09.08.12Prozess um MediaSaturn
Metro im Machtkampf gegen Gründer erfolgreich
Der Handelskonzern setzt sich vor Gericht gegen den Gründer von MediaSaturn durch. Doch der Streit dürfte damit nicht beendet sein.
Von abendblatt.de
Foto: dpa/DPA
Das Oberlandesgericht München hat bei dem Machtkampf um den Elektronikhändler Media-Saturn zugunsten der Metro AG entschieden
München.
Die
Metro
hat sich im Machtkampf bei MediaSaturn gegen die Minderheitseigentümer um
Firmengründer Erich Kellerhals
vor Gericht durchgesetzt. Der Streit zwischen dem Düsseldorfer Handelskonzern und Kellerhals dürfte damit aber nicht vorbei sein - beide Seiten sehen sich in ihren Positionen bestärkt.
Das Oberlandesgericht (OLG) München bestätige am Donnerstag, dass die Einrichtung eines Beirats für operative Entscheidungen bei der Dachgesellschaft der Ketten Media Markt und Saturn rechtmäßig war und wies die Klage von Kellerhals zurück. Die Richter ließen eine Revision nicht zu, es bleibt Kellerhals nur eine Beschwerde beim BGH. In dem Beirat kann mit einfacher Mehrheit entschieden werden, in der Gesellschafterversammlung hat Kellerhals ein Vetorecht.
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Zu klären, was mit welcher Mehrheit im Beirat beschlossen werden kann, sei Sache eines Schiedsgerichts, urteilte das Gericht. Das von der Metro angerufene Schiedsgericht hatte bereits am Mittwoch entschieden und aus Sicht der Metro die Position des Konzerns gestärkt. Danach ist der Beirat für wichtige operative Fragen wie den Kauf und Verkauf von Unternehmen oder das Budget zuständig.
Die Metro, die drei Viertel an Media-Saturn hält, sieht ihre Position gestärkt. "Die Metro ist sehr erfreut über die beiden Entscheidungen", sagte ein Konzernsprecher.
Auch die Seite von Kellerhals sieht sich bestätigt, schließt aber Rechtsmittel nicht aus. "Entscheidend ist, dass die Metro keinen Millimeter weitergekommen ist. Sie kann weiter nicht durchregieren", sagte Kellerhals' Anwalt Luidger Röckrath. "Herr Kellerhals hat weiterhin seine Minderheitsrechte und kann sie durchsetzen." Beide Seite wollten die ausführliche Begründung von OLG und Schiedsgericht abwarten.
Mit Material von dpa/Reuters
Die Metro Group ist Deutschlands größter Handelskonzern.
Mit einem Umsatz von rund 66,7 Milliarden Euro rangiert das Unternehmen in Europa auf Platz drei hinter der französischen Carrefour und der britischen Tesco.
Der Metro-Konzerngewinn ging im Jahr 2011 um ein Fünftel auf 741 Millionen Euro zurück.
Der Düsseldorfer Handelsriese ist stark internationalisiert.
Rund 280.000 Mitarbeiter sind an knapp 2200 Standorten beschäftigt.
Metro erwirtschaftet mehr als 60 Prozent des gesamten Umsatzes im Ausland.
Bei den Großhandelsmärkten Cash & Carry (C&C), aus denen Metro ursprünglich hervorgegangen ist, sind es sogar mehr als 80 Prozent.
Neben den C&C-Märkten, die das Kerngeschäft der Metro bilden, ist das Unternehmen mit dem SB-Warenhaus Real im Lebensmitteleinzelhandel aktiv.
Weitere Sparten sind der Elektronikfachhandel ("Media Markt", "Saturn") und das Warenhausgeschäft mit Galeria Kaufhof.
Ihren Anfang nahm Metro zu Beginn der 1960er Jahre.
Damals gründeten die Lebensmittelhändler Schmidt-Ruthenbeck den ersten SB-Großmarkt in Essen.
Die Industriellenfamilie hält noch heute gemeinsam mit der Duisburger Familie Haniel mehr als 50 Prozent der Metro-Anteile. (dpa)
Europas größte Elektronikketten
Die Media-Saturn-Gruppe ist Europas größter Elektronikhändler.
Die Ketten Media Markt und Saturn verfügen aktuell über 900 Märkte in 15 Ländern Europas und in China. Darunter sind knapp 400 Märkte beider Ketten in Deutschland.
Außerdem gehört der reine Online-Händler Redcoon dazu, der 2011 von Media-Saturn übernommen wurde und in zehn Ländern Europas vertreten ist.
Im Geschäftsjahr 2011 ging der Umsatz von Media-Saturn um 190 Millionen Euro beziehungsweise 0,9 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zurück.
Als Gründe wurden eine schwierige Konjunktur und der Rückzug von Saturn aus Frankreich genannt.
Der operative Gewinn (EBIT) stagnierte bei 493 Millionen Euro im Gesamtjahr.
Im zweiten Quartal 2011 waren wegen Preissenkungen erstmals rote Zahlen geschrieben worden.
Die Gruppe beschäftigt weltweit 66 000 Mitarbeiter, davon 26 000 in Deutschland.
Allein am Firmensitz in Ingolstadt sind mehr als 2000 Mitarbeiter tätig.
2011 wurden europaweit 3000 Arbeitsplätze aus Kostengründen gestrichen.
Mehrheitseigentümer von Media-Saturn ist der Handelsriese Metro AG mit gut 75 Prozent.
Die Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel halten die restlichen Anteile. (dpa)