23.08.12Social Network
Zitterpartie beendet: Facebook schluckt Instagram
US-Wettbewerbsbehörde genehmigt Facebook den Kauf des Fotodienstes. Dumm nur, dass Instagram-Eigner deutlich weniger als erwartet bekommen.
Foto: dapd/DAPD
Ein Facebook-Nutzer ruft auf seinem iPhone in New York (USA) den Fotodienst Instagram auf
Washington. Das ist mal eine gute Nachricht für das von einem fallenden Aktienkurs gebeutelte Soziale Netzwerk Facebook: Der Börsenneuling darf den Fotodienst Instagram übernehmen. Die zuständige US-Wettbewerbsbehörde FTC hat am Mittwoch grünes Licht gegeben. Sie hat keinerlei Einwände, wie sie bekanntgab.
Facebook hatte den Instagram-Kauf im April angekündigt, also noch vor dem Börsengang, der im Mai folgte. Als Kaufpreis waren rund 1 Milliarde Dollar vereinbart (800 Mio Euro). Die Instagram-Gründer werden nun allerdings Abstriche machen müssen: Denn sie hatten sich darauf eingelassen, teils in Facebook-Aktien bezahlt zu werden.
+++ Ende der Haltefrist – Aktie stürzt in den Keller +++
Lediglich 300 Millionen Dollar fließen in bar; hinzu kommen 23 Millionen Facebook-Aktien. Die wurden zum Zeitpunkt der Verhandlungen mit Instagram mit rund 30 Dollar bewertet. Mittlerweile kostet das Papier aber nur noch gut 19 Dollar – womit der Kauf derzeit rund 740 Millionen Dollar einbrächte. Der endgültige Abschluss des Geschäfts steht noch aus.
Für die Instagram-Eigner war es eine Wette: Vor dem Börsengang schraubte sich die Bewertung von Facebook immer weiter in die Höhe, bis der Ausgabekurs schließlich bei 38 Dollar je Aktie lag. Der Börsengang selbst wurde jedoch von technischen Pannen begleitet, hinzu kamen Sorgen um eine Verlangsamung des Wachstums. Der Einbruch des Kurses begann schon am zweiten Handelstag.
+++ Datenschützer nimmt Kampf gegen Facebook wieder auf
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+++ Facebook-Papiere erleben schweren Absturz +++
Über Instagram lassen sich mit dem Smartphone geschossene Fotos mit wenigen Klicks im Bekanntenkreis teilen. Instagram kooperiert dabei neben Facebook auch mit Twitter oder dem Miniblog-Dienst Tumblr. Der Fotodienst soll bis auf Weiteres in seiner jetzigen Form bestehen bleiben.
Facebook-ABC: A wie "Aussteigen" bis Z wie "Zuckerberg"
Von Facebook offiziell wieder los zu kommen und dabei auch all seine Daten wieder mitzunehmen, ist gar nicht so einfach. Facebook bietet zunächst an, ein Profil zu "deaktivieren", um es bei nächster Gelegenheit wieder aufwachen zu lassen. Das Löschen eines Kontos ist erst der zweite Schritt. Datenschützer kritisieren zudem, dass Facebook auch dann nicht alle Daten von seinen Servern löscht.
Er bringt Freud und Leid, wie in der Liebe: Wer den Beziehungsstatus bei Facebook ändert, informiert seine Freunde nicht nur darüber, dass er frisch verliebt, nun verlobt oder dann gar verheiratet ist – sondern bei weiteren Änderungen im Privatleben auch darüber, dass er wieder Single oder gar die Ehe dahin ist. Dafür erhalten die Freunde beim Wechsel des Status' eine Nachricht.
Obwohl der US-Konzern eine ganze Büroetage in Hamburg belegt, beharrt er darauf, dass seine juristische Vertretung in Europa in Dublin liegt. Deshalb gelte für Facebook das irische Datenschutzrecht. Das aber ist deutlich laxer. Der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar pflegt trotzdem ein eigenes Profil bei Facebook. Er will so eigene Erfahrung sammeln.
Wer bei Facebook einen Kontakt hinzufügt, macht die Person, wenn sie denn zustimmt, automatisch zum Freund – ob er denjenigen gut kennt oder nicht. Der durchschnittliche Nutzer auf Facebook hat inzwischen 138 Freunde.
Klicks auf die Schaltfläche mit diesem Ausruf und dem nach oben zeigenden Daumen füttern das Gehirn von Facebook: Das Netzwerk weiß damit, welche Personen, Produkte oder Artikel seine Nutzer mögen. Das geht sogar außerhalb von facebook.com, wenn andere Internetseiten den "Gefällt mir" Knopf benutzen. Laut Facebook klicken Nutzer pro Tag zwei Milliarden Mal "Gefällt mir!".
Facebook hat als erstes soziales Netzwerk eine Technologie eingeführt, die biometrische Daten seiner Nutzer gezielt auswertet – ausgelesen aus den Profilbildern. Lädt ein Nutzer ein Foto hoch, das Freunde zeigt, erkennt Facebook, wer darauf zu sehen ist und bietet an, das Foto mit dem jeweiligen Profil zu verknüpfen.
