27.08.12Insolventer Solarkonzern
Spanische Isofoton will Q-Cells übernehmen
Die Spanier fahren den Südkoreanern in die Übernahmeparade. Der von Hanwha geplante Q-Cells-Kauf braucht noch das Ja der Gläubiger.
Foto: dapd/DAPD
Insolventer Solarkonzern Q-Cells vor Übernahme? Neben der südkoreanischen Hanwha-Gruppe hat auch die spanische Isofoton ein Kaufinteresse
Düsseldorf.
Die spanische Isofoton will den
insolventen Solarkonzern Q-Cells
übernehmen und kommt damit der
südkoreanischen Hanwha-Gruppe in die Quere
. Ein Isofoton-Sprecher in Deutschland sagte am Montag, derzeit finde in Frankfurt ein Treffen des Isofoton-Präsidenten Angel Luis Serrano mit Q-Cells statt.
Serrano werde bei der Gelegenheit ein Angebot vorlegen. Isofoton wolle alle Q-Cells-Arbeitsplätze erhalten. Standortverlagerungen seien nicht geplant. Über die Höhe des angebotenen Kaufpreises machte der Sprecher keine Angaben. Isofoton wolle einen europäischen Solarkonzern schmieden und habe zu seiner Unterstützung einen US-Fonds dabei, betonte er indes.
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Q-Cells hatte zuvor mitgeteilt, mit Hanwha einen Kaufvertrag unterzeichnet zu haben. Der südkoreanische Mischkonzern will sich die geplante Übernahme des insolventen Solarherstellers etwa 250 Millionen Euro kosten lassen. Die Übernahmekosten setzen sich aus einem Bar-Kaufpreis von etwa 55 Milliarden Won (38,7 Millionen Euro) und der Übernahme von Schulden in Höhe von rund 300 Milliarden Won zusammen. Das sagte am Montag ein Vertreter Hanwhas in Seoul. Die Höhe der Transaktionskosten könnte sich jedoch bis zum endgültigen Abschluss des Geschäfts noch ändern.
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Ein Kauf- und Übertragungsvertrag war am Sonntag unterzeichnet worden. Dieser muss allerdings noch von der Gläubigerversammlung am 29. August abgenickt werden.
Unterdessen unterstrich der Verband Solar Valley Mitteldeutschland die Bedeutung der Q-Cells-Übernahme durch den Hanwha-Konzern für die deutsche Solarbranche: "Das wäre eine positive Wende in einer schwierigen Situation", sagte der Chef der Branchenvereinigung Solar Valley Mitteldeutschland, Peter Frey, am Montag in Erfurt. "Das hat wirklich Bedeutung, das Schlimmste wäre damit abgewendet." Die Branche war in den vergangenen Monaten von einer massiven Pleitewelle wegen billiger Konkurrenz aus Asien getroffen worden.
Wichtig sei, dass Hanwha nicht nur die Forschung, sondern auch die Produktion in Deutschland erhalte. Nur die Forschung in Deutschland und die Produktion im Ausland sei nicht sinnvoll, weil den Forschern dann die Rückkopplung fehle. "Das wäre kein gutes Modell." Q-Cells habe jetzt die Chance, die Technologieführerschaft zu übernehmen.
Mit Material von dpa/Reuters
Deutsche Solarunternehmen in der Krise
In der deutschen Solarindustrie herrscht Krisenstimmung. Pleiten, Pech und Pannen sorgen beinahe täglich für Negativ-Schlagzeilen. Es folgt eine Übersicht über die angeschlagene Branche.
Dem Solartechnikkonzern machen Finanzierungsprobleme zu schaffen. Der im Dezember 2011 den Gläubigern vorgelegte Restrukturierungsplan müsse wegen der massiven Einschnitte bei der Solarförderung überarbeitet werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Aktie brach am Dienstag zeitweise um rund 28 Prozent ein.
Der einst größte deutsche Solarkonzern mit rund 2300 Mitarbeitern und einem einstigen Börsenwert von acht Milliarden Euro wollte noch am Dienstag Insolvenz beantragen. Das Unternehmen aus dem "Solar Valley" im ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen hatte Ende vergangener Woche seine Sanierungspläne aufgegeben. Q-Cells wollte sich unter anderem dadurch sanieren, dass Anleihe-Gläubiger einen Zahlungsaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
Der Solarmodulbauer hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet, war jedoch vor wenigen Wochen durch einen Verkauf gerettet worden. Der Solarzellen-Produzent Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt den Zuschlag. Dieser will 433 der 471 Arbeitsplätze erhalten. Die Solon-Aktionäre gehen allerdings leer aus. Der nicht genannte Kaufpreis geht an die Gläubiger des mit 400 Millionen Euro verschuldeten Berliner Unternehmens.
