06.09.12Neue Dax-Werte
Auf- und Absteiger: Conti rein, Metro raus
Continental und Lanxess gelingt Sprung in den Dax, Metro und MAN müssen erste Börsenliga verlassen – größte Neuordnung seit Jahren.
Foto: dpa
Elmar Degenhart (r.), Vorsitzender des Vorstandes der Continental AG, und Finanzvorstand Wolfgang Schäfer auf dem Parkett der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main lächelnd in die Kamera. Der Autotechnik- und Reifenspezialist Continental hat den Sprung zurück in den Dax geschafft
Frankfurt/Main.
Der Autozulieferer
Continental
und der Chemiekonzern
Lanxess
haben den
Sprung in die erste deutsche Börsenliga
geschafft. Sie verdrängen den
Handelskonzern Metro
und den
Lastwagenbauer MAN
aus dem deutschen Leitindex Dax. Die Veränderung wird zum 24. September wirksam, wie die Deutsche Börse am Mittwochabend mitteilte.
Der Dax spiegelt die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse wieder. Die Dax-Mitgliedschaft garantiert den Konzernen die Aufmerksamkeit internationaler Anleger. Außerdem orientieren sich zahlreiche Fonds bei ihren Aktienkäufen an der Zusammensetzung des Leitindex.
+++ Conti und Lanxess vor Einstieg in den Dax +++
+++ Autozulieferer Continental kehrt in Dax zurück +++
Es ist die größte Neuordnung im Dax seit Jahren. Dennoch reagierte die Börse gelassen auf die bereits seit einiger Zeit erwartete Entscheidung. Sowohl die Aufsteiger als auch die Absteiger verzeichneten nach der Bekanntgabe der Entscheidung Kursgewinne.
Continental kehrt nach vier Jahren in die erste Liga der deutschen Konzerne zurück. Der Konzern war 2008 nach dem Einstieg des damaligen Konkurrenten Schaeffler aus dem Dax ausgeschieden. Continental-Chef Elmar Degenhart sagte am Donnerstag in Frankfurt am Main: "Wir freuen uns sehr über unseren Wiederaufstieg in die Klasse der wertvollsten Unternehmen an der Deutschen Börse."
+++ Continental mit Gewinnen – Dax-Rückkehr im Visier +++
+++ Metro AG – ein Handelsriese im Abstiegskampf +++
Auch Lanxess war schon einmal im Dax vertreten – allerdings nur einen Tag lang nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Bayer. Bayer hatte 2005 in das Tochterunternehmen seine margenschwachen Chemiegeschäfte ausgelagert. Doch gelang es dem Lanxess-Management durch ein hartes Sanierungsprogramm und einen konsequenten Konzernumbau, das anfangs eher ertragsschwache Unternehmen auf Erfolgskurs zu bringen. Konzernchef Axel Heitmann betonte, die Aufnahme in den Dax sei für Lanxess "ein stolzer Augenblick und zugleich eine Herausforderung, unseren Kurs des profitablen Wachstums weiterhin konsequent fortzusetzen".
+++ Service: Hier finden Sie die aktuellen Börsenkurse im Detail +++
+++
Dax-Manager: Salär betragt das 54-fache eines Angestellten +++
Der Metro-Konzern büßte mit seinem Ausscheiden aus dem Dax vor allem für die schlechte Entwicklung des Aktienkurses in den vergangenen zwölf Monaten. Metro-Chef Olaf Koch sprach in einem Mitarbeiterbrief von einer schmerzhaften Entscheidung für Deutschlands größten Handelskonzern. Der aktuelle Aktienkurs spiegele "in keiner Weise die Leistungsstärke und das Potenzial der Metro Group wieder". Er reflektiere nicht einmal den Wert der Metro-Immobilien. Der Konzern müsse nun durch operative Erfolge das verlorene Vertrauen an den Kapitalmärkten zurückgewinnen. Ziel sei es, den Platz im Daxzurückzuerobern, schrieb Koch.
Dem Lastwagenhersteller MAN wurde vor allem das wachsende Engagement von Volkswagen zum Verhängnis. Der Wolfsburger Konzern hält inzwischen rund drei Viertel der MAN-Anteile. Dadurch sank der für die Zulassung zum Daxentscheidende Streubesitz zuletzt unter die notwendige Marke. Die Aktien von MAN und Metro werden künftig im MDax gelistet. (dapd)
Schon zwei Jahre nach der Firmengründung im Jahr 1871 waren Aktien von Continental an der Börse Hannover notiert.
Damals wurden im niedersächsischen Stammwerk Weichgummi-Waren produziert. Conti bot außerdem Massivreifen für Kutschen und Fahrräder an.
Als sich das Automobil zunehmend durchsetzte, kamen ab 1898 luftgefüllte Reifen hinzu.
Anfang der 1950er Jahre weitete Continental sein Geschäft auf Maschinenbau, Fördersysteme und Autotechnologie aus. Sicherheits-, Informations-, Fahrwerks- und Antriebstechnik sollen als zweite Säule neben der Reifensparte noch weiter ausgebaut werden.
