Teure Haftung
SPD: Deutschland könnte die Krise eine Billion Euro kosten
Haushaltssprecher Schneider sieht Deutschland "längst in Schuldenunion" - was für den Bund noch höhere Kosten als bislang vermutet bedeuteten.
Berlin/Madrid. Für Deutschland könnte die Euro-Krise noch teurer werden als bislang bekannt. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, sagte der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe), das deutsche Haftungsrisiko für die Krisenländer belaufe sich inzwischen auf eine Billion Euro.
"In Wahrheit sind wir schon längst in der Schuldenunion", sagte Schneider. "Wir haften nicht nur im Rahmen der Griechenland-Pakete und der Euro-Rettungsschirme mit insgesamt 310 Milliarden Euro für die Schulden der Defizitländer, sondern mit noch viel größeren Summen für die Transaktionen der Europäischen Zentralbank."
Kritik übte Schneider an den Entscheidungsverfahren der Europäischen Zentralbank (EZB), die intransparent und undemokratisch seien. Schneider sagte, Deutschland habe im EZB-Rat wie beispielsweise Malta nur eine Stimme. "Defizite über die EZB zu finanzieren, ist der schlechteste Weg, mit der Eurokrise umzugehen", sagte er. Aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bevorzuge diesen Weg, weil er ihr immer neue Abstimmungen im Bundestag über immer höhere Haftungssummen erspare.
Rajoy hält sich bei Antrag auf EU-Finanzhilfe weiter bedeckt
Derweil will sich der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy in der Frage eines möglichen Antrags auf weitere europäische Finanzhilfe weiter nicht festlegen. Sein Land werde abwarten, bis die EZB ihre Pläne und Bedingungen für einen Aufkauf von Staatsanleihen bekannt gebe. "So lange wir nicht wissen, welche Entscheidung die EZB trifft, werden auch wir keine treffen", sagte Rajoy am Dienstag nach einem Treffen mit dem spanischen König Juan Carlos in dessen Sommerresidenz in Palma de Mallorca.
Vor zwei Wochen hatte EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt, den Druck an den Märkten auf angeschlagene Eurostaaten mit entsprechenden Maßnahmen zu lindern. Weitere Finanzhilfe werde aber an Bedingungen wie zusätzlichen Sparprogrammen geknüpft.
Mit Material von dpa und dapd















