03.08.12

USA

Die düstere Wahrheit hinter den US-Arbeitslosenzahlen

Die größte Volkswirtschaft der Welt ist arbeitslos. Ihre Erwerbslosenquote sinkt zu langsam. Der Wert verschleiert die wahren Probleme.

Foto: dpa/DPA
US-Arbeitslosenzahlen
Menschen stehen vor einem Regierungsgebäude in Brooklyn, New York, an, um an einer vom Bundesstaat New York geförderten Jobmesse teilzunehmen

Washington. Seit Monaten ist es dasselbe Spiel. An jedem ersten Freitag des Monats legt die US-Regierung ihre Arbeitslosenstatistik vor. Und innerhalb von Minuten verfallen Wirtschaftsexperten und Reporter in lautes Wehklagen: Die Zahl neuer Stellen zu gering, die Konjunktur zu flau – und Präsident Barack Obama deswegen praktisch abgewählt, meinen sie. Die Arbeitslosenquote ist zum allumfassenden Gradmesser für die Lage eines Landes geworden, dessen Wirtschaft zu 70 Prozent vom Konsum der Bürger abhängt. Dabei gibt der Wert nicht einmal Aufschluss darüber, wie düster die Situation tatsächlich ist.

Wenige Tage, nachdem Obama Anfang 2009 ins Weiße Haus einzog, schoss die Arbeitslosenquote erstmals seit Anfang der 80er Jahre über 8 Prozent. Sie kletterte danach bis auf 10 Prozent und fiel dann wieder. Aber auf einen Wert mit einer 7 oder gar einer 6 vor dem Komma wartet der Präsident vergeblich. Er weiß, mit einer solch hohen Quote wie den aktuellen 8,3 Prozent wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bislang noch kein Amtsinhaber wiedergewählt.

+++ US-Arbeitslosenquote gestiegen – aber Plus bei neuen Jobs +++

Doch vermutlich weiß er auch, dass alles noch viel schlimmer sein könnte. Denn der Wert läge heute eigentlich bei vernichtenden 11 Prozent, hätten sich nicht in den vergangenen Jahren nach Schätzungen von Ökonomen rund drei Millionen Amerikaner freiwillig vom Arbeitsmarkt verabschiedet. Die sogenannte Beteiligungsquote am Arbeitsmarkt sank unter Obama von 65,7 auf 63,7 Prozent. Zuletzt hatte sich 1980 ein so kleiner Anteil der Einwohner in den USA um Arbeit bemüht.

Manche sehen keine Chance mehr auf einen Job und haben die Suche aufgegeben. Andere sind wegen der düsteren Wirtschaftslage vorzeitig in Rente gegangen. Für die Berechnung der Quote werden sie nicht mehr berücksichtigt, und das verfälscht das Bild. Viele Experten fordern daher, mit einer Statistik zu arbeiten, die wenigstens diejenigen Entmutigten erfasst, die sich vorstellen könnten, zu arbeiten, auch wenn sie nicht aktiv suchen. Diese sogenannte U-6-Quote wird auch gemessen: Sie liegt bei riesigen 15,0 Prozent. Ein Wert, den die Regierung lieber verschweigt.

Die hohe Arbeitslosenquote wäre vielleicht weniger schlimm, wenn sich Amerika auf eine alte Gewissheit verlassen könnte: Dass Jobflauten so schnell vorüberziehen, wie sie gekommen sind. Denn Langzeitarbeitslosigkeit spielte in der jüngeren Geschichte des Landes keine Rolle, dafür sorgten schon die kurzen Kündigungsfristen und der durchlässige Jobmarkt – Stichwort "hire and fire". Doch auch dieser Vorteil der US-Volkswirtschaft scheint vorbei zu sein. Mittlerweile sind weit mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen seit mehr als sechs Monaten ohne Beschäftigung. 2007, vor dem Beginn der Finanzkrise und der großen Rezession 2009, waren es gerade mal halb so viel.

+++ OECD hält Arbeitslosigkeit in den USA für Dauerproblem +++

Viele Ökonomen sprechen von einer verlorenen Generation, denn je länger die Amerikaner ohne Job sind, desto schwerer finden sie einen. Nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit sinkt die Chance, bald wieder eine Stelle zu finden, auf 16 Prozent, rechnet der Experte Gary Burtless vom Washingtoner Forschungsinstitut Brookings vor. Sie werden für Arbeitgeber zunehmend unattraktiver, ihre Fähigkeiten rosten ein, oft geht irgendwann das Selbstvertrauen verloren. Da würden eigentlich nur Trainingsmaßnahmen helfen, die Geld kosten, meint Burtless. "Das Problem ist natürlich, dass weder der Kongress noch die Öffentlichkeit in der Laune sind, diese Investition zu machen."

