01.09.12

Flugbegleiter-Streik

Millionenschaden für Lufthansa - nächster Streik in Aussicht

Wann und wo es weitergeht, ließ die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo noch offen. Auch am Sonnabend musste die Lufthansa noch 18 Flüge streichen.

Foto: dpa/DPA
Streiks der Flugbegleiter bei Lufthansa angekündigt
Der Flugbegleiter-Streik kommt die Lufthansa teuer zu stehen

Frankfurt. Der Flugbegleiter-Streik kommt die Lufthansa teuer zu stehen. Das Unternehmen geht von einem Millionenschaden aus. Unternehmenssprecher Michael Lamberty sagte am Sonnabend, genaue Zahlen seien noch nicht bekannt. Die Kosten liefen an verschiedenen Orten auf. Aber durch den Dominoeffekt, den der Streik ausgelöst habe, sei das "eine Größenordnung, die man ansetzen muss".

Auch am Sonnabend musste die Lufthansa noch 18 Flüge streichen, obwohl die Stewards und Stewardessen ihren Ausstand am Rhein-Main-Flughafen am Freitag um 13.00 Uhr beendet hatten. Der nächste Streik könnte bald folgen. Wann und wo es weitergeht, ließ die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo noch offen.

Rund 350 Fluggäste mussten die Nacht zum Samstag im Flughafen auf Feldbetten verbringen. Ursprünglich war sogar von 1000 die Rede gewesen. Diese Fluggäste hatten keine Visa für Deutschland und saßen im Transitbereich des Flughafens fest. "Wir haben sie mit Getränken und Essen versorgt", sagte Lamberty. Andere Passagiere seien in Hotels untergebracht worden.

Wegen des Tarifstreits waren in Deutschland und Europa Hunderte Flüge ausgefallen, Tausende Passagiere saßen fest. Der Arbeitskampf des Bordpersonals wirkte sich auch auf Flughäfen in Europa aus. Die Lufthansa meldete rund 190 Ausfälle.

Die Gewerkschaft hatte die Lufthansa am Freitag zum ersten Mal für acht Stunden bestreikt – zunächst nur am Frankfurter Flughafen. Ufo hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen, dem die Mitglieder schon vorab zugestimmt hatten. Ein Ufo-Sprecher hatte von einem "Riesenerfolg" gesprochen und "sehr bald weitere Streikmaßnahmen" angekündigt. "Und zwar so lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt."

Die Verhandlungen dauern schon 13 Monate. Nach drei Jahren Nullrunden fordert Ufo neben fünf Prozent höheren Entgelten auch das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa plant mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken.

+++Lufthansa-Flugbegleiter beenden ersten Streiktag+++

Der Plan der Gewerkschaft sieht vor, zunächst nur an einzelnen Standorten in Deutschland zu streiken, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Die Hoffnung: Lufthansa soll ein verbessertes Angebot vorlegen. Anderenfalls hatte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies mit einer härteren Gangart gedroht: "Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade."

Die Lufthansa hatte die Gewerkschaft bereits am Freitag aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das von der Airline vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage. Die Lufthansa AG habe 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen angeboten, sagte ein Lufthansasprecher. "Wir denken, das ist eine gute Basis, zu verhandeln."

19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)
(dpa)
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