Der Kraftwerksentwickler hatte am 21. März Insolvenzantrag gestellt. Anfang März hatte der Vorstand das Geschäftsmodell in Frage gestellt, nachdem die Bundesregierung angekündigt hatte, die Förderung von Solar-Großkraftwerken zu streichen. Zudem drohe der Verlust von bereits getätigten Investitionen von über zehn Millionen Euro für Projekte, die nun nicht mehr oder nur teilweise realisiert werden könnten.
Bereits im Dezember hatte die Pleitewelle den Kraftwerksentwickler Solar Millenium erreicht. Das Unternehmen meldete Insolvenz an. Zwei Transaktionen seien nicht zustande gekommen, die für dringend benötigtes Kapital sorgen sollten, hieß es. Im Sommer 2011 hatte das auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisierte Unternehmen ein Milliardenprojekt in den USA aufgegeben.
Der Konzern steht zudem im Dauerclinch mit seinem 74-Tage-Chef Utz Claassen. Dieser hatte dem Konzern zufolge Solar Millenium in den USA wegen Rufschädigung auf Schadenersatz in Höhe von 265 Millionen Dollar verklagt.
Der Weltmarktführer für Wechselrichter, dem Herzstück einer Solaranlage, gehört zu den wenigen, die noch schwarze Zahlen schreiben. Der Preisverfall hat aber auch bei SMA im vergangenen Jahr für einen Gewinneinbruch gesorgt. Firmchef Pierre-Pascal Urbon erwartet auch im laufenden Jahr weitere Einbußen.
Auch der einstige Star am Solar-Himmel ist 2011 tief in die roten Zahlen geraten. Konzernchef Frank Asbeck ist sich aber sicher, mit seinem Unternehmen zu denen zu gehören, die die Krise und Konsolidierung der Branche überleben werden. Er kündigte zuletzt für 2012 die Rückkehr in die Gewinnzone an, zumindest vor Zinsen und Steuern (Ebit). Gegen die Billigkonkurrenz aus China ist Asbeck in den USA mit sechs weiteren Firmen zu Felde gezogen und plant dies auch in Europa.
Er fordert Strafzölle auf Billig-Importe aus dem Land der Mitte. Eine erste vorläufigen Entscheidung des US-Handelsministeriums über Anti-Subventionszölle enttäuschte aber. Sie fielen mit 2,9 bis 4,73 Prozent niedriger aus als erwartet. Asbeck hofft indes, dass das Ministerium im Laufe seiner Untersuchungen höhere Anti-Dumpingzölle verhängen wird.
Der Hamburger Solarkonzern ringt seit längerem ums Überleben, nachdem er durch Missmanagement bereits 2007 ins Wanken geraten war. Nach einem Kapitalschnitt und anschließender Sachkapitalerhöhung gehört Conergy zu einem großen Teil Hedgefonds.
Zudem hat sich die defizitäre Firma vom größten Teil ihrer Produktion getrennt und Personal abgebaut. Conergy ist als Systemanbieter und Projektentwickler unterwegs und hofft 2012 erstmals wieder – zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – auf einen kleinen Gewinn. 2013 sollen dann auch unter dem Strich schwarze Zahlen stehen – erstmals seit 2005.
Auch bei dem lange erfolgsverwöhnten Solar-Anlagenbauer Centrotherm sieht es mau aus. Der schwäbische Konzern rutschte 2011 nach Wertberichtigungen in die roten Zahlen. Das Management steuert nun mit Entlassungen und Kurzarbeit gegen. Lange hatte Centrotherm von der hohen Nachfrage in Asien nach effizienten Anlagen zur Produktion von Solarzellen und -modulen profitiert.
Mit den weltweiten Überkapazitäten in der Solarbranche und dem Preisverfall sowie den Auswirkungen der Bankenkrise ebbten die Geschäfte indes ab.
Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hatte sich mit der Übernahme der Solarunternehmen Ersol, Aleo Solar und Voltwerk ein neues Standbein aufgebaut. Doch der Stuttgarter Technologiekonzern hat bislang nicht viel Freude an seinen Töchtern gehabt. Allein im vergangenen Jahr schrieb er rund eine halbe Milliarde Euro auf die kleine Sparte ab. Den Baubeginn einer geplanten Solar-Fabrik in Malaysia verschob er zuletzt.
