31.08.12Warenhauskette
Karstadt will ab Oktober 2000 Stellen streichen
Am Freitag ist der Sanierungsvertrag ausgelaufen. Verdi: Wegen Teilzeitstellen könnten sogar bis zu 3000 Menschen ihren Job verlieren.
Foto: dpa/DPA
Jahrelang haben rund 25.000 Karstadt-Mitarbeiter im Zuge der Sanierung auf Urlaubsgeld und andere Leistungen verzichtet. Nun droht der Abbau von Jobs, da der Sanierungstarifvertrag ausgelaufen ist
Essen. Der Essener Warenhauskonzern Karstadt steht nach dem Auslaufen seines Sanierungstarifvertrages vor einem spürbaren Personalabbau. Für die geplante Streichung von 2000 Vollzeitstellen beginnen Mitte Oktober die Gespräche mit den Betroffenen, wie ein Firmensprecher sagte.
Es würden alle Mittel für ein sozialverträgliches Ausscheiden wie Frühverrentung, natürliche Fluktuation oder Abfindungen genutzt. Zur Forderung der Gewerkschaft Verdi, auf betriebsbedingte Kündigungen ganz zu verzichten, äußerte sich das Unternehmen weiter nicht. Karstadt spricht von einem "primär sozialverträglichen" Prozess bis Mitte 2014.
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Mit dem Sanierungstarifvertrag, der am Freitag (31. August) ausläuft, hatten die rund 25.000 Beschäftigten jahrelang auf das Urlaubsgeld, einen Großteil des Weihnachtsgeldes und weitere tarifliche Leistungen verzichtet. Verdi beziffert den Entgeltverzicht auf knapp 150 Millionen Euro in drei Jahren. Der Karstadt-Sprecher sprach von rund 8 Prozent der Bezüge. Mit dem jahrelangen Verzicht auf das Geld hätten die Beschäftigten einen wichtigen Beitrag zur Sanierung geleistet. Ab sofort bekämen sie wieder mehr. "Das ist uneingeschränkt eine gute Nachricht", sagte der Karstadt-Sprecher.
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Wegen des hohen Teilzeitanteils im Unternehmen befürchtet Verdi, dass mit dem Abbau von 2000 Vollzeitstellen bis zu 3000 Menschen ihre Jobs verlieren könnten. Der Karstadt-Sprecher sagte aber, dass der Konzernumbau sich keineswegs mit dem Stellenabbau erschöpfe. Es seien bereits 24 Häuser teils sehr aufwendig modernisiert worden. Über 50 neue Marken seien ins Sortiment aufgenommen worden, und Karstadt modernisiere auch hinter den Kulissen. Der Konzern führt 89 Warenhäuser und 28 – ab Oktober 29 – Sporthäuser.
Die Warenhauskette war von Investor Nicolas Berggruen vor zwei Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen worden. Seitdem seien bereits rund 160 Millionen Euro in die Modernisierung investiert worden, sagte der Karstadt-Sprecher. (dpa)
Karstadt seit Jahren in der Krise – eine Chronologie
Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Den Wendepunkt brachte im Juni 2010 das Einspringen des Investors Nicolas Berggruen. Jetzt steht ein Stellenabbau an.
1. September 2009: Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH – wird das Insolvenzverfahren eröffnet.
1. Dezember 2009: Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.
15. März 2010: Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt.
12. April: 2010 Die Gläubiger stimmen dem Plan zu.
23. April 2010: Der Finanzinvestor Triton bietet für Karstadt.
21. Mai 2010: Auch die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holdings will Karstadt übernehmen.
28. Mai 2010: Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt.
31. Mai 2010: Das Gericht verschiebt den Termin zur Annahme des Insolvenzplans auf den 10. Juni. Er wird noch mehrmals verschoben.
1. Juni 2010: Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.
3. Juni 2010: Der Handelskonzern Metro bekräftigt sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.
7. Juni 2010: Berggruen erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag. Einen Tag später unterschreibt er den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert von Highstreet deutliche Mietsenkungen.
14. Juni 2010: Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis.
20. Juni 2010: Berggruen lehnt ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.
26. August 2010: Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.
2. September 2010: Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.
30. September 2010: Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.
23. November 2010: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und startet Anfang Januar 2011.
6. Juli 2011: Jennings legt das Konzept "Karstadt 2015" vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.
16. Juli 2012: Karstadt will bis Ende 2014 rund 2000 der 25.000 Stellen streichen. (dpa)
Die Karstadt AG geht auf eine Geschäftsgründung von Rudolph Karstadt 1881 in Wismar zurück.
Die Warenhauskette betreibt aktuell 86 Waren- und 26 Sporthäuser und das Internetportal Karstadt.de.
Das Unternehmen beschäftigt rund 25 000 Mitarbeiter.
Etwa 1,5 Millionen Menschen besuchen nach Firmenangaben täglich die Filialen des Konzerns.
Zum Portfolio gehört unter anderem das weltbekannte Kaufhaus des Westens (KaDeWe), eines der größten europäischen Kaufhäuser überhaupt.
Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt in die Insolvenz gerutscht.
Den Wendepunkt brachte im Juni 2010 das Einspringen des Investors Nicolas Berggruen.
Seitdem ist die Kette auf einem schwierigen Sanierungsweg.
Der Umbau könne vier bis fünf Jahre oder auch länger dauern.
"Es wird ein Marathon, kein Sprint", hatte Karstadt-Chef Andrew Jennings Anfang Februar der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. (dpa)