23.08.12

Der neue VW-Golf

Länger, breiter - und vor allem sparsamer

Der Autobauer Volkswagen lüftet die ersten Geheimnisse des neuen Golf VII. Der Benziner soll nur 4,8 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen.

Foto: dpa/DPA
Volkswagen
Auf Hochglanz polieren für die Premiere. Am 4. September wird der neue Golf präsentiert

Wolfsburg. Irgendwie clever. VW schlachtet die Premiere des neuen Golf nach allen Regeln der Kunst und Wertschöpfung aus. In drei Etappen zelebriert der Konzern die Markteinführung, die von Mai 2013 auf November dieses Jahres vorgezogen wurde. Das Tuch von Golf Nummer sieben wird am 4. September gezogen, in der Berliner Neuen Nationalgalerie. Dann werden die Erstlinge wieder eingemottet, bis zum Pariser Autosalon drei Wochen später. Kurz danach darf ihn dann ein erlauchter Kreis zum ersten Mal testen.

Die Produktion ist in den Werken Wolfsburg und Zwickau bereits angelaufen, doch zu Gesicht bekam ihn nur ein verschworener Kreis der Mitarbeiter, die bei VW Dienst tun. Gestern nun rückten die Geheimniskrämer anlässlich eines Workshops die wichtigsten Daten heraus.

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Allerdings nicht bevor von Journalisten die Smartphones einkassiert wurden und eine Geheimhaltungserklärung abverlangt wurde. Zwei Modelle des Golf VII hatten sie auch mitgebracht - ein Karosseriegerippe und ein verhülltes Exponat, worüber der Sicherheitsdienst streng wachte. Immerhin durften Journalisten erstmals auf dem Fahrersitz Platz nehmen und vom heiligen Stuhl das Cockpit bestaunen. Schönheit kommt von innen.

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"Der Golf muss mit der Zeit gehen, er muss aber keine Revolution darstellen", sagte VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, der schon an der Entwicklung des Golf V mitgewirkt hatte. Schließlich dürften sich die alten Golf-Modelle "nicht verloren vorkommen". Er verspüre eine große Verantwortung, die der Konzern trage, so der Manager. Einen Flop kann sich niemand bei Volkswagen leisten. Auch der neue Bestseller soll sich bestens verkaufen, die Auflage von insgesamt 29 Millionen Exemplaren seit 1974 mehren. Allein in Deutschland wurde der Golf VI im ersten Halbjahr des Jahres 120 000 Mal zugelassen. "Der neue Golf ist das wichtigste Auto für VW und die wichtigste Autopräsentation des Jahres", findet Hackenberg. Dafür, glauben sie in der Autostadt, haben sie den Stolz der Familie ordentlich herausgeputzt.

Das neue Kleid soll dem Golf noch besser stehen, dafür hat er abgespeckt, bis 100 Kilo gegenüber dem Vorgänger. Mit jetzt 1150 Kilo wiegt er 22 Kilo weniger als der leichteste Vertreter der Golf-Klasse bisher, der BMW 1er, und hat sich auf dem Niveau des Vierer-Golf eingependelt. 23 Kilo verlor der jüngste Spross allein an der Karosserie. Nicht durch die Verwendung eines (teuren) Aluminiumaufbaus, sondern durch "ultrahochfesten" Stahl, der in einem Spezialverfahren geschmiedet wird.

Mit dem Leichtbau versuchen die Hersteller vor allem Kraftstoff zu sparen. Ein Viertel des Verbrauchs hängt vom Gewicht ab, so eine Faustregel. "3,x Liter" soll der Diesel laut Hackenberg nun auf 100 km/h verbrennen, 4,8 Liter der Benziner, das sind im Normverbrauch 23 Prozent weniger als der Vorgänger.

Die Maße haben zugenommen. Er ist mit 4,255 Metern jetzt 5,6 Zentimeter länger und 1,3 Zentimeter breiter (1,799 Meter) geworden, aber 2,8 Zentimeter flacher (1,452 Meter). Das klingt wie Haarspalterei, im Automobilbau sind das Quantensprünge. Denn durch eine so erlangte Verkleinerung der Frontpartie um 0,03 Quadratmeter erzielt der neue Golf nach Werksangaben den günstigsten aerodynamischen (cw-)Wert seiner Klasse.

Das Design wirkt sich auch günstig auf die Platzverhältnisse im Fond aus. VW verspricht 1,5 Zentimeter mehr Beinfreiheit, im Schulterbereich haben Mitfahrer hinten nun 3,1 Zentimeter mehr Platz. Auch der Kofferraum bekam etwas vom Raumgewinn ab und fasst jetzt mit 380 Litern 30 mehr als der Golf VI und bietet Platz für zwei Golftaschen. Geräumiger, leichter und sparsamer soll er sein und komfortabler und sicherer auch noch.

