23.08.12

Automobilbranche

Daimler will Mercedes-Pkw zusammen mit Nissan bauen

Daimler steht offenbar vor einem Tabubruch. Der Konzern erwägt laut eines Berichts, Mercedes-Pkw gemeinsam mit Nissan-Renault zu bauen.

Von abendblatt.de
Foto: dapd
Daimler
Der Automobilhersteller Daimler erwägt offenbar, Mercedes-Pkw gemeinsam mit Nissan-Renault zu bauen

Stuttgart. Daimler erwägt einen engeren Schulterschluss mit Nissan und will damit die verlorene Krone des führenden Luxus-Pkw-Herstellers zurückerobern. In einer gemeinsamen Fabrik außerhalb Deutschlands könnten künftig Kompaktwagen von Mercedes-Benz vom Band rollen, was die durch Audi und BMW unter Druck geratenen Schwaben bei den hohen Produktionskosten entlasten würde, sagte eine mit der Situation vertraute Person Reuters am Donnerstag. Mit den Japanern und deren französischer Schwestermarke Renault macht Daimler bereits seit gut zwei Jahren gemeinsame Sache. Mit der Ausweitung der Kooperation auf die gemeinsame Pkw-Montage würde die Allianz Neuland betreten.

Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, Kompaktwagen der A- und B-Klasse von Mercedes-Benz sowie kleinere Modelle von Nissans Premiumtochter Infiniti könnten ab 2016 zusammen vom Band laufen. Als mögliche Standorte fasse Daimler unter anderem eine Erweiterung seines erst im Frühjahr eröffneten Werks in Ungarn, weitere Länder Osteuropas, Russland oder Nordamerika ins Auge, wo die Produktionskosten geringer als in Deutschland sind. Ein Sprecher von Daimler wollten sich nicht zu dem Bericht äußern. Nissans Partner Renault lehnte eine Stellungnahme ab, Nissan war zunächst nicht zu erreichen.

Um die Kosten zu senken und die Fahrzeug-Palette zu erweitern, hatten Daimler, Renault und Nissan im Frühjahr 2010 eine strategische Partnerschaft geschlossen und diese Allianz mit einer geringfügigen Überkreuzbeteiligung unterlegt. Seitdem wurden zahlreiche gemeinsame Projekte aus der Taufe gehoben, die den Partnern im harten Konkurrenzkampf auf den Automärkten weltweit Vorteile bieten: Daimlers neuer Stadtlieferwagen wird bei Renault montiert, bei den Kleinstwagen Smart und Twingo teilen sich die Schwaben und die Franzosen ebenfalls die Entwicklungskosten. Die mit Milliarden-Aufwand aufgelöste Ehe mit Chrysler war vor allem daran gescheitert, dass gemeinsame Fahrzeug-Projekte nicht über das Reissbrett hinauskamen.

Ab 2014 bauen Mercedes und Nissan zudem in Nordamerika gemeinsam jährlich 250.000 Benzinmotoren, vom Band rollen sollen die für Kompakt- und Mittelklasseautos beider Marken vorgesehenen Vierzylinder im Nissan-Werk in Tennessee. Damit wagt sich Daimler erstmals mit der Motorenproduktion ins Ausland, unter anderem um sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern und die Präsenz in den USA – dem weltweit zweitgrößten Automarkt nach China – zu verstärken. In Japan beliefern sich Daimlers Nutzfahrzeugtochter Fuso und Nissan gegenseitig mit leichten Lkw, um den Kunden eine größere Fahrzeugauswahl zu bieten. Auf der Basis der Kompaktwagen-Plattform von Mercedes-Benz will Nissan wiederum eigene Pkw beim Auftragsfertiger Magna bauen lassen. Die Konzernschwester Renault ist interessiert, einzelne Module der Frontantriebs-Architektur von Mercedes wie beispielweise Klimaanlagen zu nutzen, um damit ebenfalls Entwicklungskosten zu sparen.

BMW und Audi setzen Daimler unter Zugzwang

Grundsätzlich sei in dem Dreierbündnis kein Thema ausgeschlossen, da die Autobauer nur in geringem Maße im Wettbewerb stünden, hatte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn auf der weltgrößten Automesse IAA vergangenes Jahr in Frankfurt gesagt. Da sich die Partnerschaft positiv entwickele, werde sie weiter ausgebaut, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche damals als Marschroute ausgegeben. Im Frühjahr dieses Jahres kündigte Zetsche an, die weltweiten Produktionskapazitäten für Daimler-Pkw in den kommenden Jahren wegen absehbarer Lieferengpässe in den außerhalb Europas wachsenden Absatzmärkten müssten deutlich erhöht werden. Denn bis 2020 wird sich Daimler bei Pkw der Absatzmarke von zwei Millionen Pkw nähern: Fest eingeplant ist bis 2016 ein Anstieg der weltweiten Pkw-Verkaufszahlen auf mehr als 1,6 Millionen Fahrzeuge, 2011 waren es knapp 1,4 Millionen.

Damit hinkt der einstige Marktführer dem Erzrivalen BMW hinterher, der nicht nur mehr Pkw als Daimler verkauft, sondern auch profitabler wirtschaftet. Zudem schickt sich die ebenfalls renditeträchtigere VW -Tochter Audi an, Daimler bei den Verkaufszahlen abzuhängen. Die Konkurrenten aus Bayern hatten früher als die Schwaben Kompaktwagen in den Schaufenstern, Daimler musste mit milliardenschweren Investitionen in seine Werke, neues Personal und die Entwicklung neuer Modelle nachziehen. Auf die Ertragskraft von Daimler drückt zudem, dass die Stuttgarter im Schnitt für die Montage eines Pkw länger als die Konkurrenz brauchen. (rtr)

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