Als 1988 der Dax eingeführt wurde, gehörten die Hannoveraner zu den Gründungsmitgliedern. 1996 musste sich Conti für sieben Jahre aus der Börsen-Bundesliga verabschieden, weil seine Marktkapitalisierung – gemessen am Kurs mal Aktienzahl im frei gehandelten Streubesitz - nach den Frankfurter Standards zu gering war.
Der Rückversicherer Munich Re stieg stattdessen in den Dax auf. 2003 gelang Conti die Rückkehr, der Finanzdienstleister MLP machte den Niedersachsen Platz.
Im Dezember 2008 musste der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer erneut in die zweite Garde der Börsenfirmen zurücktreten.
Im Zuge des umkämpften Einstiegs des Mehrheitsaktionärs Schaeffler hatte sich der Aktien-Streubesitz verringert, für Conti rückte der Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg in den Dax auf.
Mittlerweile sieht sich der Spezialist für Reifen und Autotechnik auch bei der zweiten Kenngröße– dem Börsenhandelsumsatz – auf der Zielgeraden für den Wiedereinstieg.
Continental beschäftigt derzeit rund 169 000 Mitarbeiter an 270 Standorten in 46 Ländern.
2011 fuhr der Konzern nach mehreren durchwachsenen Jahren einen Rekordgewinn von 1,242 Milliarden Euro ein. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro.
In den ersten sechs Monaten 2012 verdiente Conti rund eine Milliarde Euro – und damit knapp um die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum. (dpa)
Lanxess: Ein Chemiespezialist nimmt Fahrt auf
Kunststoffe und Kautschuke – das ist das Lebenselexier von Axel Heitmann. Seit der Abspaltung der traditionsreichen Chemiesparte vom Bayer-Konzern und ihrer Umbenennung in Lanxess steht der Manager an der Spitze des Chemiespezialisten.
Der Konzern mit heute weltweit knapp 17.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 8,8 Milliarden durchlief in den vergangenen Jahren ein hartes Sanierungsprogramm.
Unternehmensteile wurden abgestoßen, Arbeitsplätze gestrichen und die ertragsschwachen Segmente auf Rendite getrimmt.
Der 51-jährige Heitmann fokussierte Lanxess auf Kunststoffe, Kautschuke und Spezialchemiekalien.
Wichtigste Abnehmerbranchen: die Auto- und Reifenindustrie. Und seine Strategie ging auf. Lanxess steht vor dem Aufstieg in den Dax.
Nur wenige Experten hatten an eine schnelle Wiederbelebung der behäbigen Chemie geglaubt.
Doch das neue Unternehmen wurde eine Erfolgsgeschichte: Im zweiten Börsensegment MDAX lief sich Lanxess für die erste Börsenliga warm.
Heitmann lieferte ab, was Börsianer forderten. Das Unternehmen, das Mitte 2013 seinen Firmensitz von Leverkusen nach Köln verlegt, kam schneller aus der Verlustzone als geplant.
Immer wieder kursierten Gerüchte, Lanxess wolle die im Bayer-Konzern verbliebene attraktive Sparte MaterialScience übernehmen oder sich mit dem Konkurrenten Evonik zusammenschließen.
Doch Heitmann winkte ab und vertraute auf internes Wachstum. Die Lanxess-Aktie bekam Flügel. Heute notiert das Papier knapp unter 60 Euro und liegt damit um ein Vierfaches über seinem Ausgabekurs.
Nur die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 riss Lanxess mit. Umsatzeinbußen und einem Kurseinbruch vorübergehend in ein Tief. Danach ging es wieder stetig bergauf. (dpa)
Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Der Handelsriese Metro hat viele Baustellen. Vorstandschef Olaf Koch hat dem rund 280 000 Mitarbeiter zählenden Düsseldorfer Konzern im Frühjahr eine neue Strategie verpasst.
Mit gezielten Preissenkungen auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite soll es mit Umsatz und Gewinn wieder aufwärtsgehen.
Die Metro AG muss in Krisenzeiten aggressiver um Kunden werben. Sparprogramme infolge der Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit dämpfen in vielen Ländern Europas die Konsumfreude.
Die neue Strategie zeigt nach Metro-Einschätzung mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2012 schon Wirkung. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2012 durch Preissenkungen und Sondereffekte ein Verlust.
Traditionell fährt der Handelskonzern aber den Großteil seiner Gewinne in der zweiten Jahreshälfte ein. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr 2012 das bereinigte operative Ergebnis stabil halten.
In Verwaltungsbereichen des Konzerns ist der Abbau von weltweit rund 1200 Stellen geplant.
Kern des Konzerns ist das Metro-Großhandelsgeschäft, das für fast die Hälfte des Konzernumsatzes von 67 Milliarden Euro (2011) steht.
Media-Saturn ("Media Markt", "Saturn", "Redcoon") ist die zweitgrößte Tochter, die erst spät auf den Internetboom aufgesprungen ist.
Beim Lebensmittelhändler Real spricht Metro unbestätigten Informationen zufolge mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes.
Nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro zählt bereits seit Jahren die Warenhaustochter Kaufhof, deren Verkauf aber derzeit auf Eis liegt. (dpa)