Ein Fünf-Zoll-Schwarz-Weiß-Touchscreen ist serienmäßig als aufgemotzter Bordcomputer in jedem Golf dabei, je nach Ausstattung wächst er auf 5,8 Zoll und sogar acht Zoll in Farbe und mit Navi, bedienbar wie das Smartphone auch mit Zeigefinger und Daumen. Ein Infrarotsensor sorgt dafür, dass sich die Anordnung auf dem Display verändert, wenn sich die Hand nähert. Weitere technische Spielereien gibt es auch - aber gegen Aufpreis.

Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Länge: 4,255 Meter (5,6 Zentimeter länger)
Breite: 1,799 Meter (1,4 Zentimeter breiter)
Höhe 1,452 Meter (2,8 Zentimeter flacher)
Kofferrauminhalt: 380 Liter (30 Liter mehr)
Gewicht: 1.150 Kilo (bis zu 100 Kilo weniger)
Verbrauch: Benziner 4,8 Liter, Diesel 3,3 Liter; jeweils sparsamste Version
CW-Wert für Luftwiderstand: 0,27
Gesamtzahl aller je gebauten Golfs: Über 29 Millionen
Produktion im Jahr 2011: 914.000
Wichtigstes Produktionswerk: Wolfsburg
Geschätzter VW-Umsatz mit dem Golf pro Jahr: 18 Milliarden Euro (dapd)
Modularer Querbaukasten bei VW – was bedeutet das?
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Der Name klingt wie Lego – ist aber die modernste Technik aus dem Autobau: Modularer Querbaukasten (MQB). Ausgedacht hat sich das Wortungetüm der Volkswagen-Konzern, der damit ein Konstruktionsprinzip in der Fahrzeugentwicklung beschreibt, nach dem die meisten Autos des Herstellers entstehen sollen.
Als erster Wagen steht der neue Audi A3 auf der Basis, es folgt zurzeit die neue Golf-Generation. Doch die neue Technik birgt ein enormes Risiko.
Darum geht es: Langfristig sollen alle VW-Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor, also vom Polo bis zum Passat, auf Grundlage einheitlicher Teile gebaut werden. Motor, Lenkung, Pedalerie, Hinterachse, Klimaanlage, Elektronetz und viele andere Komponenten werden bei diesen Autos weitgehend einheitlich.
Beispiel: Der Abstand vom Motor zu den Pedalen ist für alle Modelle festgelegt. Das erleichtert die Montage der Autos enorm. So sollen bei VW bald bis zu vier verschiedene Modelle auf einem Band laufen.
Unterschiedlich bleiben die Autos in der Länge und Breite, der Form der Karosserie und der Innenausstattung.
Vom MQB verspricht sich der Konzern gigantische Kostenvorteile. Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg nennt Einsparziele von 20 Prozent bei den Stückkosten und 30 Prozent bei der Montagezeit. NordLB-Analyst Frank Schwope schätzt, "ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr" sei mindestens zu erreichen.
Der große Fortschritt besteht darin, dass VW die Zahl der für die unterschiedlichen Modelle benötigten verschiedenen Teile radikal senken kann. Dadurch entsteht ein sogenannter Skaleneffekt: Von den identischen Teilen werden gigantische Mengen bestellt. Die Zulieferer können deshalb bessere Preise machen.
Ein weiterer Vorteil des MQB: Auch Nischenmodelle mit niedriger Stückzahl wie Cabrios oder Roadster rechnen sich plötzlich, weil sie schnell und für wenig Geld entwickelt und gebaut werden können.
Auch die Kunden sollen vom Plattformwechsel profitieren: "Wegen des hohen Volumens kann VW sich Teile leisten, die sonst nur in der Oberklasse eingebaut werden", sagt Firmensprecher Christian Buhlmann.
Der Wechsel ist aber auch gefährlich: Wenn ein Qualitätsproblem etwa mit fehlerhaften Teilen auftritt, dann gleich millionenfach.
Das hat zuletzt Toyota erlebt und musste mit tiefen Kratzern auf dem früher makellosen Image als Qualitätshersteller büßen.
Deshalb wird der Anlauf des Golf 7 in Wolfsburg zurzeit überwacht wie noch nie. (dapd)
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf zählt zu den erfolgreichsten Autos weltweit. Mehr als 26 Millionen Fahrzeuge verkaufte der Autobauer Volkswagen.
Die Produktion der siebten Golf-Generation ist gerade in Wolfsburg und Zwickau angelaufen.
Die Serienfertigung des ersten Golf nach den Entwürfen des Italieners Giorgio Giugiaro begann am 29. März 1974 im VW-Werk in Wolfsburg.
Im Oktober 1976 waren eine Million Autos verkauft, 2002 löste der Golf den Käfer als meistgebautes VW-Modell ab.
Er wurde zum Wegbegleiter einer ganzen "Generation Golf".
Das Auto gibt es auch als leistungsstärkeren GTI, als Cabrio und als Kombi Variant.
Aktuell wird der Golf an drei Standorten in Deutschland sowie in Werken in Mexiko, Brasilien und China produziert.
Allein in Wolfsburg sind 20.000 von den 51.600 Mitarbeitern direkt in Produktion, Entwicklung und Vertrieb des Golf eingebunden. (dpa)
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