Besonders hart wurden die jungen Amerikaner von der Rezession getroffen, wie die offiziellen Statistiken zeigen. Nur noch 54 Prozent der Amerikaner zwischen 16 und 24 Jahre arbeiten; das ist der geringste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwar liegt das auch daran, dass sich mehr junge Leute fürs Studium entscheiden – viele von ihnen aber auch nur, weil sie auf dem Arbeitsmarkt derzeit keine Chance sehen und lieber noch ein paar Semester draufsatteln. Die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe liegt bei rund 16 Prozent, also doppelt so hoch wie der allgemeine Wert. Vor der Rezession lag sie bei etwa 10 Prozent.

Das Problem reicht zwar längst nicht an spanische Verhältnisse heran, wo Katastrophen-Quoten von rund 50 Prozent erreicht werden. Für die größte Volkswirtschaft der Welt ist es aber dennoch ein böses Omen, bei der Jugendarbeitslosigkeit den globalen Durchschnitt von 13 Prozent so deutlich zu übertreffen. Zumal gerade US-Jungakademiker finanziell sehr auf einen Job angewiesen sind, geht doch jeder Absolvent durchschnittlich mit 25 000 Dollar Miesen aus dem Studium. Der Unibesuch in den USA wird immer teurer, die Gesamtschulden haben sich in nur einem Jahrzehnt fast verfünffacht. (dpa)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Gewitter in Hannover
Aktualisiert vor 13 MinutenUnwetter im Norden
Blitzeinschläge, Dacheinsturz und Ampelausfälle

Auf die Rekordhitze folgten in weiten Teilen Norddeutschlands heftige Gewitter. In Hamburg fielen bis zu 332 Ampeln aus, zwei Dachstühle brannten. In Brunsbüttel stürzte das Dach eines Supermarktes… mehr...

-
20.06.13 HABerlin-Besuch
Obama als Welterklärer am Brandenburger Tor

Barack Obamas Berliner Rede war inhaltlich zwar keine historische Großtat, doch sie hat eines deutlich gezeigt: Die USA brauchen Deutschland als Partner. mehr...

Junge mit Ruderboot auf der Alster gekentert
07:53Schiffsunfall auf der Elbe
Sportboot rammt Polizeiboot – drei Verletzte

Der Fahrer eines Sportbootes übersah ein Polizeischiff auf der Elbe in der Nähe von Blankenese und rammte es. Dabei wurden die drei Insassen des Sportbootes schwer verletzt. mehr...


Auch er traf in Recife: Superstar Mario Balotelli brachte Italien mit einem Elfmetertreffer gegen Japan auf die Siegerstraße
07:35Confederations Cup
Schützenfest bei Italien-Sieg - Bundesliga-Stars im Pech

Die "Squadra Azzurra" steht nach einem verrückten Spiel im Halbfinale des Confed Cups. Gegen Japan siegte der Vize-Europameister mit 4:3. Für die Asiaten traf Okazaki ins richtige Tor, Uchida ins… mehr...

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. Wirtschaft„Kofferstimmung“Russen geben auf – und flüchten ins Ausland
  2. 2. DeutschlandBundespolizeiFBI lässt Aufklärungsdrohnen in den USA fliegen
  3. 3. WirtschaftHaushaltSchäuble meldet Riesensprung bei Steuereinnahmen
  4. 4. Literarische WeltMerkel-BiografienDeutschland sucht nach dieser rätselhaften Frau
  5. 5. DeutschlandBerlin-BesuchEinmal klingt Obama doch wie ein Merkel-Kritiker
Top-Videos
Hamburg
Reisetipps zum Ferienstart

Während der Sommerferien wird in Hamburg ein buntes Angebot an Aktivitäten und Veranstaltungen für Groß und Klein geboten.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Gewitter

Bilder des Unwetters im Norden

Barack Obama in Berlin

Konzert

Depeche Mode live in Hamburg

Altona

Bauarbeiter unter Stahlträger eingeklemmt

tb_top_arbeitgeber.jpg
Hamburgs Beste Arbeitgebe…

Erfahren Sie hier mehr über die Preisträger 2013!mehr

tb_umweltp.gif
UmweltPartnerschaft

Lernen Sie hier die UmweltPartner in Hamburg kennen!mehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr