20.08.12

So arbeitet Deutschland

Mehr Nacht- und Wochenendarbeit hierzulande

Arbeitsmarkt fordert immer mehr Flexibilität. Teilzeit bleibt aber Frauensache und Topjobs in Männerhand. Jobs Jüngerer sind unsicherer.

Von Christian Ebner
Foto: dapd/DAPD
Kinderdienst: Menschen in Deutschland arbeiten haeufiger nachts und am Wochenende
Arbeitnehmer sind flexibler als 1996: So erhöhte sich auch der Anteil der Nachtarbeiter in den 15 Jahren von 6,8 auf 9,6 Prozent

Wiesbaden. Die Menschen in Deutschland arbeiten häufiger am Wochenende und in der Nacht als noch vor 15 Jahren. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes musste im vergangenen Jahr fast ein Viertel (24,5 Prozent) aller Beschäftigten auch am Sonnabend arbeiten.

1996 waren es nur 18,8 Prozent. Auch der Anteil der Nachtarbeiter (23 bis 6 Uhr) erhöhte sich in den 15 Jahren von 6,8 auf 9,6 Prozent, wie das Amt am Montag in seinem neuen Indikatorenbericht zur Qualität der Arbeit berichtete.

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Ein großer Trend in dem Zeitraum war die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung von 14 auf 27 Prozent, die dazu führte, dass die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätigen auf 35,5 Stunden sank. Das waren fast drei Stunden weniger als unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Menschen in vollen Jobs mussten hingegen länger arbeiten: Arbeitnehmer legten im Schnitt 40 Minuten auf 40,7 Stunden drauf, was leicht über dem EU-Wert von 40,4 Stunden lag. Besonders lange Arbeitszeiten beobachteten die Statistiker bei Selbstständigen und Führungskräften.

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Teilzeit ist in Deutschland zu rund 80 Prozent Sache der Frauen, die meist (54 Prozent) wegen der Familie beruflich kürzertreten. Der Anteil der unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigten, die also eigentlich einen vollen Job suchen, ist seit 2010 wieder deutlich auf nun 16 Prozent gesunken. Im Jahr 1992 suchte hingegen nur jeder 20. Teilzeitbeschäftigte (5 Prozent) einen Vollzeitjob. Je mehr Kinder zu versorgen sind, desto seltener sind die Mütter zusätzlich noch erwerbstätig, stellten die Statistiker fest. So ist von Müttern mit drei oder mehr Kindern nur knapp jede Vierte (24,5 Prozent) im Job.

Von 100 Frauen hatten 46 im Jahr 2011 eine bezahlte Arbeit. Bei einem Bevölkerungsanteil von 51 Prozent sind sie damit zwar immer noch am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert, holen aber auf. 1991 standen erst 42 Prozent im Erwerbsleben. Vor allem ältere Frauen suchten sich neue Jobs.

Weiterhin Nachholbedarf gibt es bei den Führungskräften, unter denen der Frauenanteil trotz Wachstums nur 30 Prozent betrug . In den akademischen Berufen stieg der Frauenanteil seit 1992 um 9 Punkte auf nun 44 Prozent. Seit 2002 nahezu unverändert lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Frauen um 23 Prozent niedriger als der der Männer.

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An ihren Arbeitsplätzen schätzen die Deutschen unverändert Beständigkeit: Knapp die Hälfte ist seit mehr als zehn Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. Rückläufig ist aber die Tarifbindung: Nur noch für 61 Prozent (1998: 76 Prozent) der Arbeitnehmer im Westen und 49 Prozent (1998: 63 Prozent) im Osten sind die Kollektivverträge über Entgelt und Arbeitsbedingungen verbindlich. Nur 43 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft waren durch einen Betriebsrat vertreten.

+++ 21 Prozent der Beschäftigten haben befristete Verträge +++

Gestreikt wurde im Boomjahr 2011 selten wie nie: Mit 1,9 ausgefallenen Arbeitstagen je 1000 Beschäftigte lag der Wert deutlich unter dem langjährigen Mittel von vier Tagen und damit auch in der EU am untersten Ende der Spanne.

Etwa jeder elfte Arbeitsvertrag ist befristet (Anstieg von 5,8 Prozent im Jahr 1991 auf 9,0 Prozent), was junge Arbeitnehmer und Jobwechsler überdurchschnittlich häufig trifft. Knapp die Hälfte sagt, dass sie den befristeten Job nur angenommen hat, weil keine Dauerstelle zu kriegen war. Die anderen nannten einen Probevertrag als Grund oder waren in Ausbildung.

Jobs auf Zeit – befristete Arbeitsverträge
Jobs auf Zeit – befristete Arbeitsverträge
Nach dem 2001 in Kraft getretenen Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) gibt es zwei Arten von befristeten Arbeitsverträgen:
Der "kalendermäßig befristete Arbeitsvertrag" endet nach Ablauf eines vorher festgelegten Datums.
Der "zweckbefristete Arbeitsvertrag" läuft aus, wenn sein Zweck erfüllt ist.
So kann ein Arbeitnehmer etwa zum Zweck der Elternzeitvertretung oder als Ausgleich für einen erkrankten Mitarbeiter eingestellt werden.
Der Vertrag endet dann, wenn der Kollege zurückkehrt.
Bei den kalendermäßig befristeten Verträgen ist eine Begrenzung höchstens auf zwei Jahre zulässig (Paragraf 14 TzBfG).
Außerdem kann der Vertrag innerhalb dieser zwei Jahre höchstens dreimal verlängert werden.
Nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts darf der Arbeitnehmer zudem in den drei Jahren zuvor nicht für das Unternehmen gearbeitet haben (Az.: 7 AZR716/09).
Ist der Arbeitnehmer bei Beginn des befristeten Jobs 52 Jahre oder älter, muss die Befristung seines Vertrags von bis zu fünf Jahren Dauer nicht sachlich begründet werden. (dpa)
Burnout-Syndrom
Burnout bedeutet soviel wie "ausgebrannt sein". Ein Burnout-Syndrom bekommen meist Menschen, die über lange Zeit an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, sich in ihrem Beruf überengagieren und extrem hohe Erwartungen an sich selbst stellen.
Gerade weil Burnout vor allem ehrgeizige Mitarbeiter trifft, ist deren schleichendes Abgleiten in den Burnout oft nicht erkennbar.
Ausgangspunkt ist oft Überengagement im Beruf, der zum Lebensinhalt wird. Der Betroffene verleugnet seine Bedürfnisse.
Anzeichen sind häufige Flüchtigkeitsfehler, völlige Erschöpfung, chronische Müdigkeit, Energiemangel und Konzentrationsstörungen.
Oft folgt ein reduziertes Engagement, einige Betroffene machen Schuldzuweisungen und werden aggressiv.
Es kann aber auch zu Depressionen und Angststörungen kommen. Die Suchtgefahr steigt.
Wer einem Burnout-Syndrom vorbeugen will, sollte sein Privatleben stärker pflegen, Konfliktstrategien erlernen, häufiger Kompromisse durchsetzen und sich gegen Überforderung im Beruf wehren.
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