01.09.12Tarifstreit
Fronten zwischen Gewerkschaft Ufo und Lufthansa verhärtet
Ufo fordert fünf Prozent höheres Entgelt und das Ende der Leiharbeit sowie Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa will sparen.
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"Angry birds": Die Lufthansa-Flugbegleiter im Streik - und ein Ende im Tarifstreit ist bislang nicht in Sicht
Frankfurt/Main. Im Tarifstreit bei der Lufthansa ist keine Lösung in Sicht. Sowohl die Gewerkschaft Ufo als auch die Lufthansa erwarteten jeweils von der Gegenseite weitere Schritte. "Der, der auf uns zugehen muss, ist die Gewerkschaft – unser Angebot liegt auf dem Tisch", sagte ein Sprecher der Lufthansa am Samstag in Frankfurt. "Wir haben bislang kein akzeptables Angebot der Lufthansa bekommen – und rechnen auch nicht damit", sagte ein Ufo-Sprecher und drohte mit weiteren Streiks.
+++ Millionenschaden für Lufthansa - nächster Streik in
Aussicht +++
Der Branchenriese Lufthansa wertet sein bestehendes Angebot für die Flugbegleiter als ausreichend, weil es "sehr weitreichende Zusagen zur Sicherheit der Arbeitsplätze" beinhalte, sagte der Sprecher. "Wir sehen im Moment keine Veranlassung, da nachzubessern." Er forderte Ufo auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Die Gewerkschaft bezeichnete unterdessen die Zugeständnisse des Unternehmens als nicht akzeptabel und stellte bundesweite Streiks in Aussicht. "Wir sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit in ganz Deutschland loszulegen", sagte der Ufo-Sprecher. Wann und wo das Kabinenpersonal in den Ausstand treten könnte, ließ er aber offen. "Das kündigen wir sechs Stunden vorher an."
+++ Lufthansa streicht ein Viertel der Flüge +++
Ufo fordert neben fünf Prozent höheren Entgelten auch das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa plant mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken. Die Lufthansa bietet 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen.
Ufo hatte die Lufthansa am Freitag zum ersten Mal für acht Stunden bestreikt – zunächst nur am Frankfurter Flughafen, dem größten Drehkreuz in Deutschland. Dadurch waren aber europaweit Hunderte Flüge ausgefallen, Tausende Passagiere saßen fest. Mehrere hundert Menschen mussten die Nacht auf Feldbetten verbringen.
(dpa)
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)