06.08.12

Karstadt-Eigner Berggruen

Verkauf der Premiumhäuser ist nicht geplant

Weder das Hamburger Alsterhaus noch das KaDeWe stehen zum Verkauf. Entsprechende Berichte seien "unwahr", so der Konzern.

Foto: dpa/DPA
Berggruen-Holdings: Keine Verkauf von Karstadt-Teilen geplant
Das Alsterhaus am Hamburger Jungfernstieg wird nicht verkauft. Auch die anderen Premiumhäuser der Berggruen Holdings wie das KaDeWe in Berlin und das Oberpollinger in München sollen nicht aus der Warenhauskette Karstadt herausgelöst werden

Hamburg/Essen. Im Namen des Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen hat die Essener Warenhauskette Berichte über mögliche Verkaufsabsichten als "unwahr" zurückgewiesen . "Nicolas Berggruen ist ein langfristig orientierter Investor und dementiert entschieden, dass Teile des Karstadt Geschäfts verkauft werden sollen", heißt es in einer am Montag in Essen verbreiteten Stellungnahme des Chefs der Berggruen Holdings, Jared Bluestein.

Bluestein ist auch Aufsichtsratschef von Karstadt. Berggruen, der die Handelskette vor drei Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen hatte, unterstütze die Strategie des Karstadt-Vorstandschefs Andrew Jennings ohne Einschränkungen.

+++ Karstadt in Hamburg droht tiefer Einschnitt +++

+++ Spekulationen: Wird das Alsterhaus verkauft? +++

Der "Spiegel" hatte zuvor von persönlichen Verhandlungen von Bluestein mit der Qatar Holding und dem kanadischen Familienunternehmen George Weston Limited über einen möglichen Verkauf der sogenannten Premiumhäuser berichtet. Dazu zählen das Alsterhaus am Hamburger Jungfernstieg, das KaDeWe in Berlin sowie das Oberpollinger in München.

Karstadt hatte Mitte Juli den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen angekündigt. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag aus. Die Einschnitte begründete Karstadt-Chef Andrew Jennings mit dem Konzernumbau und einem schwierigen Geschäftsumfeld wegen der Euro-Krise. Die Zahl der Karstadt-Filialen soll aber unverändert bleiben. Verkaufspläne auch für die Premiumhäuser hatte die Unternehmensspitze stets dementiert. (dpa/abendblatt.de)

Karstadt seit Jahren in der Krise – eine Chronologie
Karstadt seit Jahren in der Krise – eine Chronologie
Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Den Wendepunkt brachte im Juni 2010 das Einspringen des Investors Nicolas Berggruen. Jetzt steht ein Stellenabbau an.
1. September 2009: Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH – wird das Insolvenzverfahren eröffnet.
1. Dezember 2009: Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.
15. März 2010: Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt.
12. April: 2010 Die Gläubiger stimmen dem Plan zu.
23. April 2010: Der Finanzinvestor Triton bietet für Karstadt.
21. Mai 2010: Auch die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holdings will Karstadt übernehmen.
28. Mai 2010: Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt.
31. Mai 2010: Das Gericht verschiebt den Termin zur Annahme des Insolvenzplans auf den 10. Juni. Er wird noch mehrmals verschoben.
1. Juni 2010: Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.
3. Juni 2010: Der Handelskonzern Metro bekräftigt sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.
7. Juni 2010: Berggruen erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag. Einen Tag später unterschreibt er den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert von Highstreet deutliche Mietsenkungen.
14. Juni 2010: Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis.
20. Juni 2010: Berggruen lehnt ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.
26. August 2010: Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.
2. September 2010: Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.
30. September 2010: Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.
23. November 2010: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und startet Anfang Januar 2011.
6. Juli 2011: Jennings legt das Konzept "Karstadt 2015" vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.
16. Juli 2012: Karstadt will bis Ende 2014 rund 2000 der 25.000 Stellen streichen. (dpa)
Karstadt: Der schwere Weg aus der Krise
Die Karstadt AG geht auf eine Geschäftsgründung von Rudolph Karstadt 1881 in Wismar zurück.
Die Warenhauskette betreibt aktuell 86 Waren- und 26 Sporthäuser und das Internetportal Karstadt.de.
Das Unternehmen beschäftigt rund 25 000 Mitarbeiter.
Etwa 1,5 Millionen Menschen besuchen nach Firmenangaben täglich die Filialen des Konzerns.
Zum Portfolio gehört unter anderem das weltbekannte Kaufhaus des Westens (KaDeWe), eines der größten europäischen Kaufhäuser überhaupt.
Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt in die Insolvenz gerutscht.
Den Wendepunkt brachte im Juni 2010 das Einspringen des Investors Nicolas Berggruen.
Seitdem ist die Kette auf einem schwierigen Sanierungsweg.
Der Umbau könne vier bis fünf Jahre oder auch länger dauern.
"Es wird ein Marathon, kein Sprint", hatte Karstadt-Chef Andrew Jennings Anfang Februar der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. (dpa)
(bob/dpa/rtr)
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