27.08.12Kraftstoff
Spritpreise erreichen neue Höchstwerte
Autofahrer müssen weiter tief in die Tasche greifen. Diesel zieht an – Tropensturm lässt Ölpreis steigen. Preise zu hoch, so der ADAC.
Foto: dpa/DPA
Spritpreise bleiben auf Rekordniveau – zudem treibt der drohende Tropensturm "Isaac" die Ölpreise
Hamburg/München.
Das
Kostendrama für Autofahrer
an deutschen Tankstellen nimmt kein Ende – eine finanzielle Entlastung ist nicht Sicht: In den vergangenen Tagen zog vor allem der Dieselpreis kräftig an und erreichte laut ADAC mit 1,554 Euro pro Liter eine neue Rekordhöhe.
Ein Liter Super E10 kostete am Sonntag (26. August) 1,691 Euro, das klassische E5 lag weiter deutlich über 1,70 Euro. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Oktober kostete im Mittagshandel 114,87 US-Dollar – 1,28 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,00 Dollar auf 97,15 Dollar.
+++ Neue Rekordpreise an den Tankstellen +++
+++ Warum das Tanken wieder teurer wird +++
Am Ölmarkt beobachten die Händler sehr genau die Wetterlage im Golf von Mexiko: Ein
Tropensturm "Isaac"
zieht von Kuba Richtung USA und bedroht damit die Förderanlagen im Golf. Die Ölförderung im Golf von Mexiko wurde wegen des drohenden Sturms eingeschränkt. Nach Angaben der Commerzbank befinden sich dort 23 Prozent der US-Ölproduktion und knapp die Hälfte der US-Raffineriekapazitäten. Zudem legte ein Feuer in Venezuela Teile der zweitgrößten Raffinerie der Welt lahm.
"Die Preise sind zu hoch", sagte eine ADAC-Sprecherin. Sie rät Autofahrern, die Preise in ihrem Umfeld zu vergleichen "und dann sollten sie zuschlagen, auch wenn der Tank noch halb voll ist". Die gewohnte Entwicklung mit niedrigeren Preisen zum Wochenstart und höheren zum Wochenende gebe es nicht mehr: "Der Rhythmus ist weg."
Mit Material von dpa/dapd
Benzinpreise ändern sich mehrmals täglich
Benzinpreise sind nicht einfach zu vergleichen. Kostet der Liter Super E10 bei Aral an der Ausfallstraße etwa 1,68 Euro, so kann er im Stadtzentrum bei Shell günstiger oder teurer sein.
Dazu wechselt der Preis zum Teil mehrmals täglich um etliche Cent nach oben oder unten. Für die Branche ist das ein Zeichen für den funktionierenden, wenngleich scharfen Wettbewerb unter den Anbietern.
Denn pro Liter verdienten die Tankstellen kaum etwas. Sinke die Nachfrage dann noch, mache sich das schnell in der Kasse bemerkbar.
Viele Politiker sehen in den Bewegungen eher eine verdeckte Absprache bei der Preisbildung. Die fehlende Übersicht erschwere zudem die Vergleichbarkeit und mache es dem Autofahrer schwer, die günstigste Tankstelle ausfindig zu machen.
In Westaustralien versucht der Staat mit einem Meldesystem den Preis zu kontrollieren. Dort müssen die Anbieter die Veränderungen vorher bekannt geben, im Internet veröffentlichen und dürfen die Preise 24 Stunden lang nicht verändern.
In Österreich darf der Preis nur einmal am Tag erhöht werden.
Doch nicht zuletzt der ADAC befürchtet, dass ein solches System keineswegs zu niedrigeren Preisen führt. Um nicht zu knapp zu kalkulieren, könnten die Anbieter den Preis eher höher als nötig angegeben.
Das Bundeswirtschaftsministerium betont, in Österreich sei der Benzinpreis nach Einführung der starren Vorgabe gestiegen. (dpa)
Wie sich der Spritpreis zustande kommt
Benzin ist so teuer wie nie zur: Am Sonnabend (18. August) kostete ein Liter Super nach Berechnungen des ADAC 1,69 Euro. Wie setzt sich der Preis zusammen? Die Aufschlüsselung geht vom Durchschnittspreis im Juli von rund 1,62 Euro/Liter aus:
Das ist der Preis, zu dem der Treibstoff von der Industrie an der Ölbörse Rotterdam gekauft wird. Nach Angaben des Branchenverbandes MWV betrug er im Juli 59,77 Cent/Liter.
Er enthält die Kosten der Konzerne vor allem für den Transport, die Lagerhaltung, die gesetzlich vorgeschriebene Bevorratung der 90-tägigen Treibstoffreserve, Verwaltung, Vertrieb und seit Januar 2007 für die Bio-Beimischung. Der MWV beziffert die Deckungskosten im Juli auf 11,37 Cent je Liter. In der Summe ist auch der Gewinn der Konzerne enthalten.
Früher hieß sie Mineralölsteuer. In der Energiesteuer ist seit 1999 auch die Ökosteuer enthalten. Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach Treibstoffart. Für Benzin beträgt sie 65,45 Cent pro Liter. Anders als oft vermutet profitiert der Staat bei den Einnahmen von rund 40 Milliarden Euro im Jahr nicht von einem höheren Spritpreis. Denn die Steuer bemisst sich am Liter, nicht am Preis – sie bleibt immer gleich.
Anders ist es bei der Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf den Warenendpreis (inklusive Energiesteuerbelastung) erhoben wird. Allerdings ist auch hier bei dem Argument, der Staat verdiene an hohen Benzinpreisen kräftig mit, Vorsicht geboten: Denn zum einen können die Verbraucher jeden Euro nur einmal ausgeben – wenn sie mehr für Benzin ausgeben, sparen sie bei anderen Waren. Zum anderen passen sich die Autofahrer an und fahren weniger oder sparsamer. Der Mehrwertsteueranteil lag im Juli bei 25,95 Cent/Liter.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Steueranteil am Benzinpreis beträgt knapp 60 Prozent. Gut 40 Prozent fließen der Mineralölwirtschaft zu: zur Kostendeckung und als Gewinn. (Reuters)
1. Defensiv fahren. Jeder Tritt aufs Bremspedal kostet Geld. Deshalb vorausschauend fahren, vor roten Ampeln ausrollen lassen, keine Blitzstarts.
2. Motor ausschalten. Stau, Schranken, lange Ampelschaltungen - schon bei Wartezeiten von einer Minute lohnt es sich, den Motor auszuschalten.
3. Energieverbrauch senken. Extras wie Klimaanlagen und elektrische Fensterheber erhöhen den Spritverbrauch. Geöffnete Fenster, die den Luftwiderstand verstärken, allerdings auch.
4. Untertourig fahren. Frühes Hochschalten in den nächsten Gang, vor allem aus dem ersten, spart auch einige Tropfen Sprit.
5. Regelmäßig warten lassen. Prüfen Sie den Reifendruck regelmäßig, nutzen Sie hochwertiges Öl, lassen Sie den Wagen regelmäßig darauf prüfen, ob alles richtig eingestellt ist.
6. Gewicht reduzieren. Jede Kiste Wasser im Kofferraum, jeder Gepäckträger erhöht den Benzinverbrauch.
7. Reihenfolge einhalten. Stellen Sie den Motor erst an, wenn Sie wirklich losfahren wollen - Spiegel und Sitz besser bei ausgeschaltetem Motor einstellen.
8. Tempolimits einhalten. Jede Statistik zeigt, dass überhöhte Geschwindigkeit mehr Geld und Nerven kostet als Zeit spart.