05.08.12

Vier Jahre nach dem Übernahmekampf

Muss Ex-Porsche-Chef Wiedeking bald vor Gericht?

Verdacht auf Markt-Manipulation: Ex-Porsche-Chef droht nach Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW eine Klage.

Foto: dpa/DPA
Wendelin Wiedeking
Ex-Porsche-Chef Wiedeking droht eine Anklage wegen Marktmanipulation

Stuttgart/Hamburg. Vier Jahre nach der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW wird eine Anklage gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking offenbar immer wahrscheinlicher. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, will die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Wiedeking wegen Marktmanipulation anklagen. Die Ermittler hätten den Verteidigern mitgeteilt, dass sie ihnen die letzten Akten zustellen wollen. Wiedekings Anwälte von der Kanzlei Feigen/Graf ließen am Sonnabend in Stuttgart lediglich mitteilen, dass sie die Vorwürfe zurückweisen.

+++++Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: "No risk, no fun"+++++

Demnach sollen Wiedeking und der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter den Finanzmarkt durch falsche Informationen oder das Verschweigen von Informationen über die Porsche-Pläne beim VW-Einstieg getäuscht haben. Im Zuge des später gescheiterten Übernahmeversuchs von VW durch Porsche vor vier Jahren sahen sich Anleger über die wahren Absichten des Sportwagenbauers getäuscht und erlitten starke Verluste. Sie hatten auf sinkende Kurse der VW-Stammaktie gewettet – tatsächlich schoss der Wert der Papiere in die Höhe.

Auch gegen Härter solle wegen Marktmanipulation Anklage erhoben werden, berichtete "Der Spiegel" weiter. Wenn die Akten zugestellt seien, hätten die Anwälte ausreichend Zeit für eine Stellungnahme. Danach erst wolle die Staatsanwaltschaft endgültig entscheiden, was sie tut. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde kommentierte die Informationen am Wochenende auf dpa-Anfrage zunächst nicht.

+++++VW-Chef Winterkorn: Schnelle Fusion spart keine Steuern+++++

Wiedeking und sein Finanzchef Härter hatten Porsche im Sommer 2009 verlassen müssen. Um ihre damalige Arbeit drehen sich inzwischen auch zahlreiche nationale und internationale Investorenklagen. Anlager fühlen sich rückblickend fehlinformiert und betrogen.

VW hatte damals den Spieß umgedreht und die Übernahmeschlacht gewonnen. Seit Mittwoch gehört die Stuttgarter Sportwagenschmiede vollständig zu Europas größtem Autokonzern. Volkswagen übernahm für rund 4,5 Milliarden Euro die restlichen 50,1 Prozent der Anteile an der Porsche AG von der Dachgesellschaft Porsche SE (PSE). Der ursprüngliche Plan von VW, mit der PSE zu fusionieren, war an rechtlichen Risiken gescheitert.

+++++BaFin: "Tiefergehende Untersuchung" noch offen+++++

Bereits Ende Juni war bekanntgeworden, dass Härter infolge des spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen wegen Kreditbetruges vor Gericht muss. Härter und zwei seiner Spitzenkräfte aus der Finanzabteilung der Porsche-Holding sollen während des Übernahmekampfs mit VW bei Verhandlungen für Kreditgeschäfte eine Bank falsch informiert haben. Härter hatte die Anschuldigungen als haltlos bezeichnet.

Bis dato liefen gegen Härter und Wiedeking Prüfungen, die sich neben dem Vorwurf der Marktmanipulation auch auf möglicher Untreue bezogen. Die Anklage gegen Härter war nur ein erster Zwischenstand. Nach früheren Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft dauert es noch, bis alle Ergebnisse feststehen.

Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE (kurz PSE) hortet zwei Schätze unter ihrem Dach. Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns. Zweitens gehört der Dachgesellschaft gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.
Diese Konstellation ist das Ergebnis eines Burgfriedens, den die Stuttgarter und die Wolfsburger nach einer Übernahmeschlacht vor rund drei Jahren schlossen. Die PSE hatte sich beim Versuch, mit riskanten Finanzgeschäften die Macht bei VW an sich zu reißen, kräftig verhoben und derart viele Schulden angehäuft, dass am Ende ausgerechnet VW die letzte Rettung war.
In einem ersten Schritt der Hilfe kauften die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte am reinen Sportwagengeschäft aus der Porsche AG. Es flossen knapp 4 Milliarden Euro in den Süden, die den gut 11 Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen.
So schnell wie möglich soll nun die zweite Hälfte der Porsche AG auch an VW gehen. Unter dem Dach der PSE blieben dann noch die VW-Anteile. Doch das ist ihren Besitzern – allen voran die Familien Porsche und Piëch, gefolgt vom Emirat Katar – offenbar zu wenig. Daher sollten die Aktionäre am Montag eine umfassende Satzungsänderung beschließen.
Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen. Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Winterkorn erklärte am Montag, dass das Geld in der PSE in Zukunft "für weitere strategische Beteiligungen" genutzt werden solle.
Automobilexperten sehen darin ein Indiz dafür, dass die PSE strategische Positionen in der Welt der Autobauer besetzen soll - etwa bei Energie oder Materialeinkauf – und diese Stellung mit einem Geschäftsmodell in Richtung VW verknüpft. Deren Chef sagte am Montag: "Volkswagen bleibt auch in Zukunft das Kerninvestment der Porsche SE. Die Porsche SE ist und bleibt untrennbar mit der Automobilindustrie verbunden."
Alle denkbaren neuen Geschäftsfelder bewegten sich "entlang der automobilen Wertschöpfungskette" – die PSE bleibe also der Autowelt treu. Details nannte Winterkorn am Montag nicht. (dpa)
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