Mark Zuckerberg gründete Facebook 2004 in einem Studentenwohnheim der Bostoner Elite-Uni. Zunächst stand das Netzwerk nur Studenten an bestimmten Universitäten, dann nur Menschen mit einer Uni-E-Mail-Adresse offen.
Facebook verlangt, dass sich Nutzer unter ihrem echten Namen anmelden. Falsche Profile können theoretisch gelöscht werden. Das passiert aber nur sehr selten, etwa wenn sie gemeldet werden. Erst einmal in den USA hat Facebook nun damit begonnen, Profile prominenter Nutzer eigenständig zu verifizieren. Dafür wollen die Macher des Netzwerks tatsächlich auch die Personalausweise sehen.
Auf dem Markt der sozialen Netzwerke machen Facebook vor allem zwei Kontrahenten zu schaffen: Der 140-Zeichen-Dienst Twitter und der Internet-Gigant Google. Der hat im Herbst 2011 sein Google Plus freigeschaltet, das ähnlich wie Facebook funktioniert. Den deutschen Klon StudiVZ hat Facebook weitgehend abgehängt. Die VZ-Netzwerke planen nun für den Sommer eine Neuausrichtung.
Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, will sich mit seiner Plattform auch gesellschaftlich engagieren: Seit diesem Frühjahr finden Nutzer in ihren Profilen Felder vor, in denen sie sich für Organspenden aussprechen können. Diese Option wurde aber erst einmal nur in den USA und in Großbritannien eingeführt. Ob und wann Facebook auch in Deutschland Organspenden fördert, ist offen.
Der Software-Gigant Microsoft ist nicht nur an Facebook beteiligt, sondern arbeitet mit ihm auch eng zusammen. So hat Facebook die Technologie Skype für Videokonferenzen übernommen, nachdem Microsoft den Dienst gekauft hat. Außerdem integriert Facebook zunehmend Microsofts Suchmaschine Bing in sein System.
Prominente ziehen auch bei Facebook die Aufmerksamkeit auf sich. So verfolgen allein 55 Millionen Nutzer Nachrichten vom Popstar Rihanna, bei Lady Gaga sind es 50 Millionen. Mit dabei sind auch deutsche Promis wie der Fußballer Manuel Neuer. Er kommt auf fast 700.000 Fans bei Facebook, Bastian Schweinsteiger auf 730.000.
Nutzer, die plötzlich aus dem Leben scheiden, hinterlassen ein intaktes Profil. Angehörige können das Profil sperren oder in einen "Trauermodus" überführen lassen. Wählen sie die zweite Möglichkeit, wandelt Facebook die Pinnwand des Verstorbenen in ein Kondolenzbuch.
Der Tod der britischen Soulsängerin Amy Winehouse war 2011 das meist diskutierte Thema deutscher Nutzer auf Facebook. Ebenfalls in den Top Ten: Der Ehec-Erreger, die Debatte um das PC-Spiel Modern Warfare und die Doktorarbeit des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.
Nur allzu oft zu sehen: Profilfotos, die bekanntere Menschen oder Figuren etwa aus Comics zeigen als die Nutzer, die sich mit den Abbildungen schmücken. Wer urheberrechtlich geschützte Bilder bei Facebook einstellt oder fremde Bilder als Profilfoto nutzt, der macht sich indes strafbar. Hier ist Vorsicht geboten!
Der Gründer des sozialen Netzwerks ist selbst ein begeisterter Nutzer von Facebook. 13 Millionen Nutzer lassen sich von ihm auf dem Laufenden halten – und erfahren so, dass Mark Zuckerberg Hochchinesisch lernt und neulich Vegetarier wurde. Sogar Zuckerbergs Hund Beast hat eine Seite – und auf Facebook eine halbe Million Fans. (dapd)
In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg:
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook aus ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen.
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook – die Pinnwand – kommt dazu.
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer.
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet.
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer.
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle.
Dezember 2006: Facebook hat mehr als 12 Millionen Nutzer.
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer.
Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent – die Bewewrtung liegt also bei 15 Milliarden Dollar.
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst "Beacon", der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen Werbung ins Netzwerk.
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr.
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet.
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer.
Dezember 2008: Facebook Connect verknüpft den Dienst mit vielen Webseiten im Netz.
April 2009: Facebook hat mehr als 200 Millionen Nutzer.
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook – bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar.
Dezember 2009: Facebook hat mehr als 350 Millionen Nutzer.
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer.
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook.
Juli 2011: Facebook hat mehr als 750 Millionen Nutzer.
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den "Gefällt-mir"-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen – trifft jedoch auf wenig Resonanz.
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. (dpa)
Einnahmen für die Unternehmen aus ihren Börsendebüts (mit Jahr):
Facebook (USA): 5 bis 10 Milliarden Dollar (wahrscheinlich 2012)
Google (USA): 1,7 Milliarden Dollar (2004)
Yandex (Russland): 1,3 Milliarden Dollar (2011)
Zynga (USA): 1 Milliarde Dollar (2011)
Groupon (USA): 700 Millionen Dollar (2011)
Microsoft (USA): 61 Millionen Dollar (1986)
Amazon (USA): 49,4 Millionen Dollar (1997)
Yahoo (USA): 33,8 Millionen Dollar (1996)
(dpa)