29.08.12

DIW-Prognose

Wirtschaftswachstum schwächelt – Jobabbau erwartet

Forscher sehen nur ein BIP-Plus von 0,2 Prozent. Gefahr von Kurzarbeit und Jobabbau in Industrie, Arbeitsmarkt bleibt insgesamt aber gut.

Von abendblatt.de
Foto: dapd/DAPD
Opel weist Bericht ueber radikalen Stellenabbau heftig zurueck
Das DIW erwartet in Teilen der Industrie Kurzarbeit und Stelleabbau: So schickt Opel seine Mitarbeiter von September an in Kurzarbeit

Berlin. Die Experten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sehen die Konjunktur in Deutschland zunehmend von der Euro-Krise belastet. "Die Exporte haben sich zwar bislang gut gehalten. Vieles spricht aber für eine Abkühlung der Auslandsnachfrage", teilte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin mit. Nicht nur der Euroraum gleite tiefer in die Rezession, auch die übrige Weltkonjunktur laufe schwächer als erwartet, sagte er.

Das DIW-Konjunkturbarometer für August erwartet im dritten Quartal in der Bundesrepublik nur noch 0,2 Prozent Wachstum. Im Juli waren die Wirtschaftsforscher noch von 0,3 Prozent Wachstum im dritten Vierteljahr ausgegangen.

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Das DIW erwartet in Teilen der Industrie Kurzarbeit und Rückgänge der Beschäftigung. "Hier dürften teilweise sogar Kurzarbeit und Rückgänge bei der Beschäftigung anstehen", sagte DIW-Deutschlandexperte Simon Junker.

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So schickt der Autobauer Opel ab Anfang September fast 10.000 Mitarbeiter in Rüsselsheim und Kaiserslautern tageweise in Zwangspause. Auch der Zulieferer Schaeffler schließt Kurzarbeit nicht aus. Wegen schwacher Nachfrage fährt der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp bereits seit Anfang August Kurzarbeit.

Das DIW rechnet deshalb für die nächsten sechs Monate mit einem Rückgang der Beschäftigung in Deutschland, vor allem in exportabhängigen Branchen. Auch die Investitionen seien wegen sinkender Absatzchancen vorerst rückläufig.

Mit dem Jahreswechsel sollten diese Unternehmen dann aber davon profitieren, dass sich die Weltwirtschaft stabilisiere. Sie dürften im Verlauf des nächsten Jahres wieder stärker das günstige Finanzierungsumfeld für Investitionen nutzen, teilte das Institut mit.

Insgesamt bleibe die Lage auf dem Arbeitsmarkt gut. Der Konsum im Inland werde die Konjunktur anschieben, weil die Löhne nach DIW-Erwartung kräftig anziehen. Vom Jahreswechsel an werde sich auch die Weltwirtschaft wieder stabilisieren.

