08.08.12

Kinderspielzeug

EU-Richtlinie: Mehr Gifte in Spielzeug möglich

Brüssel-Pläne erlauben mehr Schadstoffe – bis zu 22-fach höher als deutsche Grenzwerte. Regierung reichte bereits im Mai Klage ein.

Foto: dpa/DPA
EU-Parlament stimmt für mehr Sicherheit bei Kinderspielzeug
Die neuen EU-Grenzwerte für Schadstoffe in Kinderspielzeug erlauben höhere Konzentrationen. Berlin reagierte bereits im Mai mit einer Klage gegen die Pläne aus Brüssel

Stuttgart/Berlin. Wenn die neuen EU-Grenzwerte für Schadstoffe wie geplant umgesetzt werden, könnte Kinderspielzeug künftig deutlich höhere Konzentrationen an Schadstoffen aufweisen. Nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" läge etwa die für Antimon maximal zulässige tägliche Aufnahmemenge in Spielzeug dann um den Faktor 22 höher als nach aktuellem deutschen Recht.

Die Zeitung beruft sich auf neue Zahlen der Bundesregierung. Bei Barium steige der Wert um den Faktor 18, bei Arsen um den Faktor 3,6, bei Blei um 1,9 und bei Quecksilber um den Faktor 1,5. Bereits im Mai hatte die Bundesregierung Klage gegen die EU-Kommission wegen der Richtlinie eingereicht .

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"Bei einigen Elementen führt die Anhebung der Grenzwerte nach heutigem Kenntnisstand zu einer kritischen Erhöhung des gesundheitlichen Risikos für Kinder", zitieren Zeitungen der WAZ-Mediengruppe vorab aus einer Antwort der Regierung auf eine Grünen-Bundestagsanfrage.

Die Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch forderte die Bundesregierung auf, für eine Selbstverpflichtung der Spielzeugindustrie auf die derzeitigen Grenzwerte zu sorgen. (dpa/dapd/abendblatt.de)

Schadstoffe in Spielwaren
Viele Spielwaren sind mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet. Von einigen Substanzen droht im Extremfall unmittelbar Gefahr, andere wirken langfristig im Körper. Eine Auswahl:
Arsen:
Arsen wird für Metall-Legierungen, in der chemischen Industrie und zur Herstellung von Spezialglas und Halbleitern eingesetzt. Akute Vergiftungen führen zu blutigen Brechdurchfällen, Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Gelangt Arsen über einen längeren Zeitraum in kleinen Mengen in den Körper, so kann es Störungen des Nervensystems und Krebs verursachen.
Blei:
Blei und seine Verbindungen kommen in Farben und Kunststoffen vor. Es wird auch in Batterien und als Lötmetall verwendet. Das Schwermetall ist giftig, egal ob es über den Mund, die Atemwege oder die Haut in den Körper gelangt. Wer Blei über längere Zeit aufnimmt, wird blass, schwach, müde und leidet an Appetitlosigkeit. Seltene akute Bleivergiftungen rufen Koliken und Erbrechen hervor und können zum Tod führen. Weitaus häufiger gibt es schleichende Schäden. Insbesondere bei Kindern kann die geistige Entwicklung zurückbleiben. Einige Bleiverbindungen wirken auch krebserregend.
Quecksilber:
Quecksilber reagiert im Körper mit lebenswichtigen Enzymen und hemmt deren Wirkung. Es kann zu Erbrechen und Durchfall führen, bei längerer Aufnahme auch zu Seh- und Gedächtnisstörungen sowie zu Halluzinationen. Gelangt das giftige Schwermetall in die Umwelt, kann es von Mikroorganismen in Verbindungen umgewandelt werden, die das zentrale Nervensystem schädigen und schlimmstenfalls zum Tod führen. Quecksilber wird unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Batterien verwendet. Die Verbindung Quecksilberchlorid kommt bei der Porzellanmalerei vor und wird als Desinfektionsmittel eingesetzt. (dpa)
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