30.08.12

Girocards

Sicherheitsabfrage nur noch über Chip

Karte durchziehen, unterschreiben: Die Zahlungsprozedur gehört in Deutschland bald der Vergangenheit an. Neue Girocards setzt auf Chip.

Foto: picture-alliance / dpa
"Electronic Cash" findet immer größere Akzeptanz
Noch im laufenden Jahr sollen sieben Millionen Sparkassen-Kunden die neuen Karten erhalten

Berlin. Sparkassen und Banken werden in Zukunft nur noch Girocards mit Chips herausgeben. Noch in diesem Jahr sollten sieben Millionen Sparkassen-Kunden die neuen Karten erhalten, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband am Donnerstag in Berlin mit. Bei den Karten der neuen Generation erfolgt die Sicherheitsüberprüfung an Geldautomaten dann nur noch über den Chip. Der Datenabgleich über Magnetstreifen entfällt.

Der neue Chip enthalte alle notwendigen Sicherheitsinformationen, der Magnetstreifen werde nur noch im Ausland gebraucht, etwa in den USA, sagte Wolfgang Adamiok, beim Sparkassenverband für die Kartensysteme zuständig. Weil die Karte nicht mehr durch den Leser gezogen werden muss, bleibe sie auch länger haltbar. Nach den Sparkassen sollen auch die Banken im kommenden Jahr mit Karten neuen Typs nachziehen.

Händler, die bei Kartenzahlungen noch auf die Unterschrift statt auf Eingabe der PIN-Nummer setzen, können vereinzelt Probleme bekommen, wenn sie ihre Software nicht rechtzeitig aktualisieren. Der Handelsverband Deutschland und der Sparkassenverband sehen hier die Betreiber der Datennetze und die Aufsteller der Endgeräte in der Pflicht. Die Verbände empfehlen den Kunden deshalb, die neue Girocard erst ab Dezember 2012 einzusetzen. Insgesamt gibt es in Deutschland 90 Millionen Girocards, etwa die Hälfte davon wird von den Sparkassen ausgegeben.

Der Chip bietet nach Angaben von Adamiok mehr Sicherheit als der veraltete Magnetstreifen. Über den Streifen wurde in der Vergangenheit am Geldautomaten geprüft, ob es die sich um eine echte Karte und nicht um eine gefälschte Kopie handelt. Bereits 2001 hatte sich abgezeichnet, dass mit der Einführung des Chip-Standards die Tage des Magnetstreifens gezählt sind.

Schwierigkeiten könnte es eventuell in jenen Geschäften geben, die bisher noch kein Software-Update für ihr Kassen-Terminal vorgenommen haben. Banken und Sparkassen gehen aber davon aus, dass diese Terminals noch bis Jahresende umgestellt werden.

Betroffen von Problemen könnten Geschäfte sein, die ihren Zahlungsverkehr mit den Kunden noch ausschließlich über das sogenannte ELV-Offline-Verfahren abwickeln. Dabei wird aus den Käuferdaten auf dem Magnetstreifen eine Lastschrift erzeugt, die dann beim Zentralrechner des Netzbetreibers abgeglichen wird. ELV-online-Verfahren und electronic-cash sind nicht betroffen. Bei System electronic-cash, das von den Banken und Sparkassen betrieben wird, ist eine PIN-Nummer vorgeschrieben, der Händler erhält eine Zahlungsgarantie. (dpa)

So schützen Sie Ihre Kreditkarte
Wie verbreitet ist der Datendiebstahl durch Betrüger?
Das Abgreifen von Daten und der Betrug mit Kreditkarten- und Kontoinformationen ist einer der am stärksten wachsenden Kriminalitätszweige. Das Bundeskriminalamt verzeichnete 2009 einen drastischen Anstieg auf 22.963 Fälle von Computerbetrug, 35 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Betrug mit illegal erlangten Zahlungsdaten nahm demnach um 6,1 Prozent auf 70.918 Fälle zu. Kreditkarten-Informationen seien längst eine "Handelsware im Internet", sagt Nora Basting vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
Kann man sich überhaupt davor schützen, dass die eigenen Daten gestohlen werden?
Der Verbraucher kann vorbeugend nichts tun, außer grundsätzlich möglichst sparsam mit seinen persönlichen Daten umzugehen. Wer im Internet Dinge kauft, muss darauf vertrauen, dass der Händler oder Anbieter sorgsam mit den Informationen umgeht. Wer einen Internet-Shop dubios findet, sollte von einem Kauf besser absehen.
Was kann man grundsätzlich tun?
Der Datendiebstahl beim Elektronikriesen Sony im April 2011 zeigt, dass Informationen nirgends vollkommen sicher aufgehoben sind. BSI-Expertin Basting rät Nutzern deshalb, nur so viele Daten zu hinterlassen wie unbedingt nötig.
"Wir raten nicht grundsätzlich davon ab, Kreditkartendaten anzugeben", sagt sie. Vorsicht sei bei Passwörtern angebracht: Selbstverständlich solle man nicht ein und dasselbe Passwort überall benutzen – sonst kann sich ein Hacker viel zu schnell Zugang zu den unterschiedlichsten Internetdiensten verschaffen.
Thomas Schlüter, Sprecher des Zentralen Kreditausschusses, erklärt: "Kreditkartenabrechnungen sollte man sehr genau prüfen." Bei verdächtigen Abbuchungen sollten sich Kunden sofort mit ihrer Bank in Verbindung setzen.
Wer muss zahlen, wenn ein Betrüger mit gestohlenen Kreditkartendaten einkauft?
Der Kunde kann aufatmen. "Für Schäden aus möglichen Manipulationen muss er nicht haften", sagt Schlüter. Die Kosten übernehme die Bank.
Was tun die Unternehmen zum Schutz vor Missbrauch der Daten?
Unternehmen können den Kreditkartenfirmen melden, wenn sie wissen, dass ihnen Kundendaten abhandengekommen sind. Die Information wird dann an die Banken weitergeleitet. Die muss dann entscheiden, ob sie die Karte sperrt und austauscht oder erst einmal unter besondere Beobachtung stellt.
Generell überwachen die Kreditkartenfirmen den Zahlungsverkehr. Wer erst in Berlin und kurz darauf in Kanada etwas mit ein und derselben Karte bezahlt, könne schon mal einen Anruf vom Kundencenter bekommen, um zu klären, ob alles mit rechten Dingen zugeht, sagt Schlüter.
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