Mit Material von dpa/dapd/Reuters

Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Keine andere Wirtschaftskennziffer findet so viel Aufmerksamkeit: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als wichtigster Gradmesser für die Leistung einer Volkswirtschaft.
Es umfasst den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum innerhalb der Landesgrenzen produziert werden.
Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Verteilung des Wohlstandes oder ökologische Nachhaltigkeit spielen dabei jedoch keine Rolle.
Forscher in aller Welt versuchen daher, einen alternativen Indikator für Wohlstand zu entwickeln, um zu einer Neudefinition von Lebensqualität zu kommen. (dpa)
Was der Exportnation Deutschland zu schaffen macht
Was der Exportnation Deutschland zu schaffen macht
Schuldenkrise und schwächelnde Weltkonjunktur belasten die deutsche Wirtschaft immer stärker. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sackte im Juni auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren ab. Hauptgrund dafür: Die Industrie schraubte ihre Exporterwartungen deutlich zurück, weil es in der Weltwirtschaft so laut knirscht wie während der Finanzkrise 2009 nicht mehr.
Selbst in boomenden Schwellenländern wie China läuft es nicht mehr rund. Ein Überblick über Lage und Aussichten wichtiger Handelspartner:
USA:
Trotz Nullzinspolitik und gigantischer Finanzspritzen durch die Notenbank Fed stockt der Aufschwung. Die Fed nahm diese Woche ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,75 auf 2,1 Prozent zurück. Schon im ersten Quartal war der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Welt die Puste ausgegangen. Sie wuchs nur noch um 1,9 Prozent, nachdem es Ende 2011 noch drei Prozent waren.
Für das Frühjahr deutet sich eine erneute Abschwächung ab: Im Mai wurden nur noch 69.000 Stellen geschaffen – so wenige wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,2 Prozent. Damit droht der private Konsum als Konjunkturmotor auszufallen. Etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung der USA hängen von den Konsumausgaben ab. Die Vereinigten Staaten gehören zu den Hauptkunden des Export-Vizeweltmeisters Deutschland.
China:
Auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mehren sich die Anzeichen für eine spürbare Konjunkturabkühlung. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juni auf ein Sieben-Monats-Tief. Dem Exportweltmeister setzt die Krise in seinem wichtigsten Absatzmarkt Europa zu.
Für das Gesamtjahr sagen Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999. Für zahlreiche deutsche Unternehmen ist China inzwischen der wichtigste Kunde, etwa für Volkswagen und Porsche.
Eurozone:
Das größte Sorgenkind der Weltwirtschaft ist die Europäische Währungsunion, deren Fortbestand wegen der Krise in Griechenland und anderen Ländern infrage gestellt wird. Wirtschaftlich liegt die Eurozone am Boden. Italien und Spanien stecken in der Rezession, von Griechenland ganz zu schweigen.
Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie nie zuvor. 17,4 Millionen Menschen sind derzeit ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von elf Prozent entspricht. Rasche Besserung ist nicht in Sicht, weil die Industrie der Euro-Länder immer tiefer in die Krise schlittert: Ihr Einkaufsmanagerindex verharrte im Juni auf den schlechtesten Wert seit drei Jahren.
Die EU-Kommission befürchtet, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 Prozent fallen wird. Knapp 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Währungsunion.
Russland:
Einer der am schnellsten wachsenden deutschen Auslandsmärkte gerät durch den Verfall der Rohstoffpreise unter Druck. Der Preis für Öl – dem wichtigsten Exportschlager Russlands – fiel klar unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Bleibt das so, fehlen dem industriell unterentwickelten Land viele Milliarden.
Der Rubel fiel deshalb zeitweise auf den tiefsten Stand seit drei Jahren, was wiederum Importe merklich verteuert. Das sind schlechte Nachrichten für die deutschen Exporteure, die ihren Umsatz in Russland 2011 um fast ein Drittel steigerten.
Indien:
Das aufstrebende Schwellenland ist im ersten Quartal so langsam gewachsen wie seit neun Jahren nicht mehr. Von Januar bis März legte das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.
In den Jahren vor der Finanzkrise hatte Indien noch mit Wachstumsraten von mehr als neun Prozent geglänzt und sich ein Wettrennen mit China um das am schnellsten aufholende Schwellenland geliefert. Sorge bereitet vor allem das verarbeitende Gewerbe, das sogar um 0,3 Prozent schrumpfte.
Der Industrie macht die schwache Währung zu schaffen, die Importe verteuert. Die Zentralbank versucht, die Inflation mit hohen Zinsen zu dämpfen. Dadurch werden aber auch Kredite teurer, was Investitionen und Konsum belastet.
Brasilien:
Neben China und Indien schwächelt mit Brasilien auch das dritte große Schwellenland. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal mit 0,2 Prozent zum Vorquartal nur halb so stark zu wie erwartet. Ökonomen gehen davon aus, dass die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt 2012 erneut um weniger als drei Prozent wachsen wird.
Zum Vergleich: 2010 waren es noch 7,5 Prozent. Dem Land zu schaffen machen die noch immer schlechte Infrastruktur, eine überbewertete Währung und schlecht ausgebildete, aber vergleichsweise teure Arbeitskräfte. (Reuters)
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