14.08.12

Bruttoinlandsprodukt

Deutsche Wirtschaft wächst - Eurozone in der Rezession

Der deutsche Konjunkturmotor drosselt sein Tempo. Es reicht nicht mehr, um ein Abrutschen des Euro-Raums in die Rezession zu verhindern.

Foto: dpa
Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. Rezession im Euroraum
Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. Rezession im Euroraum

Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft verliert in der Euro-Schuldenkrise an Schwung. Nach dem starken Jahresauftakt drosselte Europas Konjunkturlokomotive im zweiten Quartal das Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Zu Jahresbeginn hatte die Wirtschaft noch um 0,5 Prozent zugelegt. Der Euro-Raum insgesamt steckt in der Rezession fest.

Das zweite Quartal fiel in Deutschland allerdings etwas besser aus als von Ökonomen erwartet. Sie hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Skeptisch sind sie für das laufende Vierteljahr.

+++ Deutsche Wirtschaft wächst trotz Eurokrise leicht +++

Positive Impulse kamen von April bis Juni vom Außenhandel und vom Konsum. Nach vorläufigen Berechnungen stiegen die Exporte stärker als die Importe. Vor allem in Ländern außerhalb der Euro-Zone liefen die Geschäfte deutscher Exportunternehmen weiter rund.

Auch der Binnenkonsum lag über dem Niveau des Vorquartals. "Der starke deutsche Arbeitsmarkt in Verbindung mit niedrigeren Inflationsraten stützt den Binnenkonsum", erklärte Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg-Bank. Die deutschen Unternehmen hielten sich wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise dagegen mit Investitionen zurück.

+++ Wirtschaft der Euro-Zone schrumpft um 0,2 Prozent +++

Im Vergleich zum zweiten Quartal 2011 legte das BIP in Deutschland unter Berücksichtigung der Inflation um 0,5 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger: Ohne diesen Effekt lag der Zuwachs bei 1,0 Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erklärte: "Vor dem Hintergrund des schwierigeren europäischen und weltwirtschaftlichen Umfelds bleibt es wichtig, Wachstumsimpulse zu setzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken".

Deutschland steht mit dem zweiten Quartal deutlich besser da als viele andere Länder der Euro-Zone. Unicredit-Chefvolkswirt Andreas Rees sprach von einer eindrucksvollen Entwicklung. Erneut sei es der deutschen Wirtschaft gelungen, sich von dem negativen Trend in der Eurozone abzukoppeln und besser abzuschneiden als andere Ländern im gemeinsamen Währungsraum.

+++ Stichwort: Bruttoinlandsprodukt +++

Nach einer Stagnation in den ersten drei Monaten 2012 sackte das BIP in den 17 Ländern mit der Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent ab. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg in einer ersten Schätzung mit. Damit steckt die Eurozone in einer Rezession fest. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander entweder unverändert bleibt oder abnimmt. Auch im Schlussquartal 2011 hatte es mit 0,3 Prozent bereits ein Minus im Vergleich zu den drei Monaten davor gegeben – den ersten Rückschlag seit 2009.

Allerdings wird auch Deutschland Ökonomen zufolge nicht ganz ohne Schrammen durch die Krise kommen. Die Commerzbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,1 Prozent schrumpfen wird. "Die eigentlich wettbewerbsstarke deutsche Wirtschaft leidet unter den von der Staatsschuldenkrise ausgehenden Unsicherheiten und dem geringen Wachstum der Weltwirtschaft", erklärte Chefvolkswirt Jörg Krämer. Sein Kollege Schulz erwartet, dass die Wirtschaft von Juli bis September stagniert, bevor es zum Jahresende wieder aufwärts gehen soll.

BIP 2011 in wichtigen Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt: plus 3,0 Prozent (2010: plus 3,7 Prozent)
Private Konsumausgaben: plus 1,5 Prozent (2010: plus 0,6 Prozent)
Konsumausgaben des Staats: plus 1,2 Prozent (2010: plus 1,7 Prozent)
Ausrüstungsinvestitionen: plus 8,3 Prozent (2010: plus 10,5 Prozent)
Bauinvestitionen: plus 5,4 Prozent (2010: plus 2,2 Prozent)
Sonstige Anlagen: plus 4,8 Prozent (2010: plus 4,7 Prozent)
Exporte: plus 8,2 Prozent (2010: plus 13,7 Prozent)
Importe: plus 7,2 Prozent (2010: plus 11,7 Prozent) (dapd)
(abendblatt.de/dpa)
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