29.08.12

Flugbegleiter-Streik

Lufthansa bereitet sich vor – Fluggäste sind verunsichert

Auf ein konkretes Startdatum für die Streiks wollte sich die Gewerkschaft Ufo ausdrücklich nicht festlegen. Die Passagiere reagieren verunsichert.

Foto: dapd/DAPD
Lufthansa-Kabinenpersonal plant Streik an allen deutschen Standorten
Nicoley Baublies, Chef der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), will noch keinen konkreten Starttermin für den Streik der 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter nennen

Berlin. Warteschleife vor dem Streik: Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat Tausende Lufthansa-Passagiere am Mittwoch weiter im Unklaren darüber gelassen, ob sie in den nächsten Tagen pünktlich ins Flugzeug steigen können. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen müssen sie bundesweit mit mehrstündigen Arbeitsniederlegungen rechnen, wie Ufo-Vorsitzender Nicoley Baublies in Rundfunkinterviews bekräftigte. Auf ein konkretes Startdatum für die Streiks wollte sich die Gewerkschaft ausdrücklich nicht festlegen. Offen sei auch, ob überhaupt bereits am Donnerstag gestreikt werde. "Wir haben nur angekündigt, dass ein Streik nicht vor morgen kommt", betonte Baublies am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Ufo stellt sich offensichtlich auf einen längeren Arbeitskampf ein. "Wir werden in den nächsten ein bis zwei Wochen nicht flächendeckend agieren", sagte der Ufo-Chef. Stattdessen würden zunächst immer nur "ein bis zwei Stationierungsorte von Flugpersonal" von Streiks betroffen sein. Eine konkrete Streik-Ankündigung werde es aber frühestens am (heutigen) Mittwoch Abend geben, sagte er. Die Flugbegleitergewerkschaft hatte am Dienstag die Tarifrunde mit der Lufthansa für gescheitert erklärt und über 18.000 Flugbegleiter zum Streik aufgerufen.

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Die Umsetzung dieses Aufrufs und könnte nach Ansicht des Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die relativ kleine Spartengewerkschaft UFO vor eine große organisatorische Herausforderung stellen. Schließlich, so betonten die IW-Experten, wäre dies der erste regulären Streik der Lufthansa-Flugbegleiter. "Während die Piloten reichlich streikerprobt sind und ein hohes Drohpotenzial entfalten, steht den Flugbegleitern ihre Bewährungsprobe erst noch bevor", heißt es aus dem Institut.

Bewährungsprobe für UFO erwartet

Theoretisch haben nach Ansicht der Ökonomen aber die Flugbegleiter "dasselbe Streikpotenzial" wie die Piloten, deren Gewerkschaft Cockpit in der Vergangenheit mehrfach, zuletzt im Frühjahr 2010, durch Streiks für Chaos im deutschen Flugverkehr gesorgt hatte. Auch der Tarifkonflikt der Vorfeldlotsen bei der Flugsicherung im vergangenen Winter habe gezeigt, "dass ein Arbeitskampf ins Leere läuft, wenn Streikende durch Streikbrecher ersetzt werden können".

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+++ Ufo-Chef nennt noch keinen konkreten Streiktermin +++

Dass der Einsatz von Leiharbeitern geplant sei, um mögliche Streikfolgen wie massenhafte Flugannullierungen zu mildern, wollte eine Lufthansa-Sprecherin am Mittwoch nicht bestätigen. "Wir bereiten uns vor", hieß es von Deutschlands größter Airline, die nach eigener Angabe 1.800 Flüge pro Tag durchführt.

Zwar mache es die zögerliche Kommunikationspolitik von Ufo nicht leichter, sich auf mögliche Streiks einzustellen. Allerdings habe die Airline in der Vergangenheit gezeigt, dass sie "schnell auf mögliche außerplanmäßige Ereignisse reagieren können", sagte die Sprecherin. Verunsicherten Passagieren rät die Airline, auf der Internetseite der Fluggesellschaft den aktuellen Status ihres Fluges zu überprüfen. Von Flugausfällen Betroffene würden "nach Möglichkeit" per SMS oder E-Mail informiert.

Ein Ausweg aus der Warteschleife ist für die Lufthansa-Passagiere vorerst nicht in Sicht. "Da tut sich gar nichts im Moment", sagte Ufo-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang. Zwar müsse mittelfristig im Interesse der Fluggäste ein Ausweg aus der verhärteten Tarifauseinandersetzung gefunden werden. "Jetzt sind wir aber erst mal in einem anderen Modus", sagte Vogelsang. "Das wird sich kurzfristig auch nicht ändern", fügte er hinzu.

19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa Classic
Bei der Lufthansa Passage betreuen rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere.
Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage.
Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.
Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen.
Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.
Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein "angemessenes Körpergewicht", wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (dpa)
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Lufthansa steckt in den roten Zahlen
Die Lufthansa fliegt derzeit wie die meisten europäischen Konkurrenten rote Zahlen ein.
Im ersten Halbjahr 2012 blieb trotz einer deutlichen Erholung im zweiten Quartal ein operativer Verlust von 20 Millionen Euro (2011: plus 114 Mio).
Grund sind unter anderem die erneut gestiegenen Treibstoffpreise in Verbindung mit dem schwachen Euro, der den Einkauf des Kerosin in US-Dollar verteuert.
Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro zu. Europäische Billigflieger und Konkurrenten aus Asien drücken zudem auf die Gewinnmargen bei den Tickets.
Die Aussichten sind nicht rosig: Das Wachstum bei den Buchungen lasse auch wegen der wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa nach, hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer kürzlich berichtet.
Aktuell reagiert die Gesellschaft auf die schwächelnde Nachfrage mit einem ausgedünnten Flugplan.
Zur nachhaltigen Ergebnissteigerung hat Lufthansa das Sparprogramm Score aufgelegt, das im Jahr 1,5 Milliarden Euro bringen soll. 3500 von rund 120.000 Jobs weltweit werden gestrichen, Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.
Lufthansa muss zudem Milliardeninvestitionen für neue Flugzeuge finanzieren. (dpa)
Lufthansa gehört überwiegend Deutschen
Die Deutsche Lufthansa AG gehört zu mehr als zwei Dritteln tatsächlich Deutschen.
Das geht aus der zuletzt am 2. April veröffentlichen Eigentümerstruktur des DAX-Konzerns hervor.
Danach gehörten 67,8 Prozent der 457 937 572 Stückaktien natürlichen oder juristischen Personen aus Deutschland.
Es folgt Luxemburg mit 9,8 Prozent vor den USA mit 8,1 Prozent und Großbritannien mit 3,2 Prozent.
Auf die übrigen Länder entfallen zusammen 11,1 Prozent.
Größte Einzeleigentümer sind der Finanzinvestor Black Rock und die Fondsgesellschaft Templeton Global Advisors mit jeweils rund 5 Prozent.
Lufthansa hat rund 352 000 Aktionäre.
Der Vorstand hat der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2011 eine Dividende von 25 Euro-Cent pro Aktie empfohlen.
Im Jahr zuvor waren es 60 Cent, 2009 gingen die Eigner leer aus. 2008 gab es 70 Cent. (dpa)
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