31.08.12

Frankfurter Flughafen

Lufthansa-Flugbegleiter beenden ersten Streiktag

Dieser Ausstand zeigt Wirkung: Im Tarifstreit mit der Lufthansa haben die Flugbegleiter erstmals gestreikt und für Chaos am Flughafen Frankfurt gesorgt.

Foto: dapd
Acht Stunden haben Stewards und Stewardessen der Lufthansa am Freitag gestreikt. Reisende haben das zu spüren bekommen. In Frankfurt am Main blieben viele Flieger am Boden
Acht Stunden haben Stewards und Stewardessen der Lufthansa am Freitag gestreikt. Reisende haben das zu spüren bekommen. In Frankfurt am Main blieben viele Flieger am Boden

Frankfurt/Main. Für tausende Passagiere aus aller Welt war am Freitag am Frankfurter Flughafen Endstation: Um 05.00 Uhr morgens haben die Flugbegleiter der Lufthansa ihren ersten Streiktag begonnen. Acht lange Stunden ging für viele Kunden nichts mehr an Deutschlands größtem Drehkreuz: An den Schaltern bildeten sich lange Schlangen, die Gates waren voll, reihenweise blieben Maschinen am Boden. Der nächste Streik könnte schon bald folgen. Wann und wo es genau weitergeht, blieb zunächst offen.

Der Flughafenbetreiber Fraport stoppte vorübergehend den Start aller Maschinen aus Europa mit Ziel Frankfurt. Damit wirkte sich der Arbeitskampf des Bordpersonals kurz vor dem Wochenende auf Flughäfen auf dem ganzen Kontinent und auch auf andere Airlines aus – und er stürzte Deutschlands größten Flughafen ins Chaos.

Ein Ufo-Sprecher sagte: "Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein." Die Lage an den deutschen Flughäfen dürfte sich nur vorübergehend entspannen. "Es werden sehr bald weitere Streikmaßnahmen stattfinden. Und zwar so lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt", sagte der Ufo-Sprecher.

+++ Europa-Flieger dürfen nicht mehr nach Frankfurt starten +++

Während die Auswirkungen am Freitag in München, Düsseldorf und Berlin-Tegel weitgehend überschaubar blieben, strandeten Zehntausende am größten deutsche Airport. Die Lufthansa meldete rund 190 Stornierungen – das ist mehr als jeder zweite der 360 Lufthansa-Flüge, die im Streikzeitraum von 05.00 bis 13.00 Uhr auf dem Flugplan in Frankfurt standen. Auf diese Maschinen von und nach Frankfurt waren 26 000 Passagiere gebucht. "Wir hoffen, dass es am Wochenende ruhig bleibt, aber wir haben noch keine Signale von der Ufo bekommen", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Die Gewerkschaft hatte angekündigt, zunächst nur an einzelnen Standorten in Deutschland zu streiken, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Die Hoffnung: Lufthansa soll ein verbessertes Angebot vorlegen. Anderenfalls will Gewerkschaftschef Nicoley Baublies eine härtere Gangart einlegen: "Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade."

Die Lufthansa räumte am Freitag ein: "Ein Großteil der Kurz- und Mittelstreckenflüge fielen aus, vereinzelt auch Langstreckenflüge." Bei den Interkontinentalflügen habe man vor allem Strecken in die USA storniert, weil die Lufthansa dort täglich eine ganze Reihe an Verbindungen habe und die Kunden deshalb leichter umbuchen können.

Schon am Vormittag hatte ein Ufo-Sprecher gejubelt: "Hier am Flughafen herrscht Chaos. Sie wissen nicht mehr, wohin mit den Fliegern. Im Moment fallen alle Flüge aus."

+++ Lufthansa in Frankfurt bestreikt – Ufo ist zufrieden +++

Ganz so dramatisch schilderte der Flughafenbetreiber die Lage zwar nicht. Trotzdem musste Fraport auf die Bremse treten: Weil gestrandete Maschinen die Gates blockierten, durften für gut 90 Minuten von keinem europäischen Flughafen mehr Maschinen mit Zielort Frankfurt abheben – unabhängig von der Fluggesellschaft. Maschinen, die bereits in der Luft waren, konnten den Airport weiter ansteuern, auch Interkontinentalflüge waren von dem Stopp ausgenommen. Gegen Mittag entspannte sich die Lage etwas, das Verbot wurde schrittweise gelockert, sagte ein Fraport-Sprecher.

Die Lufthansa forderte die Gewerkschaft angesichts des Streiks auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das von der Airline vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Frankfurter Flughafen. Im Sender n-tv sagte Walther: "Wir haben Top-Flugbegleiter, die sind besser als die Flugbegleiter anderer Airlines, deshalb verdienen sie auch mehr." Die Lufthansa AG habe 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen angeboten: "Wir denken, das ist eine gute Basis, zu verhandeln."

Ohnehin hat das Unternehmen für die Forderungen der Gewerkschaft wenig Verständnis: "Die Lufthansa ist kein Unternehmen, das so bombig dasteht", erklärte ein Sprecher. Passage-Vorstand Peter Gerber betonte am Freitag in der Mitarbeiterzeitschrift "Lufthanseat": "Angesichts der schwierigen Wettbewerbslage brauchen wir einen Beitrag von allen Beschäftigen."

Die Gewerkschaft, die nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa organisiert, hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen. Ufo hatte neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und den Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken.

19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)
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