08.09.12

Bewerbercoaching

Was Personaler wissen wollen

Beim Bewerbercoaching der HSBA lernen angehende Geschäftsleute, Arbeitgeber von sich zu überzeugen und erfahren, was hinter den Fragen der Personaler steckt.

Von Yvonne Scheller
Foto: Heiner Köpcke
Alice Röhm, 18, ist noch auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb für ihr duales Studium
Alice Röhm, 18, ist noch auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb für ihr duales Studium

Alice Röhm und Jeffrey Möller möchten direkt vom Experten erfahren, was beim Vorstellungsgespräch am wichtigsten ist. Dazu sind sie zum Bewerbercoaching der Hochschule für Business Administration (HSBA) in die Hamburger City gekommen. "Mich interessiert, was Unternehmen erwarten und wie man sich von der Masse abhebt", sagt Alice, die nach ihrem Abitur im kommenden Jahr Business Administration studieren möchte. Jeffrey hat sich für den Studiengang Media Management entschieden. Noch fehlt beiden allerdings ein begleitendes Ausbildungsunternehmen - Voraussetzung für ein duales Studium.

"Ich hoffe auf Tipps, wie ich beim Vorstellungsgespräch Lampenfieber in den Griff kriegen kann", erklärt der 21-jährige Jeffrey. Die gibt Burkhard Vesper. Der Personal- und Unternehmensberater ist Partner bei "MC Maurice Consult" , blickt auf eine erfolgreiche Karriere in der Versicherungswirtschaft zurück und kennt sich aus mit erfolgreichen Bewerbungen. "Wie weit sind Sie denn mit Ihren Vorbereitungen?", fragt er zur Einstimmung. "Wie wählen Sie zum Beispiel Ihr Wunschunternehmen aus?" "Ich habe mich gefragt: Würde es mir Spaß machen, dort zu arbeiten?", antwortet Jeffrey. "Gut!", freut sich Vesper. "Nur Überzeugungstäter brennen für das, was sie tun." Alice erklärt, sie habe sich an bekannten Namen orientiert. "Da müssen Sie mit viel Konkurrenz rechnen", gibt Vesper zu bedenken. "Mit ein wenig Recherche finden Sie auch und gerade im Mittelstand höchst interessante Unternehmen, manchmal sogar Weltmarktführer, und im Gegensatz zu den Großunternehmen sind Sie hier oft viel näher am Gesamtgeschehen und bekommen schnell anspruchsvolle Aufgaben übertragen."

+++Bewerber für einen Beruf sind keine Bittsteller+++

Doch egal ob Konzern oder Kleinbetrieb - "werfen Sie bei der Bewerbung alles in die Waagschale, was Sie vorzuweisen haben", rät der ehrenamtliche Bewerbungscoach. Praktika, Jobs, Auslandsaufenthalte, ein Ehrenamt oder die Trainertätigkeit im Hobbyumfeld gehören aufgelistet. Bei der Rubrik Fremdsprachenkenntnisse rät er zur realistischen Selbsteinschätzung. "Wer 'fließend Englisch' angibt, muss im Vorstellungsgespräch mit der Aufforderung ,Let's go on in English' rechnen." Wer dann ins Stottern komme, mache keinen guten Eindruck - gerade um den gehe es aber. "Wenn Sie im ersten Gespräch einen sympathischen, eloquenten und kompetenten Eindruck machen, haben Sie schon halb gewonnen."

Das klappt auch, wenn man weiß, dass viele Fragen im Vorstellungsgespräch vorhersehbar sind - wie der Klassiker: Warum interessieren Sie sich gerade für unser Unternehmen? Überzeugende Argumente finden sich auf der Unternehmenswebsite. "Oder es kommen Fragen nach dem aktuellen Tagesgeschehen. Verfolgen Sie also die Nachrichten und lesen Sie den Wirtschaftsteil einer guten Tageszeitung."

+++Bewerbungsgespräch: Wenn der Arbeitgeber anruft+++

Im Grunde verfolgen alle Fragen nur ein Ziel: "Ein Personalverantwortlicher möchte Sie als Menschen kennenlernen und Ihre Motivation verstehen." Gern beschließen Personaler deshalb auch das Gespräch mit der Frage: "Warum sollten wir uns gerade für Sie entscheiden?" Nicht jedem liegt Eigenlob, das spiegelt sich in den Gesichtern der Anwesenden. "Doch wer sollte Sie einstellen, wenn Sie nicht selbst von sich überzeugt sind?", fragt Vesper. Alice gibt sich einen Ruck. Sie will mit der Doppelbelastung Studium/Ausbildung argumentieren. "Ich mag Herausforderungen", sagt sie fröhlich. "Es ist doch ein tolles Gefühl, wenn man so richtig jonglieren muss und es dann gelingt. Außerdem sehe und lerne ich gern Neues, je mehr, desto besser." Diese Äußerung hätte eigentlich von dem Weltenbummler Jeffrey kommen müssen. Der hat sich nach seinem Abitur auf eine mehrmonatige Reise gemacht. "Ich war in Asien, Australien, auf den Fidschis, in den USA und auf Island. Ich denke, mit den Erfahrungen, die ich da gemacht habe, kann ich punkten."

Wer sich noch schwertut mit der Selbsteinschätzung, dem rät Vesper, den Familien- und Freundeskreis zu befragen. Die so gewonnenen Erkenntnisse seien auch hilfreich bei der gängigen Frage nach persönlichen Stärken beziehungsweise Schwächen.

Einen pauschalen Weg gebe es bei Bewerbungen allerdings nicht, erklärt Vesper abschließend. "Es geht ja gerade darum, individuell zu überzeugen." Klappt es trotzdem nicht, "lassen Sie sich nicht entmutigen! Sie haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die Sie beim nächsten Mal nutzen können."

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