Schlappe Konjunktur
Ben Bernanke verdeutlicht Fed-Dilemma in Grundsatzrede
US-Notenbankchef sitzt zwischen den Stühlen. Die Märkte fordern ihn zu neuen Maßnahmen gegen die Wirtschaftsflaute auf, konservative Politiker sind dagegen.
Washington. Ben Bernanke ist unter Druck. Auch Jahre nach dem Ende der größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg kommen die USA nicht aus der Wirtschaftsmisere heraus. Je länger die Flaute dauert, desto eindringlicher richtet sich der Blick auf den US-Notenbankchef. Er gilt als Herr über das Waffenarsenal, mit dem die Krise bekämpft werden kann. Doch nach Jahren historisch niedriger Zinsen und mehrfacher milliardenschwerer Anleiheprogramm wächst der Eindruck, als habe die Federal Reserve (Fed) ihre Munition schon verschossen. Mit seiner Rede am Freitag in Jackson Hole versuchte Bernanke, diesen Eindruck zu zerstreuen.
Zwar kündigte Amerikas oberster Notenbanker anders als von den Finanzmärkten erhofft zunächst keine neuen Konjunkturspritzen für die darbende US-Wirtschaft an. Doch er machte eindeutig klar, dass die Fed Gewehr bei Fuß steht. "Wir sollten die weitere Nutzung solcher Maßnahmen nicht ausschließen, wenn die ökonomischen Bedingungen sie erfordern", sagte vor einer illustren Runde aus Zentralbankvertretern und hochrangigen Gästen bei dem jährlichen Symposium in Wyoming. Es war vor allem die Art, wie er die Situation seines Landes umschrieb, die durchblicken ließen, dass er den Finger längst am Abzug hat.
Die Wirtschaftslage sei "weit entfernt von zufriedenstellend", sagte er. Er gebe "tiefe Besorgnis" über die hohe Arbeitslosigkeit, die letztlich zu "strukturelle Schäden für unsere Wirtschaft" führe. Die Herausforderungen seien geradezu "beängstigend", meinte er gar. "Bernanke hat kaum Zweifel daran gelassen, dass er bereit ist zu handeln", kommentierte das Wirtschaftsblatt "The Wall Street Journal". Bereits in gut zwei Wochen könne eine konkrete Ankündigung folgen, wenn sich der Fed-Offenmarktausschuss sich zu seiner nächsten Zinssitzung trifft. So ähnlich war es vor zwei Jahren, als Bernanke an gleicher Stelle vor vage den Weg für neue Anleihekäufe freimachte.
Die Frage ist allerdings, was die Fed eigentlich noch tun kann. Die Zinsen hatte sie bereits während der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise im Dezember 2008 auf die beispiellose Spanne zwischen 0,0 und 0,25 Prozent gedrückt. Vor 2015 soll dieser Satz nicht angehoben werden. Der laufende Anleiheaustausch ("Operation Twist"), durch den die Zentralbank ihr Portfolio umschichtet und damit auch langfristige Zinsen drückt, ist auch schon bis zum Jahresende verlängert worden. Und eine dritte Runde massiver Anleihekäufe ist umstritten, da sie laut Experten die Stabilität der Finanzmärkte beeinträchtigen könnte.
Hinzu kommt, dass Bernanke weiteren Maßnahmen selbst nicht allzu enthusiastisch gegenüber steht. Ausführlich wies er in seiner Rede auch auf die Gefahren hin, den Markt weiter mit billigem Geld zu fluten. Die "Kosten" ließen sich zwar beherrschen, sagte er. Auch könne man die positiven Wirkungen der ungewöhnlich expansiven Geldpolitik nachweisen. Doch könne eine unendliche Serie von Eingriffen "das öffentliche Vertrauen in die Fed beeinträchtigen", warnte er. Diese vorsichtigen Äußerungen dürften auch den Druck widerspiegeln, den vor allem republikanische Politiker auf Bernanke ausüben. Sie fordern ihn auf, keine weiteren Programme aufzulegen.

















