Europa und geringere Gewinne in Asien auffangen. 2011 hatten die Unternehmen der Branche aber noch einen Gewinn von 7,9 Milliarden Dollar eingeflogen.

Europa bestimmt bei den großen Flugzeugherstellern allerdings längst nicht mehr das Geschäft – bei Airbus macht der Anteil der europäischen Kunden gerade noch 15 Prozent aus. Es sind vor allem die Kurz- und Mittelstreckenmodelle wie der verbrauchsarme A320neo von Airbus oder Boeings Pendant 737MAX, die gefragt sind. Sie sollen 2015 (Airbus) und 2017 (Boeing) an den Start gehen und verbrauchen rund ein Drittel weniger als viele derjenigen Jets, die sie im Betrieb ersetzen.

Ihr Markterfolg bewog den brasilianischen Hersteller Embraer, Pläne für eigene Neuentwicklungen in diesem Segment zurückzustellen. Er will jedoch seine zweistrahligen Regionalflugzeuge der E-Klasse (E175, E190 und E195) ebenfalls als sparsamere G2-Version auf den Markt bringen. Embraer ist im Segment der 60 bis 120 Sitze fassenden Regionaljets Marktführer und liefert sich mit dem kanadischen Hersteller Bombardier einen Wettstreit um den dritten Platz unter den größten Flugzeugherstellern der Welt.

Auch Bombardier oder der russische Flugzeugbauer Suchoi drängen mit Neuentwicklungen in den Weltmarkt. Ab 2016 sollen zudem die ersten chinesischen Mittelstreckenjets vom Typ C919 der Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) ausgeliefert werden. Sie könnten mittelfristig den Weltmarkt aufmischen. China ist mittlerweile nach dem traditionell größten Luftfahrtmarkt der Welt, den USA, mit rund 300 Millionen Reisenden die Nummer zwei. Die Hälfte der Branchengewinne 2011 flogen chinesische Airlines ein.

Luftfahrtschau ILA: Aussteller, Programm, Höhepunkte
Luftfahrtschau ILA: Aussteller, Programm, Höhepunkte
Auf der Internationalen Luftfahrtschau ILA (11. bis 16. September) in Berlin trifft sich die internationale Luftfahrt-Branche. Flugzeug-Fans lockt das Programm mit Neuentwicklungen und den weltgrößten Passagierflugzeugen.
Aussteller:
1200 Aussteller präsentieren sich auf der ILA, so viele wie nie zuvor. Darunter sind auch die Branchenriesen Airbus und Boeing. Der US-Flugzeugbauer ist erstmals umfangreich auf der ILA präsent. Die ausstellenden Unternehmen sind unter anderem in der Passagier- und Frachtluftfahrt, dem Militärsektor, der Zulieferindustrie und der Raumfahrt tätig.
Schauflüge
270 Fluggeräte sind am Boden und in der Luft zu sehen. Zu Demonstrationsflügen starten historische Messerschmitt-Kampfflugzeuge ebenso wie moderne Jumbo-Jets. Als Höhepunkte haben die Veranstalter Flüge des Militärtransporters A400M und des Großraumfliegers A380 von Airbus angekündigt.
Außerdem ist ein Flugzeug mit Elektroantrieb und integriertem Solarpanel auf den Flügeln zu sehen, das fast lautlos unterwegs sein soll. Auch die deutsche Luftwaffe sowie polnische, finnische und türkische Staffeln zeigen ihre Flugkünste.
Kanzlerin:
Beim Eröffnungsrundgang am 11. September macht sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Bild von der ILA.
Weltraum:
Die europäische Weltraumagentur ESA lädt für den 14. September zu einem Astronautentag. Fünf Astronauten und Forscher berichten dort von Experimenten im All und sprechen über die Erforschung von Mond und Mars. (dpa)
EADS-Konzern im Überblick
EADS – Europäischer Konzern mit Dominanz im Flugzeugbau:
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens.
Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.
Die bekannteste und bedeutendste Tochter der börsennotierten Aktiengesellschaft mit ihren rund 133 000 Mitarbeitern ist der Flugzeughersteller Airbus.
Daneben fertigt EADS auch Propellermaschinen (ATR), Hubschrauber (Eurocopter), Kampfflugzeuge (Eurofighter), Militärtransporter (A400M), Satelliten (Astrium), Lenkwaffen (MBDA), Computer-Sicherheitstechnik und Verteidigungselektronik, aber auch Trägerraketen (Ariane) oder Atomgeschosse.
2011 wuchs der Umsatz um sieben Prozent auf 49,1 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 87 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.
Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen.
Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt die französische Seite nach EADS-Angaben auf rund 22,4 Prozent.
Mit rund 22,4 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt.
Bisher hielt DaimlerChrysler rund 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken rund 7,5 Prozent.
Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss sämtliche Stimmrechte der deutschen Seite.
Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren.
Weitere rund 5,4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, 49,3 Prozent sind in Streubesitz.
EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam. In Paris und München sind bisher die beiden Hauptzentren des Konzerns.
Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt.
In Hamburg ist die deutsche Airbus-Tochter beheimatet, die für die deutschen Werke zuständig ist. (dpa)
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