03.09.12

DIW-Studie

Weibliche Chefs verdienen immer noch weniger

Der Frauenanteil in den Chefetagen ist zwar auf 30 Prozent gestiegen. Verdienstlücke zum männlichen Kollegen beträgt aber 21 Prozent.

Foto: picture-alliance/ dpa/Lehtikuva
Symbolfoto: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Weibliche Führungskräfte verdienten im Durchschnitt 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen

Berlin. Frauen schaffen inzwischen häufiger den Sprung in die Chefetagen der deutschen Privatwirtschaft, müssen sich dort aber immer noch mit deutlich weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen zufrieden geben. Zu diesen Ergebnissen kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am Montag veröffentlichten Studie.

Weibliche Führungskräfte verdienen demnach 21 Prozent weniger. 2001 betrug die Verdienstlücke sogar 30 Prozent. Frauen kommen zudem weit weniger in den Genuss von Sonderleistungen wie Dienstwagen, Handy oder privat nutzbare Computer.

+++ Große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit +++

+++ EU-Kommissarin Reding will gesetzliche Frauenquote +++

Der Frauen-Anteil in den Führungsetagen erhöhte sich zwischen 2001 und 2010 von 22 auf 30 Prozent. Allerdings haben in den großen Unternehmen fast ausschließlich Männer das Sagen. "In den Vorständen der 200 größten Unternehmen waren Frauen Ende 2011 mit einem Anteil von drei Prozent nur eine Randerscheinung", schrieb das DIW.

+++ Frauenquote: Hamburg will 40 Prozent in Aufsichtsräten +++

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums liegt die Frauenquote in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen derzeit bei rund 20 Prozent. Unternehmen – die sich die Frauenförderung zum Ziel gesetzt hätten – kämen auf eine Quote von 25 Prozent, sagte Ministeriumssprecher Christoph Steegmans. EU-Justizkommissarin Viviane Reding dringt auf eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten börsennotierter Konzerne.

nsgesamt waren 2010 knapp vier Millionen angestellte Führungskräfte in der Privatwirtschaft beschäftigt. Männer haben im Schnitt 33, Frauen nur 20 Mitarbeiter unter sich. Bei der Ausbildung sind hingegen kaum Unterschiede festzustellen: 64 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer verfügen über einen Hochschulabschluss. Frauen haben zwar weniger Berufserfahrung - das aber vor allem deshalb, weil sie jünger in Führungspositionen aufrücken.

+++ Dax-Manager: Salär betragt das 54-fache eines Angestellten +++

Jüngere Frauen sind mit 39 Prozent noch relativ häufig an leitender Stelle anzutreffen. "Ob es nachwachsende Generationen künftig besser gelingt, Karriere und Beruf zu vereinbaren und während der Familienphase in einer Führungsposition zu verbleiben, bleibt abzuwarten", sagte DIW-Expertin Elke Holst. Führungspositionen seien meist mit überlangen Arbeitszeiten verbunden, die mit Haus- und Familienarbeit schwer in Einklang zu bringen seien. (Reuters)

Frauenförderung in Unternehmen: Zahlen & Fakten
Zahlen und Fakten zu Frauenförderung in Unternehmen: Die großen Unternehmen in Deutschland holen bei der Frauenförderung auf, wie die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie ermittelte. Doch viele Programme sind relativ neu und zeigen noch kaum Wirkung. Zentrale Ergebnisse der Studie:
Investitionen:
Vier von fünf Unternehmen geben Geld für die Unterstützung von Frauen aus. Entscheidend für den Erfolg ist allerdings nicht das Engagement der Vorstände, sondern vor allem die Bereitwilligkeit der zweiten und dritten Führungsebene. Hier jedoch spielt das Thema Frauenförderung zumeist noch keine Rolle.
Beruf & Familie:
In fast alle größeren Unternehmen (98 Prozent) sind die Arbeitszeiten flexibel und es gibt Möglichkeiten, von Zuhause aus zu arbeiten. Doch besteht eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, denn nur in jedem vierten Unternehmen (28 Prozent) sind die familienfreundlichen Arbeitsbedingungen auch "umfassend umgesetzt". Ähnlich sieht es bei der Kinderbetreuung aus: Die meisten Firmen (89 Prozent) bieten Aufsicht für die Kleinen an – doch wiederum gilt diese Firmenpolitik nur bei wenigen (17 Prozent) als "umfassend umgesetzt".
Führungskräfte:
Auf der Karriereleiter gibt es von Stufe zu Stufe weniger Frauen. Etwa 31 Prozent aller Mitarbeiter in den befragten Großunternehmen sind weiblich, auf der Ebene der Abteilungsleiter sind es nur noch 14 Prozent. Zwar gibt es oft interne Frauenquoten, doch nur gut ein Viertel der Unternehmen erfüllt diese selbstgesteckten Ziele.
Vorstände:
Nur 3 Prozent der Vorstandsposten sind mit Frauen besetzt. Doch beginnt ein langsamer Wandel: Im vergangenen Jahr waren 16 Prozent der neuen Dax-Vorstände Frauen. (dpa)
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