Österreich
Schmuck-Konzern Swarovski ließ Heimkinder Akkord arbeiten
Der Schmuck-Konzern habe Ende der 60er Jahre Bewohner eines Tiroler Kinderheims im Akkord arbeiten lassen. Swarovski hat nichts archiviert.
Wien/Innsbruck. Der österreichische Kristallglas-Konzern Swarovski hat nach einem Zeitungsbericht in den 60er-Jahren Heimkinder zur Akkordarbeit eingesetzt. Die Kinder lebten laut der Tageszeitung "Kurier" (Mittwoch) in einer Erziehungsanstalt im Bundesland Tirol. 15- bis 18-jährige Mädchen hätten täglich zehn Stunden für Swarovski gearbeitet und geschliffene Glaskristalle auf Bändern befestigt. Dafür hätten sie nur "einige Groschen" bekommen.
Swarovski fand in den Firmenarchiven nichts zu dem Thema, sagte eine Sprecherin der Zeitung. Auf Anfrage wollte sich der Konzern am Mittwoch zunächst nicht äußern, kündigte aber für den Nachmittag eine Stellungnahme an.
Mehrere ehemalige Heimkinder aus St. Martin bestätigten in der Zeitung den Bericht. Laut einer ehemaligen Heimbewohnerin sollen es 20 bis 25 Mädchen gewesen sein, die von dem Heim zu der Arbeit für den Schmuck-Hersteller gezwungen wurden. "Da gab es so eine Schachtel mit den kleinen Steinen. Winzige Kristallsteine", erinnert sich Johanna P. Sie war 1968 und 1969 als Jugendliche in Schwaz interniert. Mit einem Schlauch legte sie die Kristalle auf vorgefertigte Schablonen: "Es war Fließbandarbeit."
Eine andere Frau bezeichnete die Arbeit als körperlich anstrengend, viele Mädchen hätten Probleme mit den Handgelenken bekommen. Das ständige Glitzern habe auch die Augen beeinträchtigt. Geld sah sie ebenfalls nie: "Ich bin sicher, dass Swarovski sehr wohl bezahlt hat, nur wir haben nichts davon gesehen." Sie glaubt, dass die Heimleitung den Lohn einbehalten habe.
Mit Material von dpa