Auch der Solar-Maschinenbauer Roth & Rau belastet seinen Mutterkonzern, den Schweizer Solar-Konzern Meyer Burger. Hohe Abschreibungen belasteten mit 91 Millionen Euro. Die Solarkrise sorgte bei Roth & Rau für einen Jahresverlust von 123 Millionen Euro. Der Auftrageingang brach um 70 Prozent ein. Meyer Burger verzichtete dehalb auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Andernfalls hätten die Schweizer die Verluste bei Roth & Rau ausgleichen müssen.
Der chinesische Solarriese LDK griff jüngst nach der Konstanzer Sunways, die 2011 in die Verlustzone geraten war. Nach einer Kapitalerhöhung ist LDK inzwischen zu knapp einem Drittel an der Firma mit ihren rund 340 Mitarbeitern beteiligt. (Stand: April 2012, Reuters)
Um die Solarförderung ist fast wie früher um die Atomkraft eine Art Glaubenskrieg entbrannt. Eine Übersicht über die wichtigsten Pro- und Kontra-Argumente:
Im Sommer, aber auch jetzt im Winter senkt Solarstrom gerade bei hohen Verbrauchsspitzen in den Mittagsstunden den Börsenstrompreis.
Die Photovoltaik hat laut Bundesnetzagentur mitgeholfen, die Stilllegung von acht Atomkraftwerken aufzufangen.
Die kurzfristige Mehrbelastung durch die Förderung macht sich langfristig durch stabilere Strompreise bezahlt, denn es werden schon jetzt Importkosten für immer teurer werdende Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle in Milliardenhöhe vermieden.
Es gibt bereits 150.000 Jobs in dem Bereich, laut Solarwirtschaft wurden 2010 Steuermehreinnahmen von 1,45 Milliarden erzielt.
Es werden bereits rund 12,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart, betont die Solarwirtschaft.
Die meisten Förderkosten sind Altlasten, durch enorme Kosten- und Fördersenkungen werde die über den Strompreis zu zahlende Solarumlage von knapp zwei Cent bis 2016 nur noch um 1,8 Prozent steigen, der Strommixanteil aber um bis zu 70 Prozent auf 6,8 Prozent zulegen.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme betont, umweltschädliche Subventionen kosteten den Steuerzahler 48 Milliarden Euro pro Jahr, während die kumulierten Solarförderkosten von 2000 bis 2011 nur 22 Milliarden Euro ausmachten.
Die Energieform steht bei den Kosten kurz vor dem weltweiten Durchbruch, mit riesigen Exportchancen für Deutschland.
Sonnenstrom hatte 2011 erst einen Anteil von rund drei Prozent am Strommix. In Deutschland gibt es je nach Region im Schnitt meist nur 1000 Sonnenstunden im Jahr. Für Konzerne wie RWE ist Solarenergie in Deutschland daher so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska.
Die Vergütungszahlungen belaufen sich auf fast acht Milliarden Euro pro Jahr. Daher ist Solarenergie für die Bürger, die die Förderung über den Strompreis zahlen, die mit Abstand teuerste Ökoenergie-Art.
Das Stromnetz ist bisher noch nicht fit für immer mehr Solarstrom, der Chef der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler fordert, dass der Ausbau mit dem Netzausbau Hand in Hand gehen müsse.
Der in einer Mietwohnung lebende Billiglöhner aus Berlin-Marzahn finanziert durch die im Strompreis eingepreiste Solarumlage dem Zahnarzt am Starnberger See die Rendite für seine Solar-Dachanlage.
Die auf 20 Jahre garantierten Förderkosten können sich am Ende auf mehr als 100 Milliarden Euro summieren. Statt Hilfe zur Markteinführung habe sich die Förderung in eine gewaltige Dauersubvention verwandelt.
Der nur wenige Stunden am Tag verfügbare Solarstrom ist mangels Stromspeichern die mit Abstand ineffizienteste Stromgewinnungsform.
70 bis 80 Prozent der Module kommen inzwischen aus China. Angesichts des Preisdrucks müssen unabhängig von der Förderhöhe viele deutsche Unternehmen ums Überleben kämpfen, während die Verbraucher mit Milliardenzahlungen Chinas Solarindustrie aufpäppeln. (dpa)