15.08.12

Braunkohlekraftwerk

RWE nimmt milliardenteures Kraftwerk in Betrieb

Für den Stromkonzern ist das BoA 2&3 das modernste Kraftwerk seiner Art, für Umweltschützer ein Dinosaurier mitten in der Energiewende.

Foto: REUTERS
CEO of RWE Terium and Germany's Environment Minister Altmaier pose in front of the new coal power plant during an official opening ceremony in the western city of Neurath
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU, l.) und RWE-Chef Peter Terium bei der offziellen Inbetriebnahme der zwei Kraftwerksblöcke

Grevenbroich. Im rheinischen Grevenbroich hat der Energiekonzern RWE zwei neue, milliardenteure Kraftwerksblöcke zur Stromerzeugung aus Braunkohle in Betrieb genommen. Das wegen seines hohen C02-Ausstoßes umstrittene RWE-Kraftwerk BoA 2&3 hat eine Kraftwerksleistung von 2200 Megawatt und produziert genug Strom, um 3,4 Millionen Haushalte zu versorgen.

Während RWE die Doppelblockanlage weltweit rühmt, sehen Umweltschützer einen Rückschlag für die Energiewende . "Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger", sagte Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer in Hamburg.

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Zum offiziellen Start kamen am Mittwoch neben RWE-Chef Peter Terium auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Altmaier würdige bei der Festveranstaltung in Neurath den 2,6 Milliarden Euro teuren Kraftwerksneubau als "herausragenden Beitrag zum Gelingen der Energiewende" und als praktizierten Umweltschutz. Denn mit der Inbetriebnahme könnten alte, umweltschädlichere Anlagen vom Netz genommen werden. Die neuen Anlagen sollen pro Jahr bis zu sechs Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen

Ministerpräsidentin Kraft (SPD) nannte den Bau "eines der wichtigsten Industrieprojekte in diesem Land". Nordrhein-Westfalen wolle auch in Zukunft das Energieland Nummer eins in Deutschland bleiben.

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In Deutschland wird etwa ein Viertel des Stroms aus Braunkohle erzeugt. Die neuen Anlagen des Kraftwerks Neurath sollen pro Jahr bis zu sechs Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen. Sie sollen alte Anlagen ersetzen, die zum Teil bereits außer Betrieb genommen worden sind.

Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einem "Desaster für den Klimaschutz". Neurath zähle "zu den größten CO2-Schleudern Europas", hieß es in einer Mitteilung. "Allein diese beiden Blöcke werden 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen."

Der Umweltverband BUND griff Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen an. "Dass ausgerechnet Ministerpräsidentin Kraft diesen Klimakiller offiziell in Betrieb nimmt, belegt die widersprüchliche Energie- und Klimaschutzpolitik der Landesregierung", kritisierte der nordrhein-westfälische BUND-Chef Paul Kröfges. Das Kraftwerk Neurath sei "ein Dinosaurier des Kohlezeitalters". Die Gewinnung von Braunkohle in den Tagebauen des Rheinlandes sei außerdem "mit unbeherrschbaren Ewigkeitsschäden verbunden".

Die Grünen in NRW betonten, die politische Ablehnung des Baus neuer Kohlekraftwerke bleibe bestehen: "Nordrhein-Westfalen wird auch weiterhin die erneuerbaren Energien ausbauen und den Ausstieg aus der Kohle vorantreiben."

RWE-Chef Terium sieht gerade in der neuen Doppelblockanlage einen wichtigen Baustein für die Energiewende. Moderne Kohle- und Gaskraftwerke seien unverzichtbar, "weil sie anders als Wind und Sonne immer und flexibel produzieren können", erklärte Terium. Dem Energiekonzern zufolge ist jeder Kraftwerksblock so konzipiert, dass er in 15 Minuten seine Leistung um gut 500 Megawatt verändern kann.

Zur Grundsteinlegung war am 23. August 2006 auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gekommen. Im Oktober 2007 sorgte dann ein schwerer Unfall auf der Baustelle für Aufsehen. In großer Höhe stürzte ein Stahlgerüst in die Tiefe. Drei Männer kamen ums Leben.

Mit Material von dpa/dapd

Braunkohle: Stromlieferant Nr. eins in Deutschland

Braunkohle: Stromlieferant Nummer eins in Deutschland

Die Braunkohle ist zwar nicht der energiereichste Brennstoff, aber in Deutschland die Nummer eins in der Stromerzeugung. Das liegt daran, dass das "braune Gold" kostengünstig im Tagebau gewonnen werden kann. Abbaugebiete liegen vor allem im Rheinland und in Ostdeutschland.

4,9 Prozent des Stroms sind im vergangenen Jahr aus der Braunkohle gewonnen worden. Damit liegt Strom aus der braunen Kohleart vor den erneuerbaren Energien, die 20 Prozent ausmachten.

Aus Steinkohle sind 18,6 Prozent erzeugt worden, in Atommeilern 17,6 Prozent und aus Erdgas 13,7 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Braunkohle fördert RWE im rheinischen Revier. Auch der Energiekonzern Vattenfall verfügt über Braunkohle.

Infolge des vorgezogenen Ausstiegs aus der Kernenergie hat die Braunkohle an Wert für die Erzeuger zugenommen. Braunkohle bedient vor allen die Grundlast bei der Stromerzeugung.

Moderne Kraftwerke können ihre Leistung aber auch schnell variieren und so Stromschwankungen durch variabel anfallenden grünen Strom ausgleichen.

Umweltorganisationen kritisieren Braunkohlekraftwerke dagegen als "CO2-Schleudern" und "Klimakiller". In der Braunkohleindustrie arbeiten knapp 22 800 Menschen, die Hälfte davon im rheinischen Revier. (dpa)

Ökostromanteile der Energieriesen ist ausbaufähig
Nach der Energiewende: Ökostromanteile der Energieriesen ist auch im Jahr 2012 noch ausbaufähig.
Der Anteil der vier großen Stromkonzerne in Deutschland an den regenerativen Erzeugungskapazitäten liegt zum Teil noch im einstelligen Prozentbereich.
Wind und Wasser sind dabei die wichtigsten Quellen.
Mit einer Kraftwerkskapazität von rund 5 Prozent (2010) an der gesamten Erzeugung hat vor allem der Branchenriese RWE noch erheblichen Ausbaubedarf.
Eon und die baden-württembergische EnBW kommen jeweils auf gut 10 Prozent.
Nur die deutsche Tochter der schwedischen Vattenfall erreicht nach eigenen Angaben mit 20 Prozent am Erzeugungsmix etwa den Anteil, der auch bundesweit auf die erneuerbaren Energien entfällt.
RWE und Eon haben für die kommenden Jahre Milliardeninvestitionen in den Ausbau vor allem für Windparks angekündigt. (dpa)
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